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Interview

24.01.2013

Paul Biedermann: "Für Olympia lohnt sich die Schinderei"

Mit Rat und Tat steht Weltrekordler Paul Biedermann dem Nördlinger Schwimmtalent Elena Czeschner zur Seite.
Bild: AZ

Paul Biedermann fördert als Pate unter anderem Elena Czeschner aus Nördlingen. Deutschlands Top-Schwimmer über Olympia, negative Erfahrungen und den inneren Schweinehund.

Paul Biedermann ist Deutschlands bester Schwimmer. Weltrekordler und Weltmeister. Nur der Traum von einer olympischen Medaille blieb ihm bisher verwehrt. Seine Erfahrung will er nun im Juniorteam eines Sponsors, dem Finanzdienstleister DVAG, weitergeben. Gefördert werden die zehn größten deutschen Schwimmtalente. Zu dieser Gruppe gehört Elena Czeschner aus Nördlingen. Im vergangenen Jahr startete die 16-jährige Gymnasiastin erstmals bei einer EM im Erwachsenenbereich.

Paul Biedermann, wie genau sieht Ihre Unterstützung junger Schwimmer aus?

Biedermann: Ich bin im DVAG-Juniorteam als Pate tätig. Hauptsächlich bin ich dafür da, Tipps zu geben. In diesem Jahr werden wir alle zusammen ein Trainingslager auf Teneriffa machen und zusammen trainieren. Da werden wir auch mal was unternehmen, wo ich Trainingshinweise geben kann. Aber das läuft alles ganz locker. Ich stell mich nicht hin als Herr Biedermann der Allwissende, und erzähle allen, wie es im Sport so läuft.

Paul Biedermann: "Für Olympia lohnt sich die Schinderei"

Warum ist so ein Projekt in Deutschland überhaupt nötig?

Biedermann: Es ist unser Problem im Schwimmen, dass die Talente auf dem Weg zwischen Junioren-EM und Nationalmannschaft wegbrechen. Wenn die Schwimmer ein bisschen älter werden, soll der Sport nicht zur Nebensache werden. Sie sollen sagen können: Ich habe einen Sponsor, ich kann weitermachen und ich fühle mich hier unterstützt.

Elena, was konkret können Sie von Paul Biedermann lernen?

Czeschner: Sehr viel. Vor allem in Fragen rund um den Wettkampf. Zum Beispiel bei der Startvorbereitung: Wie man da mit dem ganzen Druck umgeht.

Gibt es auch etwas, dass Sie von den jungen Schwimmern lernen können?

Biedermann: Ja, die Unbekümmertheit, mit der sie an den Start gehen. Je älter man wird, desto mehr geht einem durch den Kopf. Die Frische und den Spaß am Schwimmen – das finde ich toll und das versuche ich mir immer wieder abzuschauen. Ich weiß natürlich auch, dass ich bei Weitem nicht alles richtig gemacht habe. Und wenn Elena im Trainingslager einen Tipp für mich hat, nehme ich den gerne an.

Czeschner: (lacht) Na klar. Ich wüsste da schon ein paar Sachen...

Paul, Sie haben Ihre Erfahrung angesprochen: Bei den Olympischen Spielen in London haben Sie negative Erfahrungen gemacht. Wie wichtig ist es, dass man auf seinem Weg als Sportler auch solche Erfahrungen sammelt?

Biedermann: Klar wäre es schön, wenn man darauf verzichten könnte. Aber das gibt es eher selten, zumindest war das bei mir so. Von daher ist es sehr wichtig, mit Negativ-Erfahrungen umgehen zu können. Man muss immer den Schritt gehen und daraus lernen. Natürlich ist man in dem Moment frustriert oder traurig, aber wenn man sich davon lösen kann und nach vorne schaut, dann hilft das sehr im Sport und bringt einen auch persönlich voran.

Was an Paul Biedermann können Sie sich zum Vorbild nehmen?

Czeschner: Ich finde es sehr gut, wie er mit dem Druck umgeht. Dass er sich nicht davon aus der Ruhe bringen lässt, wenn die Leute viel von ihm erwarten. Er macht einfach sein eigenes Ding.

Was zeichnet in Ihren Augen einen guten Schwimmer aus?

Biedermann: Er ist sehr trainingsfleißig, er ist diszipliniert und er ist mit dem Kopf im Training dabei.

Elena, finden Sie sich in dieser Beschreibung wieder?

Czeschner: Ja, eigentlich schon. Und hoffentlich sieht das mein Trainer auch so.

Biedermann: Das alles muss sie auch sein, denn Elena hat sich mit den 200 Meter Schmetterling eine extrem anstrengende Strecke ausgesucht. Sie hat viel Talent, muss aber auch viel Fleiß ins Training investieren, um ganz vorne dabei zu sein.

Wie motivieren Sie sich jeden Tag aufs Neue für das Training?

Czeschner: Ich denke an meine Ziele, meine Erfolge und an die schönen Erfahrungen, die ich im Schwimmen schon hatte. Das macht es leichter. Aber deswegen habe ich auch nicht immer Lust auf Training.

Biedermann: Das geht mir nicht anders. Mich motiviert aber auch meine Konkurrenz. Und wenn ich ins Training gehe, dann weiß ich, dass einer vor mir trainiert hat und einer nach mir trainieren wird. Ich habe nur dieses Zeitfenster, um an großen Wettkämpfen teilzunehmen. Olympische Spiele sind etwas ganz Besonderes und das versuche ich auch dem Juniorteam zu vermitteln. Die Spiele sind eine einmalige Erfahrung, dafür lohnt sich die Schinderei.

Sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro also Ihr Fernziel?

Czeschner: Ja, auf jeden Fall. Ich will schon versuchen, dahin zu kommen. Aber dazu muss ich in den nächsten Jahren gut trainieren. Jetzt will ich mich erst einmal für die Jugend-WM qualifizieren.

Wie ist das bei Ihnen?

Biedermann: Ich schau jetzt erst einmal auf die WM. Ich mache es genau wie Elena und setze mir Zwischenziele. Jetzt kommt erst einmal die deutsche Meisterschaft und dann hoffentlich die WM in Barcelona. Es ist wichtig, dass man sich von den großen Zielen in weiter Ferne nicht erschlagen lässt, sondern kleinere Schritte macht.

Was trauen Sie Ihrem Schützling zu?

Biedermann: Erst einmal muss ich sagen, dass wir in Deutschland auf 200 Schmetterling keine Frau haben. Der Platz ist frei. Und ich würde mich sehr freuen, wenn Elena diesen Platz einnehmen könnte. Das ist zwar eine superharte Strecke, aber ich finde es gerade gut, wenn sie sich dieser Strecke stellt. Wenn sie es zur Jugend-WM schafft, wäre das super und der nächste Schritt. Danach muss man schauen, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass ich sie eines Tages in der Nationalmannschaft begrüßen kann.

Czeschner: Da hätte ich natürlich nichts dagegen.

Wie kam es, dass Sie ausgerechnet diese „superharte Strecke“ schwimmen?

Czeschner: Früher war ich Rückenschwimmerin, aber dann hat es sich irgendwie ergeben, dass ich zu Schmetterling gewechselt bin. Und da liegen mir 200 Meter am besten.

Biedermann: Für diese Strecke braucht man eine gute Ausdauer und eine gute Taktik. Man muss versuchen, sich von dem zu lösen, was die anderen machen. Man muss sein eigenes Ding durchziehen.

Interview: Andreas Kornes

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