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Pfaffenhofen

06.04.2011

16 Jahre leiser Protest am Atomkreuz

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2 Bilder
Auf der Internetseite des Fischereivereins Pfaffenhofen findet sich diese Bildmontage der Zeitschrift „Natur“ aus den 80er Jahren. Sie stellt die damalige Vision von der Nutzung des Donaurieds dar.

Eine kleine Gruppe von Atomkraftgegnern betet regelmäßig

Pfaffenhofen Sie haben sich vor dem Atomkreuz versammelt, singen und beten. Wie seit etwa 16 Jahren, jeden ersten Sonntag des Monats um 14 Uhr im Donauried bei Pfaffenhofen, an der Stelle, wo einst der Kühlturm für das Atomkraftwerk geplant war. Johanna Quis aus Markt stimmt das erste Lied an. „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“, singen sie das Friedensgebet bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen.

Lenkt man den Blick auf das etwa 14 Meter hohe Kreuz hinauf – die Bäume umrahmen das Bild – wirkt die Szene richtig idyllisch. Doch auch wenn das Anfang der 80er Jahre geplante Atomkraftwerk bei Pfaffenhofen durch die Proteste aus der Bevölkerung abgewandt wurden, das Thema ist aktuell. Nicht nur wegen Fukushima. „Schon im Normalbetrieb, ohne dass eine Störung auftritt, haben wir die Auswirkungen von Gundremmingen“, erklärt der gebürtige Pfaffenhofener Konrad Link, der heute in Bocksberg wohnt. Und verweist auf eine Studie über die Sterblichkeitsrate in der Region. Als 14-jähriger Ministrant war er schon mit der Fahne unterwegs. Unterschriften wurden gesammelt, Protestveranstaltungen waren an der Tagesordnung.

Nachdem die Pläne verworfen wurden, verebbte der große Protest. Das Friedensgebet blieb. Und die Hoffnung auf ein Umdenken der Regierung. Konrad Link liest aus einer Zeitschrift vor, eine Vision. „Die Tagesschau berichtet im April 2030 von der Abschaltung des letzten Atomkraftwerks in Europa.“ Ja, das wär’s, geht durch die Runde. Die gesamten Atom- und fossile Energien wurden in dieser Zukunftsaussicht durch erneuerbare Energien ersetzt. Den Widerstand hingegen, auch in unserer Region, können sie nicht verstehen. „Wir waren am Windrad in Aislingen, da hört man nichts“, wundert sich Ingeborg Zindl aus Bocksberg. Und Herbert Quis berichtet von Verwandten in Norddeutschland: Von einem Dorf, wenig Verkehr, aber mehreren Windrädern vor Ort. Wenn die Bevölkerung dahinter steht, kann man etwas verändern, sind alle Anwesenden überzeugt. Nicht überzeugt sind sie allerdings von den derzeitigen Vorzeigeprojekten der Regierung.

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Weitere Projekte waren einst im Pfaffenhofener Donauried geplant. Eine Magnetschwebebahn Mitte der 70er Jahre – auch hier erinnert ein Mahnmal, welches am Skulpturenweg steht. Das Pfaffenhofener und das Gundremminger Atomkraftwerk sollte es in einer Acht umkreisen. „In abgespeckter Form wurde es im Emsland verwirklicht“, berichtet Johanna Quis. 1968 war gar geplant, Oberthürheim von der Landkarte zu verbannen. „Hier wollten die Amerikaner einen Bombenabwurfplatz anlegen“, erzählt Konrad Link.

Das Friedensgebet am Atomkreuz findet jeden ersten Sonntag des Monats um 14 Uhr statt. Das Kreuz findet man von Pfaffenhofen her kommend, Richtung Bäldleschwaige.

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