1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Als Kyrill durch den Landkreis fegte

19.01.2017

Als Kyrill durch den Landkreis fegte

Sieben Mal musste die Lauinger Feuerwehr wegen des Orkans Kyrill ausrücken. Unter anderem beseitigten die Floriansjünger einen umgestürzten Baum und demontierten den einsturzgefährdeten Kamin einer Firma in der Hanns-Martin-Schleyer-Straße (Foto). In Höchstädt hatte Kyrill das Werbeschild für den Freitagsmarkt am Ortseingang zerfetzt.

Vor zehn Jahren versetzte der Orkan die Region in Alarmstimmung. Schüler durften damals zu Hause bleiben. Wie die Bilanz am Ende ausfiel

Kreisbrandrat Frank Schmidt hat ihn schon vergessen, und bei Lauingens Feuerwehrkommandant Stephan Boehm ist die Erinnerung ebenfalls schon ein bisschen getrübt: Vor zehn Jahren hat Orkan Kyrill auch den Landkreis Dillingen in Angst und Schrecken versetzt. Der Sturm fegte durch Europa, er kostete 47 Menschen das Leben. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar hieß es im Landkreis Dillingen: „Banges Warten auf das Toben von Kyrill“, so die Schlagzeile unserer Zeitung.

Peter Bohmann hat Kyrill noch im Gedächtnis. Der Katastrophenschutz-Beauftragte im Landkreis Dillingen hatte sich mit seinem Team auf eine lange Nacht im Landratsamt eingestellt. „Wir waren alle in Alarmstimmung“, erinnert sich Bohmann. Kyrill erreichte Spitzengeschwindigkeiten von 225 Stundenkilometern. An vielen Orten schlug er eine Schneise der Zerstörung. Züge fuhren nicht, Geschäfte schlossen, und Schüler durften zu Hause bleiben. Die Regierung von Schwaben hatte entschieden, dass wegen des Orkans der Unterricht an allen Schulen entfiel. Viele Hauseigentümer befürchteten Schlimmes. Kyrill wurde medial begleitet wie kein Sturm zuvor. Das Internet bot hier neue Möglichkeiten. In Live-Tickern war zu lesen, welche Schäden der Orkan angerichtet hatte.

Der Sturm verschonte den Landkreis Dillingen, die Region kam glimpflich davon. „Am Ende war alles halb so schlimm“, sagt Bohmann. Der Führungsstab Katastrophenschutz im Landratsamt löste sich um 23 Uhr auf. Die Mitarbeiter, die eine lange Nacht in der Behörde erwartet hatten, legten sich schlafen. Die Schadensbilanz im Landkreis war überschaubar. Die Rettungskräfte von Feuerwehren und Technischem Hilfswerk waren überwiegend damit beschäftigt, entwurzelte Bäume zu beseitigen und weggefegte Verkehrsschilder zu sichern. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. „Wir sind noch einmal davongekommen und haben Glück gehabt“, sagte Holzheims Bürgermeister Erhard Friegel. In Wertingen wurden einige Gewächshäuser beschädigt, in den umliegenden Wäldern gab es schwere Sturmschäden. Ansonsten waren die Schäden im Zusamtal gering. An anderen Orten sah es dagegen schlimm aus. In Deutschland allein forderte Kyrill 13 Menschenleben.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Kommandant Stephan Boehm stellt nach zehn Jahren fest: „Kyrill hat sich bei mir nicht so eingeprägt.“ Orkan Lothar sei bei ihm präsenter. Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1999 stürzte der Giebel des Gasthauses Sonne in Lauingen auf die Straße. Und auch Kreisbrandrat Frank Schmidt weiß nur noch, dass es an diesem 18. Januar 2007 richtig gestürmt hat. „Wir hatten aber so viele Stürme, da habe ich den Überblick verloren.“ Hier eine kleine Erinnerung:

lFebruar 1990: Ende Februarfegt ein Orkan mit dem Namen „Vivian“ über den Landkreis. Vor allem die Wälder leiden unter dem Sturm. In den Fichtenbeständen werden nach Schätzungen der Forstverwaltung mehr als 10000 Festmeter Holz zerstört.

lMärz 1990: Nur wenige Tage später folgt Orkan „Wiebke“. Er wütet am 1. März und richtet auch massive Schäden an Gebäuden an. Es ist der heftigste Sturm in der jüngeren Vergangenheit in der Region. In Lauingen reißt der Sturm das Dach eines Fitness-Centers herunter. In Teilen des Landkreises fällt der Strom aus. Die Orte Wolpertstetten und Berghausen werden mithilfe von Notstromaggregaten versorgt. Die Schulen bleiben geschlossen. An der Turmspitze der Bissinger Stadtpfarrkirche zerrt der Wind so stark, dass sie sich verbiegt. Nach dem Sturm fällt die Schadensbilanz in den Wäldern vernichtend aus. Forstleute sprechen von einer katastrophalen Lage. Die Wälder brauchen Jahre, um sich von den Folgen des Unwetters wieder zu erholen.

l1999: Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird die ganze Region vom Orkan „Lothar“ aufgeschreckt. Der Wind bläst mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern. Die Feuerwehr ist pausenlos im Einsatz, vor allem um umgestürzte Bäume wegzuräumen. In Mörslingen fliegt das noch ungedeckte Dach eines Neubaus auf die Straße und in ein angrenzendes Grundstück. Es ist reines Glück, dass keine Menschen verletzt werden. Die Schäden gehen nach Schätzungen der Polizei in die Millionen.

In Wertingen bläst Lothar die Engelsstatue vom Kirchturm. Sie landet auf einem naheliegenden Dach und wird beschädigt. Heute ist auf dem Kirchturm eine Replik der Statue zu finden, das Original wurde ins Rathaus gebracht. (mit jöh, br)

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren