1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Was kommt nach der Fichte?

Zusamaltheim

07.01.2020

Was kommt nach der Fichte?

Marc Koch und seine Schwarzwild-Bracke Finn führten die rund 50-köpfige Truppe bei der Exkursion an.
2 Bilder
Marc Koch und seine Schwarzwild-Bracke Finn führten die rund 50-köpfige Truppe bei der Exkursion an.
Bild: Marion Buk-Kluger

Die Forstbetriebsgemeinschaft lud ihre Mitglieder zur traditionellen Waldbegehung, dieses Mal in den Zusamaltheimer Forst. Hier wurde klar: Der Wald braucht neue Bäume.

Wenn heutzutage über wichtige Baumpflanzaktionen im Zuge des Klimawandels und Klimaschutzes gesprochen wird, dann kommt den Waldbesitzern eine besondere Bedeutung zu. Diese erfüllen diese aber schon längst. Das wurde klar bei der Waldbegehung der Forstbetriebsgemeinschaft Dillingen (FBG).

An die 200 Mitglieder waren zur traditionellen Veranstaltung gekommen, die zum Jahreswechsel immer in einem anderen Waldgebiet durchgeführt wird. Im Zusamaltheimer Gemeindewald konnten sich die Anwesenden dieses Mal anhand verschiedener Beispiele von Baumarten und Wuchs-Situationen informieren, welche Möglichkeiten des Waldbetriebes derzeit bestehen, auf was man achten sollte und welche Maßnahmen sinnvoll sind. In Gruppen ging es auf die fast zweistündige Tour. „Im Wald ist es immer ganz wichtig, sich den Boden anzusehen, was habe ich für einen, was gibt er her, wie ist er in puncto Wasserhaltefähigkeit und Durchwurzelbarkeit. Anhand dessen muss man entscheiden, welche Bäume man pflanzt“, erläuterte etwa Marc Koch, Leiter der Forstverwaltung Wertingen und ging unter anderem auf die veränderten Bedingungen für die Fichte ein. „Diese war ein Alleskönner, meinte man, bis es trockener und wärmer wurde.“ Daher wird mit ihr derzeit weniger operiert. „Wenn es noch heißer wird, hilft uns wahrscheinlich nur noch die Schwarzkiefer, die mit wenig Wasser auskommt. Oder die Eiche, ich bin ein bekennender Eichenfreund, auch wenn es mit dem Eichen-Prozessionsspinner Probleme gibt. Aber der tut ja zunächst dem Baum nichts. Jedoch kommt sie mit wenig Wasser aus.“

Die Fichte wird in Zeiten des Klimawandels nicht bestehen

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei allerdings die Streuung und Mischung und daher die Pflanzung unterschiedlicher Bäume. „Am besten zwei, drei, am besten vier Baumarten, das wäre das Ziel. Das ist zwar aufwendiger.“ Auf die Frage der derzeit bevorzugten Holzarten, gab Koch helle Laubhölzer auf dem Holzmarkt wie etwa den Bergahorn, teilweise auch die Birke an, gab aber zu bedenken, dass nicht klar sei, was in 30 bis 50 Jahren gefragt sein wird, wenn aktuelle Pflanzungen ihr erstes Stammholz erbringen. „Die Esche wird derzeit nicht gepflanzt und aktiv gefördert, bis es resistente Exemplare gegen den Pilz gibt. Vor 30 Jahren hatten wir dies mit der Ulme. Das wurde überwunden, man kann sie wieder einsetzen. Bei der Esche sind wir derzeit jedoch an einem Punkt, wo es leider erst einmal bergab geht.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Gabriele und Josef Götz sind seit vielen Jahren dabei. Das Ehepaar aus Mörslingen nutzt das Angebot gerne. „Es ist immer wieder interessant, auch andere Wälder und Strukturen zu sehen. Und man lernt andere Systeme kennen, wie der Wald bepflanzt und bewirtschaftet werden kann. Es ist ja viel im Wandel.“ Schon seit ihrer Kindheit sind beide mit der Waldarbeit vertraut, kümmern sich nun mit ihren beiden Söhnen, einer ist Jäger, um ihre Flächen, die sie seit etwa 15 Jahren jeweils von ihren Eltern übernommen haben. Nebenbei und rein zum Eigenbedarf, wie sie erzählen.

Lernen, wie man richtig aufforstet

„Ich bin eher zögerlich im Durchforsten“, meint Josef Götz, was laut seiner Frau auch an den Stürmen der Vergangenheit liegt, die den Wunsch nach Erhalt dessen, was übrig blieb, nach sich zog. „Aber manchmal muss gehandelt werden, daher ist es aufschlussreich zu hören, welche Möglichkeiten bestehen, um etwa neue Arten zu setzen.“ Investitionen in den Wald seien allerdings auch welche in die Zukunft. „Waldbesitz ist ein Generationen-Projekt, das man nicht nur für sich selbst macht“, betont Gabriele Götz, „wenn ein Sturm kommt, kann alles weg sein.“

Lesen Sie außerdem:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren