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Gersthofen

24.01.2019

Beim Generationswechsel geht es um viel: Wie der Vater so der Sohn?

Lukas Binder (links) und sein Vater Wolfgang arbeiten in der Schreinerei Hand in Hand. Im März wird der Sohn den Betrieb übernehmen.
Bild: Michael Hochgemuth

Fast 40 Jahre führte Wolfgang Binder seine Schreinerei. Jetzt übernimmt sein Sohn. So reibungslos laufen Generationswechsel nicht überall.

Eine Sache, sagt Wolfgang Binder, die war ihm wichtig: Dass sein Sohn Lukas nicht im eigenen Betrieb lernt. Denn ein späterer Chef, der als Lehrling angefangen hat, tut sich oft schwer in der Firma. Lukas Binder suchte sich also einen Ausbildungsplatz bei einem anderen Schreiner, wurde Geselle und später Meister. Dann kehrte er zurück zu seinem Vater, zurück in die Schreinerei nach Gersthofen. Im März wird der 26-Jährige den Betrieb mit seinen 20 Mitarbeitern übernehmen, alles ist geregelt. Auch der Vater ist zufrieden. Leicht war es für den Seniorchef trotzdem nicht. „Die Emotionen“, sagt er und stockt ein wenig, „die sind auf jeden Fall da“.

Wolfgang und Lukas Binder sind an diesem Tag in die Handwerkskammer in Augsburg gekommen, um zu erzählen, wie das eigentlich funktioniert: ein Unternehmen an die nächste Generation übergeben. Denn so reibungslos wie bei den beiden Schreinern klappt es nicht immer. In jeder fünften Firma steht aktuell eine Betriebsübergabe an. Allein in Schwaben werden 4900 Betriebe von Unternehmern geführt, die älter als 60 Jahre sind.

Drei bis fünf Jahre sollten sich Unternehmer Zeit nehmen

Wolfgang Binder ist jetzt 67 Jahre alt. Vor etwas mehr als drei Jahren hat er gemeinsam mit seiner Familie angefangen, die Nachfolge vorzubereiten. Markus Prophet von der Handwerkskammer hat ihn und die anderen Familienmitglieder bei dem Prozess begleitet. Der Fachmann hat mit ihnen analysiert, wie der Betrieb wirtschaftlich dasteht, wie viel er wert ist und welche rechtlichen Fragen auf die Unternehmer zukommen. Er weiß, dass das oft schwierige Themen sind. „Da geht ein ganzes Lebenswerk in andere Hände“, sagt Prophet. Das beschäftige nicht nur den Unternehmer und seinen Nachfolger, sondern die ganze Familie. „Häufig ist das ganze familiäre Leben um die Firma gebaut“, sagt Prophet.

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So ist es auch bei den Binders: Wenn die wichtigsten Fragen geklärt wurden, saß deshalb auch Lukas Binders Mutter mit am Tisch, genauso wie sein Bruder, der künftig ebenfalls einen Teil der Firma übernehmen wird. Es ging dann um Erbrecht, um Steuerfragen, solche Dinge. Das nimmt viele Tage und Wochen in Anspruch, sagt Prophet. Er rät den Unternehmen, sich Zeit für diesen Prozess zu nehmen: im besten Fall drei bis fünf Jahre.

Hans-Peter Rauch hatte diese Zeit nicht. Als der Präsident der Handwerkskammer 24 Jahre alt war, starb plötzlich sein Vater. Der Metzgermeister musste auf einmal den Familienbetrieb in Waltenhofen im Oberallgäu übernehmen. Noch heute, erzählt er bei der Jahrespressekonferenz der HWK, sei er seiner Mutter dankbar, die ihn stets gedrängt hatte, möglichst früh seinen Meister zu machen. So konnte er die Firma sofort weiterführen. Schwierig sei es für ihn dennoch gewesen. Deshalb appelliert er an die Handwerks-Unternehmer, ihre Nachfolge rechtzeitig zu regeln – nicht nur aus persönlicher, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht. „Diese Firmen erbringen Leistungen, die wesentlich zur Stabilität der Gesamtwirtschaft beitragen“, betont Rauch. Würden sie nicht weitergeführt, ginge eine Vielzahl an Arbeitsplätzen verloren.

Die Auftragsbücher sind für 9,5 Wochen gefüllt

Auch für Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner sind die Unternehmen „stabilisierende Stützpfeiler der Wirtschaft“. Stützpfeiler, die äußerst solide sind, wenn man sich die aktuellen Konjunkturzahlen der Branche anschaut. Für den Großteil der schwäbischen Handwerker laufen die Geschäfte blendend. Neun von zehn Betrieben sind derzeit zufrieden, die Auftragsbücher sind im Schnitt für neuneinhalb Wochen gefüllt. Im Vorjahr waren es acht. Für Kunden heißt das allerdings: Wer einen Termin bei einem Handwerker braucht, muss lange warten – auch, weil es an Fachkräften fehlt. „Unsere Betriebe haben nicht das Personal, um die Aufträge abzuarbeiten“, sagt Wagner. „Wir arbeiten unter Hochdruck.“ Elf Prozent der Betriebe haben zusätzlich neue Mitarbeiter eingestellt.

In den kommenden Monaten hoffen die Betriebe Wagner zufolge noch einmal auf ein Plus bei den Auftragseingängen. Von einem drohenden Abschwung, den manch ein Experte zuletzt bereits beschworen hat, will der Hauptgeschäftsführer nichts wissen. „Wir haben eine Vollauslastung“, sagt Wagner. „Da müssen wir keine Rezession herbeireden.“

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