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Porträt

17.01.2020

Carole Ghosn: Die Frau im Schatten des Ex-Automanagers

Spielte die Frau von Carlos Ghosn eine Rolle bei dessen spektakulärer Fluch?
Foto: Maya Alleruzo, AP/dpa

Hat die Ehefrau bei der spektakulären Flucht ihres Ehemanns Carlos Ghosn – dem ehemaligen Chef von Renault-Nissan-Mitsubishi – eine Rolle gespielt?

Carole Ghosn sagt, sie wusste von nichts. Sie sei selbst von der spektakulären Flucht ihres Mannes, Carlos Ghosn, von Tokio in den Libanon Ende Dezember überrascht worden.

Der ehemalige Chef von Renault-Nissan-Mitsubishi soll Medienberichten zufolge an Bord eines Privatjets, versteckt in einem Instrumentenkoffer, ausgereist sein, um sich dem Zugriff der japanischen Strafbehörden zu entziehen. Seit November 2018 ermitteln diese unter anderem wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von Firmengeldern und Steuerhinterziehung gegen ihn.

Carlos Ghosn durfte nicht mit seiner Frau sprechen

Im April 2019 kam Ghosn gegen eine Kaution von rund zwölf Millionen Euro aus der Untersuchungshaft frei und in Hausarrest, durfte aber nicht mit seiner Frau sprechen. Sie habe sich zum Zeitpunkt seiner Flucht gerade mit ihren drei Kindern aus erster Ehe in Beirut befunden, sagte Carole Ghosn in einem Interview. „Dann rief jemand an, um mir zu sagen: Ich habe eine Überraschung für dich. Es war die schönste meines Lebens!“

Carlos Ghosn soll laut japanischen Medienberichten in einer Kiste versteckt aus Japan in den Libanon geflohen sein.
Foto: Eugene Hoshiko, AP/dpa

Die gebürtige Libanesin hatte lange in den USA gelebt und führte dort einige Jahre ein Unternehmen für Luxus-Kaftans, die von Frauen aus benachteiligten Vierteln im Libanon hergestellt wurden. Carlos Ghosn war sie 2013 bei einer Wohltätigkeitsgala in New York begegnet. In der Folge trennte er sich von seiner ersten Frau, Mutter seiner vier Kinder.

Nicht alle nehmen der 54-Jährigen ab, völlig unbeteiligt an der Fluchtaktion ihres Mannes zu sein, der vom Libanon aus in einer rund zweistündigen Pressekonferenz der Nissan-Spitze ein Komplott gegen ihn und der japanischen Justiz unfaire Behandlung vorgeworfen hat. Denn seit seiner Festnahme war Carole Ghosn äußerst aktiv: Sie bat die Präsidenten Emmanuel Macron und Donald Trump um Hilfe, wandte sich an die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch und an die UNO. Sie beauftragte eine französische Kommunikationsagentur, gab Interviews und engagierte neue Anwälte für ihren Mann, der die libanesische, brasilianische und französische Staatsbürgerschaft besitzt.

Inzwischen wurde auch Haftbefehl gegen Carole Ghosn erlassen

Inzwischen wurde in Japan auch ein Haftbefehl gegen Carole Ghosn erlassen, weil ihr Meineid bei einer Befragung im Frühjahr 2019 vorgeworfen wird. Im Verfahren gegen ihn taucht zudem ihr Name als Chefin der Firma „Beauty Yachts“ mit Sitz auf den britischen Jungferninseln auf. Diese hat eine Jacht mit Geld gekauft, dessen Herkunft unklar ist.

Auch in Frankreich befindet sich Carlos Ghosn im Visier der Justiz unter anderem aufgrund einer pompösen Feier im Schloss Versailles kurz nach seiner Hochzeit mit Carole Ghosn im Herbst 2016, just an ihrem Geburtstag: Die Bedienungen waren im Stil der früheren Königin Marie Antoinette gekleidet es gab Cembalo-Spieler und eine überdimensionierte Hochzeitstorte. Ghosn, der für die Raumnutzung nichts bezahlte, bot später an, 50.000 Euro zu erstatten. „Er dachte, es sei umsonst“, erklärte sein Anwalt. Renault hatte einen Sponsorenvertrag mit der Betreibergesellschaft vom Schloss Versailles.

Carlos Ghosn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Renault-Nissan-Mitsubishi, und seine Frau Carole.
Foto: Ian Langsdon, EPA/dpa

Als hätte Ghosn also nicht genug Probleme, wird in Frankreich auch noch ein langwieriger Streit zwischen ihm und seinem Ex-Arbeitgeber Renault um Rentenzahlungen erwartet. Am Donnerstag wurde zudem bekannt, dass der einst mächtige Autoboss nach eigenen Angaben in Japan Post von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron erhalten habe. Das Schreiben sei ihm im November von Macrons Vorvorgänger Nicolas Sarkozy überbracht worden, sagte Ghosn der französischen Wochenzeitschrift Paris Match. Angaben zum Inhalt machte der frühere Renault-Chef nicht.

Der französische Staat hält an Renault 15 Prozent der Anteile. Ghosn wies im Interview die Annahme zurück, er habe ein gespanntes Verhältnis zu Macron. Er räumte aber Meinungsverschiedenheiten ein – „ein Unternehmenschef ist kein Ja-Sager“. Macron hatte sich im Skandal um Ghosn im vergangenen Juni bei einem Japan-Besuch merklich zurückgehalten. Als Präsident könne er sich nicht öffentlich in einen Rechtsfall einmischen, hatte er gesagt.

Viele Fragen sind im Fall Ghosn noch zu klären

Viele Fragen sind noch zu klären, bis der Fall Ghosn abgeschlossen ist. Bis dahin bleiben die Zeiten wenig angenehm, auch für seine Frau, die Vertraute „extravagant“ nennen und auf einen gewissen Chic bedacht: Dank ihr trage der Ex-Firmenboss heute eine elegantere Garderobe und besser geschnittene Anzüge. Hielt sie sich aus seinen wirtschaftlichen Tätigkeiten heraus, so trat sie manchmal bei offiziellen Gelegenheiten mit ihm auf, wie dem Karneval von Rio oder beim Filmfestival von Cannes. Damit ist es vorerst vorbei: Ghosn darf den Libanon nicht verlassen. (mit dpa)

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