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Landkreis Dillingen

17.11.2020

Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro: Grünbeck will Werk verdoppeln

„Wir sind – Dank des Engagements unserer Mitarbeiter – in den letzten Jahren kräftig, kräftig gewachsen“, sagt Grünbeck-Chef Stoll. Jetzt will er das Werk praktisch verdoppeln.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Höchstädter Firma Grünbeck gilt als Spezialist für Wasseraufbereitung. Jetzt will sie 80 bis 100 Millionen Euro investieren. Das bringt auch hunderte Jobs.

Eigenheimbesitzer bauen häufig einen Wasserfilter von Grünbeck im Keller ein. Der Filter hilft, dass feine Partikel, die sich auf dem Weg vom Wasserwerk zum Haus von den Leitungen ablösen, nicht bis zum Wasserhahn kommen. Aber das ist nicht der einzige Tätigkeitsbereich des Unternehmens aus Höchstädt im Kreis Dillingen.

Grünbeck-Anlagen bereiten auch Wasser in Kliniken, Bäckereien oder Brauereien auf. Kürzlich hat das Unternehmen die kassenärztliche Zulassung für ein System bekommen, dass die Wasser- und Lichtverhältnisse des Toten Meeres nachahmt und mit dem sich Neurodermitis behandeln lässt. Die Patienten liegen in heilsamem Salzwasser wie am Toten Meer, während UV-Lampen die Sonneneinstrahlung imitieren.

Firma Grünbeck: Bis 2040 soll das Werk verdoppelt werden

Mit Produkten wie diesen ist Grünbeck in den vergangenen Jahren stetig größer geworden. Jetzt holt das Unternehmen zu einem weiten Wurf aus: Geplant sind Investitionen am Standort von 80 bis 100 Millionen Euro bis zum Jahr 2040. Dies kommt einer Verdoppelung des Werks gleich.

„Wir sind dank des Engagements unserer Mitarbeiter in den letzten Jahren kräftig gewachsen“, sagt Geschäftsführer Günter Stoll. „Auch in schwieriger Zeit sind wir gut über die Runden gekommen“, fügt er an. Die Corona-Krise brachte Grünbeck bisher nicht in Bedrängnis. Die Nachfrage blieb so hoch, dass das Unternehmen zum ersten Mal in der Firmengeschichte eine Nachtschicht einführte.

Seit zwei Wochen wird am Standort auch nachts gefertigt. „Angesichts des Wachstums haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das Unternehmen für die nächsten 20 bis 30 Jahre aufstellen müssen“, sagt Stoll. Derzeit verbuche Grünbeck einen Umsatz von rund 135 Millionen Euro im Jahr. Für die Pläne habe man angenommen, dass der Umsatz 2040 bei einer halben Milliarde Euro liegen könnte. Dafür muss das Werk Schritt halten können.

Grünbeck-Chef Stoll: "Steigerung von Produktion und Umsatz ermöglichen"

„Wir wollen eine deutliche Steigerung der Produktion und des Umsatzes ermöglichen“, sagt Stoll. Dafür habe man sich zusammen mit Planern gefragt, welche neuen Gebäude nötig sind – angefangen von der Logistik über Produktionsstätten und Büros bis hin zum Kasino, damit die Mitarbeiter am Standort essen können.

Das Ergebnis der Planung sind eine Vielzahl neuer Gebäude. Optisch würde sich das Werk deutlich vergrößern – praktisch auf das Doppelte. Neue Grundstücke bräuchte Grünbeck nicht: Gleich in der Nachbarschaft war vor einiger Zeit ein Grundstück mit älteren Hallen erworben worden. Diese werden derzeit als Lager genutzt, teilweise aber auch zur Produktion. Dort gibt es auch noch freie Fläche. Umgesetzt werden soll der Plan für den Standort der Zukunft aber nicht auf einem Schlag. „Der Ausbau wird in mehreren Phasen erfolgen“, sagt Stoll. „Wir werden einen neuen Bauabschnitt nur dann angehen, wenn tatsächlich Bedarf besteht und es die finanziellen Möglichkeiten zulassen.“

Erster Bauabschnitt zur Werksvergrößerung soll rasch kommen

Der erste Ausbau soll aber rasch kommen: Zeitnah will das Unternehmen ein neues Logistikzentrum für die Warenannahme, eine Erweiterung des Hochregallagers für die Fertigware und eine neue Abfüllstation für Chemikalien zur Wasseraufbereitung errichten. Diese Projekte sollen bereits in den nächsten drei Jahren entstehen – bisher geplante Investitionssumme: 30 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat bereits Mitte Oktober für den ersten Bauabschnitt grünes Licht gegeben. Grünbeck will bald zusammen mit Architekten mit der Planung beginnen und die Bauanträge stellen. „Unser Ziel ist es, nächstes Jahr loszulegen.“

Die Werkserweiterung brächte einen Schub für die Beschäftigung. Derzeit arbeiten rund 660 Mitarbeiter für die Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH. In der letzten Ausbaustufe des Werks könnten es am Ende einmal 1000 bis 1500 werden. Das hängt auch davon ab, welchen Automatisierungsgrad es in Zukunft geben wird.

Dass sein Unternehmen künftig eher mehr als weniger Aufträge haben kann, davon ist Stoll überzeugt: „Das Thema Wasseraufbereitung gewinnt an Bedeutung“, sagt er. Ein Indiz ist bereits, dass die Bundesregierung Produkte der Wasseraufbereitung als systemrelevant einstufe. Sie zählen in den Sektoren Wasser, Gesundheit, Lebensmittel und Energie zur „kritischen Infrastruktur“ des Landes. Stoll nennt ein Beispiel: „Falls in einem Klinikum die Wasseraufbereitung eines Dampfsterilisators stillsteht, kann auch nicht operiert werden.“

Grünbeck bekennt sich auch in Zukunft zum Standort Höchstädt

Mehrere Triebfedern sind es, mit denen Grünbeck den Umsatz steigern will. Zum einen gibt es noch mehr Chancen im Export. Dazu setzt man darauf, gegenüber Konkurrenten punkten zu können. Und schließlich will Grünbeck mit neuen Produkten überzeugen.

Dazu zählen leitungsgebundene Wasserspender, an denen man Trinkwasser zapfen kann. Auch Enthärtungsanlagen, Filter und Dosieranlagen für Privathaushalte, Industrie und Gewerbe hat Grünbeck weiterentwickelt. Grünbeck-Systeme sorgen in Großküchen, Berghütten und auf Campingplätzen für eine hygienische Wasserversorgung. Im Jahr 2013 hatte Grünbeck mit einem neuen Produktdesign einen Modernisierungsprozess angestoßen. Das Wachstum der letzten Jahre sieht man als Bestätigung.

Mit den Investitionsplänen bekennt sich Grünbeck zum Standort Höchstädt. Hieran hatten noch der Gründer Josef Grünbeck und Ehefrau Loni ihren Anteil: Da die Eheleute kinderlos verstarben, legten sie das Unternehmen in die Hand einer Stiftung. „Eine Maßgabe ist es auch, den Standort Höchstädt zu sichern“, berichtet Stoll.

Der Stadtrat muss den Plänen von Grünbeck zustimmen

Das Unternehmen zeichnet aus, dass sich die Mitarbeiter an der Firma beteiligen können und mit einer Ausschüttung am Erfolg teilhaben. Günter Stoll schätzt es, Produktentwicklung und Produktion an einem Standort zu haben: „Dies ist hoch effizient, eine Abstimmung ist schnell möglich“, sagt er. „Es hat keinen Sinn, die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern, weil die Begleiterscheinungen nicht unerheblich sind.“ Die Lohnkosten mögen hierzulande höher sein, es liege aber an Grünbeck und seinen Ingenieuren, Produkte mit entsprechender Qualität und rentablem Preis zu entwickeln, sodass sie in Höchstädt produziert werden können.

Für die künftige Produktion am Standort hat Grünbeck jetzt die Weichen gestellt. Und auch der Stadtrat in Höchstädt hat die Pläne abgesegnet: In seiner Sitzung am Montagabend stimmten die Ratsmitglieder dem Projekt einstimmig zu.

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