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Osram
04.10.2019

AMS scheitert bei Übernahmeversuch - Zukunft von Osram ungewiss

Die geplante Osram-Übernahme ist geplatzt. Der Beleuchtungshersteller bleibt nun vorerst selbstständig.
Foto: Matthias Balk, dpa

Zu wenige Aktionäre nehmen das Angebot von AMS an. Das Unternehmen bleibt Ankerinvestor und will versuchen, beim Traditionskonzern den Einfluss auszubauen.

Der kleine Fisch verschluckt sich am großen. Der österreichische Halbleiterhersteller AMS hat sich bei dem Übernahmeversuch des dreimal so großen deutschen Traditionskonzerns Osram verhoben. Wie das Unternehmen aus der Steiermark am Freitagabend mitteilte, konnte die nötige Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent aller Aktien nicht genommen werden. Am Ende reichte es nur für 51,6 Prozent. Damit ist die Offerte trotz erhöhten Angebots hinfällig.

AMS-Chef Alexander Everke will sich dennoch nicht von seinem Ziel verabschieden, die Kontrolle bei dem Lampenhersteller zu übernehmen. „Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär … aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern“, erklärte der Manager.

Vorstand und Aufsichtsrat hatten Osram-Übernahme durch AMS befürwortet

Eine Woche vor dem Fehlschlag hatte Everke sein Angebot noch einmal um 2,50 Euro auf 41 Euro je Osram-Aktie aufgestockt. Er hoffte damit die Anteilseigner zu überzeugen und ein zweites bestehendes Übernahmeangebot der US-Finanzinvestoren Bain, Advent und Carlyle endgültig auszustechen. Letztendlich konnten beide Parteien die Aktionäre nicht überzeugen. Sie bekommen ihre angedienten Papiere automatisch zurück.

Der angeschlagene Lichtkonzern will nun versuchen, aus eigener Kraft die jahrelange Krise abzuschütteln. „Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmeversuche behalten wir jetzt unsere Eigenständigkeit und gestalten unsere Zukunft selbst“, erklärte Vorstandschef Olaf Berlien. Anfang November will er seinen Plan vorstellen, wie er zurück zu Gewinnen und Wachstum führen kann. Berlien lud die Österreicher als neuen Großaktionär ein, Gespräche über die richtige Strategie für Osram aufzunehmen.

Suche nach finanzstarkem Investor: Wie geht es nun mit Osram weiter?

Die rund 26.000 Mitarbeiter von Osram können für den Moment aufatmen. AMS hatte angekündigt, hunderte Arbeitsplätze in der Zentrale in München und an asiatischen Standorten zu streichen und die Digitalsparte mit rund 3000 Mitarbeitern zu verkaufen. Everke wollte einen europäischen Champion in der Lichtbranche schaffen.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verlangte vom Osram-Vorstand, ein tragendes Konzept für die Zukunft zu entwickeln. „Wichtig sind langfristige Beschäftigungsperspektiven für die Mitarbeiter der Osram Licht AG, der Erhalt der bayerischen Standorte sowie die Beibehaltung beziehungsweise Weiterentwicklung der Marke Osram am Hauptsitz in München“, sagte Aiwanger unserer Redaktion.

Weil sie eine Beschäftigungsgarantie versprochen hatten, plädierten die IG Metall und der Betriebsrat für die amerikanischen Investoren. Die Arbeitnehmervertreter fürchteten, dass sich AMS an der Integration des deutlich größeren Unternehmens übernehmen würde.

Wie AMS seinen Einfluss bei Osram trotz gescheiterter Übernahme ausbauen will

Die beiden Finanzinvestoren könnten nun theoretisch noch einmal nachlegen und ihrerseits ein höheres Angebot vorlegen. Dass das tatsächlich geschieht, wird aber bei Finanzexperten in Frankfurt für unwahrscheinlich gehalten. Denn AMS besitzt mittlerweile 20 Prozent des Osram-Kapitals und hat damit auf Hauptversammlungen eine Sperrminorität so gut wie sicher. Das heißt, Bain und Advent könnten nicht mittels eines Beherrschungsvertrages durchregieren.

AMS könnte am Markt weitere Osram-Aktien zukaufen und so seinen Einfluss ausbauen. Ab einer Schwelle von 30 Prozent müsste das Unternehmen erneut ein Angebot an alle Aktionäre auf den Tisch legen. Für Everke haben die „strategische Logik und die bedeutenden Vorteile der Kombination“ weiter Bestand.

Nach Gewinnwarnungen und Halbjahresverlust dürfen sich die Osram-Mitarbeiter aber nicht in allzu großer Sicherheit wähnen. Auch das aktuelle Management wird um schmerzhafte Maßnahmen kaum herumkommen.

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