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Microlauncher

29.03.2021

Rocket Factory: Der Augsburger Dienstleister für das All

Die Rocket Factory ist in Augsburg gerade in eine der alten Osram-Hallen umgezogen.
Foto: Uli Wagner

Plus Die Rocket Factory Augsburg will hoch hinaus. Das Start-up entwickelt Microlauncher, kleine Trägerraketen, die Satelliten in den Orbit bringen.

Eine Rakete als Billigware zu bezeichnen, geht vielleicht ein bisschen daneben. Andererseits will die Rocket Factory Augsburg genau das: Billige Trägerraketen. Nicht im Sinne von schlecht gemacht, natürlich nicht. Aber eben doch: Vergleichsweise sehr günstig. Günstiger als Elon Musk mit Space X.

Das Augsburger Start-Up ist neben Isar Aerospace und HighImpulse eines von dreien in Deutschland, die den mit rasanten Wachstumsprognosen versehenen Markt der sogenannten Microlauncher bedienen wollen. Raumfahrt ist längst nicht mehr nur eine Sache von Staaten. Die Kommerzialisierung des Weltalls läuft auf Hochtouren.

Microlauncher sind kleine Raketen, die auf einen Lastwagen passen

Microlauncher sind eher kleine Flugkörper, die auf einen Lastwagen passen und auf denen Satelliten in den Orbit befördert werden können. Der Bedarf daran steigt und steigt. Für das Internet der Dinge, die Industrie 4.0, um Landwirtschaftsrobotern auf dem Feld den Weg zu weisen, um Klimaschäden, Waldbrände oder Überflutungen, zu dokumentieren und sichtbar zu machen.

Stefan Brieschenk ist einer der Gründer der Augsburger Rocket Factory, die gerade in eine der alten Hallen umgezogen ist, in denen früher Osram war. Hier laufen natürlich noch keine Raketen vom Fließband, aber hier wird getüftelt, damit das Projekt RFA One den richtigen Schub behält. Bis Ende 2022 soll diese erste Rakete gestartet sein. Das ist das erklärte Ziel. Daran arbeiten Brieschenks 85 Mitarbeiter aus 25 verschiedenen Ländern. Der promovierte Raketenwissenschaftler selbst beschreibt seine Motivation so: "Wir befinden uns in einer Weltkrise. Aber wir haben nicht genügend Daten, um diese darzustellen. Die Verschmutzung der Weltmeere zum Beispiel. Dafür braucht es große Satellitensysteme. Oder die Abholzung der Wälder. Das sind Themen, die bedrohen die Lebensfähigkeit des Menschen auf der Welt."

Die Gründer, Stefan Brieschenk (links) und Jörn Spurmann, wollen die erste Rakete bis Ende 2022 starten lassen.
Foto: Uli Wagner

Am Anfang seiner Karriere habe er Raketensysteme entwickelt, um mit der Raumfahrt – ein technisch sehr anspruchvolles und schwieriges Metier – an der Zukunft mitentwickeln zu können. Dann aber habe er festgestellt, dass die Idee, mit großen Satellitensystemen genau aufzeichnen zu können, wie der Planet derzeit zerstört werde und dieser Zerstörung so entgegen zu wirken, "jetzt im Endeffekt die größte Aufgabe ist." Prägend seien für ihn Waldbrände in Australien gewesen, wo er lange mit seiner Familie gelebt hat. Mehrere Wochen sei es damals, weil die Technik dazu fehlte, nicht möglich gewesen, das ganze Ausmaß des Feuers und der Zerstörung abzubilden. "Da habe ich zum ersten Mal verstanden, wir brauchen irgendwas, am besten im Weltall, um sofort reagieren zu können. Nicht erst dann, wenn der Brand kaum noch zu löschen ist. Und das geht mit den neuen Satellitenkonstellationen, die wir mit unseren Raketen in den Orbit bringen wollen." OroraTech, ein anderes Weltraum-Startup aus Bayern macht genau so etwas. Ein künftiger Kunde der Rocket Factory, vielleicht.

Die Rocket Factory gehört zum Raumfahrtkonzern OHB

Fragt man nach, ob es der Rocket Factory nicht nur um die Weltrettung sondern möglicherweise auch ein bisschen ums Geld verdienen geht, antwortet der Ingenieur: "Wir brauchen neue Technologien, um die Nachhaltigkeit unseres Lebens auf diesem Planeten zu sichern."

Jörn Spurmann Mitgründer der Rocket Factory und Chief Commercial Officer würde dem nicht widersprechen, aber er betont: "Natürlich bauen wir ein profitables, interessantes Unternehmen mit erfolgreichen Zahlen auf. Wir wollen Investoren finden, die diese Vision mit uns teilen und zugleich die Sinnhaftigkeit sehen, hier rein zu investieren. Hat bisher ja auch ganz gut geklappt."

Die Rocket Factory ist eine Ausgründung des Raumfahrtkonzern OHB, zu dem auch MT Aerospace gehört. OHB hält 53 Prozent der Anteile. Die RFA-Mitarbeiter besitzen alle Aktien. Startup-Mentalität. Einen Betriebsrat gibt es nicht. Wer durch das Großraum-Büro spaziert fühlt sich atmosphärisch eher wie in der Uni und weniger in einem Unternehmen, das abliefern muss. Die Stimmung, versichern die beiden Gründer, sei "sehr gut".

Bis Ende 2022 soll die erste Rakete, die RFA One, Richtung Orbit geflogen sein

Der Programm-Manager Spurmann, erzählt, dass seine Faszination für das Weltall als Kind geweckt wurde, als er mit dem Teleskop begonnen habe, Sterne zu schauen. Später las er Bücher des Astronomen Carl Sagan, fragte sich, gibt es Leben im All? "Das war für mich immer ein faszinierendes Thema. Und deshalb habe ich dann mit dem Ziel, irgendwann mal etwas richtig Cooles in der Raumfahrt zu machen, etwas Technisches studiert. Wenn das hier klappt, die Raumtransportdienstleistung, die wir anbieten, habe ich einen Teil des Ziels erreicht." Spurmann glaubt, die Zukunft liegt irgendwo im All. "Wo sollen wir denn sonst hin? Es gibt ja nichts anderes. Und wenn man da einen Beitrag leisten kann, unsere Generation mit dem Projekt vielleicht einen Grundstein dafür legt, gibt es nichts Spannenderes, an dem man arbeiten kann."

Genug zu tun, bleibt. Das Ziel, bis Ende 2022 die erste Rakete gestartet zu haben, gilt als sehr, manchem als zu ambitioniert. Aber Brieschenk, versichert: "Es sieht so aus, dass wir das erreichen können." Vergangene Woche gab es einen ersten erfolgreichen Antriebstest, danach folgen die Motortests, der bis Ende des Jahres optimiert werden soll. Bei Rocket Lab, einem US-Unternehmen, wo er vorher gearbeitet hat, habe man genau vier Jahre gebraucht, bis die "Electron" flog. Die Rocket Factory wurde 2018 gegründet. Heute wird die neue Fabrikhalle eröffnet. Wer hat im Raketen-Rennen die Nase vorn? Spurmann sagt: "Wir."

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