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Energiewende

26.07.2019

Warum in Bayern 2019 noch kein einziges Windrad gebaut wurde

In Bayern ist im ersten Halbjahr dieses Jahres kein einziges Windrad in Betrieb gegangen. Jetzt hat die Branche einen Hilferuf ausgesandt.
Bild: Josef Reitmayer (Archiv)

Plus Die erneuerbaren Energien sollen die Stromversorgung in Zukunft sichern. Doch in Bayern ging im ersten Halbjahr 2019 kein einziges neues Windrad in Betrieb.

Klimaschutz ist derzeit ein heißes Thema in der Politik. Es sieht so aus, dass die Bundesregierung ihm bald größere Bedeutung geben will. Für Fachleute ist dabei klar, dass der Kohleausstieg oder ein niedrigerer Ausstoß des Klimagases CO2 ohne den Ausbau erneuerbarer Energien kaum möglich sein werden. Hier aber sieht es derzeit weniger gut aus – zumindest, was die Windkraft an Land betrifft. In Bayern ist im ersten Halbjahr 2019 kein einziges neues Windrad in Betrieb genommen worden. Das berichtet der Bundesverband Windenergie zusammen mit dem Maschinenbauverband VDMA.

Ohne Windkraft werden die Klimaschutzziele für 2030 nicht erreicht

Der Ausbau der Windkraft an Land stockt in ganz Deutschland. Im ersten Halbjahr sind lediglich 86 neue Anlagen mit einer Kapazität von 287 Megawatt in Betrieb gegangen, berichten die Verbände. Dies sei der niedrigste Stand seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000. Die Zahlen blieben hinter dem zurück, was der Gesetzgeber plane. Zum Vergleich: Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen hat eine Leistung von 1344 Megawatt. Die Verbände senkten auch ihre Prognose für den Windkraftausbau in diesem Jahr. Jetzt rechnen sie mit insgesamt noch 1500 Megawatt neuer Windkraft-Kapazität.

„Es ist hart für die Branche, jetzt die Prognose kappen zu müssen, denn wir sehen ja, dass mehr erneuerbare Energie gebraucht wird“, sagte Matthias Zelinger vom VDMA. „Immer mehr Industrieunternehmen wollen klimaneutral produzieren. Wärme und Verkehr brauchen zusätzlich erneuerbaren Strom“, fügte er an. Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie zufolge müssten pro Jahr Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 4700 Megawatt gebaut werden, damit die Regierung ihre Klimaschutzziele bis 2030 und 2050 erreichen kann.

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In Bayern verhindert die 10-H-Regel den Bau neuer Windräder

Was sind die Gründe für den stockenden Ausbau? „Genehmigungsstau und Klageflut belasten die Branche“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Bei den Klagen gehe es häufig um den Artenschutz. Aber auch militärische Belange stellten Genehmigungshemmnisse dar. Der Staat schreibt heute außerdem neue Windkraft-Projekt aus. Doch es finden sich zu wenige Bewerber.

In Bayern kommt noch eine Hürde dazu: die 10H-Regelung. Windräder gelten seit 2014 nicht mehr als privilegierte Bauvorhaben, wenn ihr Abstand zur Wohnbebauung das zehnfache der Höhe unterschreitet. Die Regelung hatte deutliche Folgen: „Gerade in Bayern ist die Flächenverfügbarkeit das erste große Hemmnis auf dem Weg, überhaupt erst an der Ausschreibung teilnehmen zu können“, berichtet Petra Hutner vom Bundesverband Windenergie in Bayern. „Und diese Flächenverfügbarkeit wird durch die 10H-Regelung stark eingeschränkt“, sagt sie.

Bayern bräuchte pro Jahr 140 neue Windräder und hat null

Studien zufolge gehen damit 95 Prozent des Potenzials der Windenergie in Bayern verloren. Die 10H-Regelung soll im Herbst evaluiert werden. Eine Arbeitsgruppe des Bayerischen Energiegipfels spreche sich für eine Abschaffung von 10H aus, sagt sie.

„Trotzdem brauchen wir die Windenergie in Bayern!“, fordert Hutner. Die Energiewende sei zum Beispiel unverzichtbar für den Klimaschutz. Für die Versorgungssicherheit und Netzstabilität sei es wichtig, die Anlagen in Deutschland räumlich zu verteilen. Der Verband schlage daher 120 bis 140 neue Windenergieanlagen pro Jahr im Freistaat vor. Davon ist man derzeit mit null weit entfernt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.07.2019

Der Spiegel-Artikel von Heft 19 vom 04.05.2019 sagt mit der Titelseite
"Murks in Germany"
"Energiewende: Wie eine große Idee am deutschen Kleingeist scheitert"

eigentlich alles!

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27.07.2019

Da ist es doch immer wieder erfrischend, wenn es Zeitgenossen und Zeitgenossinnen gibt, die fest auf dem Boden der Wissenschaft stehen! :-)
Ich denke immer noch amüsiert zurück, als der ADAC regelmäßig die ersten Alibi-E-Auto-Versuche (die ja wirklich auch zum Schämen waren für unsere Ingenieure) niedergeschrieben hat.
Ändert sich alles - es muss nur mal losgehen und nicht ständig mit angezogener Handbremse gestolpert werden.

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27.07.2019

Ja, die Kraftwerkslobby kann sich auf seine Helfer verlassen.
Es muss dem Volk gezeigt werden, dass es Stromausfälle geben wird und die Versorgungssicherheit gefährdet ist!
Das kommt mit der "Bremse" ganz sicher und ohne, dass man am Netz "zündeln" muss.
Dann kommt der große Volksaufschrei und man kann die alten, abgeschriebenen Kraftwerke noch ein paar Jahr laufen lassen oder wieder in Betrieb nehmen - es ist ja Volkswille! Und es bringt Milliarden - was man dafür alles machen würde...

Aber es wird zusätzlich auch nichts getan, um die Stromspeicherung voran zu bringen - das ist genau so schädlich.
Denn ohne die Versorgungslücken zu schließen, wird die erneuerbare Energieversorgung nicht funktionieren.

Wie bei der E-Mobilität - der Hybridantrieb - muss m.M. nach, für eine Brückentechnologie gesorgt werden.
Bei der Stromversorgung z.B. dezentrale, kleine Erdgaskraftwerke - schnell einschaltbar und regelbar - vorgehalten werden.
Erdgas - also Methan - gibt es noch für hunderte von Jahren - auch in den Weltmeeren und ist wesentlich umweltfreundlicher als Kohle, Öl und Atomstrom. Wäre der ganze öffentlich Verkehr - wie in den Augsburger Bussen - auf Erdgas umgestellt worden - dann bräuchte heute keine Stadt Fahrverbote verhängen. Jetzt ruft z.B. Köln nach Staatzuschüssen um das zu tun. Vermutlich haben die bisher mit dem Geld statt Erdgasbusse lieber Karneval gefeiert - ALAAF ….
Verbrennen wir es nicht, wird es uns, als noch gefährlicher Stoff, in die Atmosphäre gehen, wenn erst mal der Permafrost in Sibirien und Alaska weiter auftaut und vom Meeresboden die Methanhydratlager als riesige Blubber in die Atmosphäre entweichen.

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27.07.2019

"Brückentechnologie" , technisch überhaupt nicht verwirklichbare "Groß-Stromspeicher" ....

Sie haben ja die Propaganda der völligwissenschaftsfremden Grünen zutiefst verinnerlicht !

Gratulation - das muß man auch erst einmal bewältigen können !

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27.07.2019

Windkraft-Mühlen an Land sind dee allergrößte Unsinn , den es geben kann .
Diese Ungetüme bringen energietechnisch nur ganz wenig Strom , verbrauchen aber ausgedpeochen viele Ressourcen (Boden, Waldbereiche etc)
Man muß sich zudem wundern , daß die Grünen und die übrigen "Umweltschützer" und Klimawandler" es absichtlixh ignorieren , welchen Schaden diese Wind-Monster an der Natur verursachen : durch diese Windmühlen werden tagtäglich tausende Insekten und hunderte Vögel vernichtet.

Die links-grünen Ideologen und "Welten-Retter" sowie die durch die 24)7 Dauerpropaganda der Grünen domestizierte blinde Öffentlichkeit erkennen nicht , daß einzig und allein die Atomkraft sowie deren technische Weiterentwicklung sinnvoll wäre ;

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27.07.2019

Gerade bei der Windkraft sind die Fronten schon etwas differenzierter.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/gesundheitsrisiko-windraeder-aufstand-gegen-die-windkraft-16273196.html

>> Gegner von Windrädern klagen über Kopfschmerzen, Herzrasen und Schlafstörungen. Den Naturschutzverbänden ist das egal, die Umwelthilfe ignoriert den Protest der Bürger. Doch nun sorgt ein Gerichtsurteil für Unruhe. <<

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26.07.2019

Die 10H Regelung ist nicht ganz verkehrt.

In Nord- und Mitteldeutschland stehen viele Windkraftanlagen, auch dicht an Siedlungen.

Die Windturbine ist ein Rotationsgenerator und erzeugt dementsprechend ordentlich Lärm. Auch die Flügelschläge verursachen tiefe, wiederkehrende Töne.

Anwohner klagen dort über Lärm, Schlafstörungen und weigere gesundheitsprobleme, wie erhöhtem Blutdruck und Co.

Trotzdem kann eine Reform der Regelung sinnvoll sein. Sehr hohe Turbinen sind zwar „unschöner“ für die Landschaft, dafür aber ertragreicher.

Ich glaube für einen Anwohner ist es besser eine 150m hohe Anlage in 1,25km Entfernung zu haben, als eine 100m hohe Anlage in 1km Entfernung.

Die Höhe sollte also nicht weiter linear „bestraft“ werden. Dennoch muss auf die Gesundheitsrisiken eingegangen werden und ein Mindestabstand definiert werden.

Auch kann man mal über den Tellerrand schauen. Es sind beispielsweise bereits vertikale Turbinen erforscht, die viel kompakter sind und weniger Probleme bereiten. Man darf sich also nicht so starr auf eine Lösung fokussieren

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