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Neo-Broker
27.01.2022

Werden Trade Republic & Co. bald teurer?

Zahlreiche junge Menschen investieren heute über das Smartphone. Manchen Anbietern drohen nun schärfere Regeln.
Foto: Fabian Sommer, dpa

Wer mit Online-Banken günstig an der Börse investiert, muss mit höheren Kosten rechnen. Denn die EU will das Geschäft der sogenannten Neo-Broker neu regeln.

Das klassische Sparbuch verliert sogar in Deutschland an Beliebtheit. Zwar hat es im Vergleich zu anderen Ländern eine Weile gedauert, aber mittlerweile haben auch die Deutschen die Börse für sich entdeckt. Indexfonds (ETFs) oder Wertpapiere – ihr privates Vermögen bauen Sparerinnen und Sparer zunehmend am Aktienmarkt auf. Etwa jeder sechste Bürger bzw. jede sechste Bürgerin ist laut Deutschem Aktieninstituts (DAI) aktiv. Im vergangenen Jahr hatten in der Bundesrepublik knapp 12,1 Millionen Menschen in Aktien, Aktienfonds oder aktienbasierte ETFs investiert.

Insbesondere junge Menschen entscheiden sich dabei gerne für den Weg mittels Online-Banken, weshalb vor allem sogenannte Neo-Broker, die sich anders als klassische Onlinebroker auf einen oder wenige Investmentbereiche fokussieren, in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg erlebten. Unkompliziert, einfach und vor allem kostengünstig ist für den Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise das Einrichten des Sparplans mithilfe einer App auf dem Smartphone sowie der Handel mit Wertpapieren oder ETFs. Schnell lassen sich Aktien kaufen oder verkaufen, die Einstiegshürden sind gering. Doch nun droht die Freude der Sparer am günstigen Wohlstandsaufbau von neuen Regeln aus Brüssel getrübt zu werden.

Neue Finanzmarktverordnung: Nervosität unter Fintechs steigt

Die EU-Kommission plant, die Europäische Finanzmarktverordnung zu reformieren, und ein Teil des Entwurfs dürfte für Nervosität unter den Fintechs sorgen. Denn der Vorschlag sieht unter anderem ein Verbot des als kontrovers geltenden „Payment for Order Flow“-Geschäftsmodells vor. Hier geht es darum, dass Online-Broker, vor allem Neo-Broker, ihren Kunden kostenlosen oder sehr günstigen Wertpapierhandel anbieten, um dann im Gegenzug von ihren Handelsplätzen Rückvergütungen zu kassieren. Kommissionsfreie Broker führen Aufträge nicht selbst aus, sondern leiten ihre Order an zentrale Marktteilnehmer wie Lang & Schwarz oder Tradegate weiter und werden hierfür kompensiert.

Handelt es sich um ein perfektes Modell für Sparerinnen und Sparer und vor allem Kleinanlegerinnen und Kleinanleger, weil Online-Broker ihr Angebot ohne Kommissionen weitergeben können? Kritikerinnen und Kritiker sind skeptisch, nicht nur weil ihrer Meinung nach Neo-Broker das Zocken an den Börsen anheizen. Sie verweisen zum einen auf die Frage, ob wirklich alle Verbraucherschutzbestimmungen eingehalten werden, zum anderen auf die Gefahr, dass Broker eben nicht nur die für die Anleger besten privaten Anbieter auf den Finanzmärkten wählen könnten, sondern solche, die ihnen die höchsten Profite zahlen. Zu den bekannten Brokern, die die Branche aufgewühlt haben, gehören Flatexdegiro, Trade Republic, Robinhood oder Scalable Capital.

Markus Ferber, CSU: "Sehr genau hinschauen, ob ein Verbot die einzig gangbare Lösung ist"

Die Brüsseler Behörde verweist bei ihren Plänen dementsprechend auf den Anlegerschutz und auch Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, meint, es stellen sich grundsätzliche Fragen nach Interessenkonflikten des Brokers, Kostentransparenz und Ausführungsqualität. Bekommt die Kundin oder der Kunde tatsächlich den besten Preis? Weiß man, wer alles dabei ist?

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Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, verweist auf den Anlegerschutz.
Foto: Ulrich Wagner (Archivbild)

Der Parlamentarier begrüßt, dass die Kommission das Thema angeht. „Wir müssen aber sehr genau schauen, ob ein Verbot die einzig gangbare Lösung ist oder ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt, um Waffengleichheit zwischen traditionellen Vertriebskanälen und Finanz-Apps herzustellen“, so Ferber. Hinter den Kulissen heißt es, dass Frankreich als Treiber hinter dem Vorstoß der Kommission steckt, der konventionellen Anbietern in die Karten spielen würde.

Steht das Rückvergütungsmodell der Neo-Broker vor dem Aus?

Doch nicht nur der französische Börsenbetreiber Euronext dürfte hoffnungsvoll gen Brüssel blicken. „Die Deutsche Börse würde sich auch nicht beschweren“, mutmaßt Markus Ferber. Ob es am Ende wirklich zu einem Komplettverbot des Rückvergütungsmodells kommt, bezweifeln in Brüssel jedoch viele. Denn selbst unter Skeptikern wird mehrheitlich ein Mittelweg befürwortet, der dann zu mehr Transparenz und Wettbewerb führen soll. Ohnehin dürfte es bis zu einem finalen Gesetz noch eine Weile dauern.

Bislang haben die Verhandlungen im zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlaments über eine gemeinsame Position nicht begonnen. Dann müssen sich auch die 27 Mitgliedstaaten auf einen Standpunkt verständigen, bevor sich Parlament und Rat endgültig auf ein Gesetz einigen können.

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