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Dorfgeschichten

28.11.2015

Als in Rehling Silberfüchse gezüchtet wurden

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4 Bilder
Ein Bild aus den Kriegsjahren zeigt eine Gruppe mit Leuten, darunter auch der Besitzer nach der Fuchsfarm- Ära, Johann Fischer (vorne, Zweiter von rechts), der die Freilandgärtnerei betrieb. Dahinter in Uniform sein Sohn Johann, dazu deren Frauen und Bedienstete.
Bild: Fotos/Repros: Josef Abt

In den 30er-Jahren gab es eine Fuchsfarm beim Taglilienfeld in St. Stephan. Was ist daraus geworden?

Ihr Fell war begehrt. Doch die Zeiten, in denen Silberfüchse in Rehling gezüchtet wurden, sind vorbei. Geblieben ist das markante Gebäude neben der Gärtnerei Hessing im Ortsteil St. Stephan. In Rehling heißt es auch 90 Jahre später noch die „Fuchsfarm“. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Die damals integrierte Gärtnerei für Gemüseanbau hat sich zu einem großen Gärtnerbetrieb der Familie Hessing entwickelt, die Pflanzen für Haus und Garten vertreibt.

Das fast vier Hektar große Gelände wurde in den 60er-Jahren geteilt in die Gärtnerei im südlichen Bereich und in das nördliche Areal, das oft den Besitzer gewechselt hat. Das Grundstück liegt westlich von St. Stephan und südlich der Staatsstraße von Oberach nach Langweid. In den 30er- und 40er-Jahren wurden hier Silberfüchse zur Pelzgewinnung gezüchtet. Das Tier galt um 1900 als „König der Pelztiere“. Die Felle mit meist schwarzen und leicht silbrig glänzend durchsetzten Haaren brachten beachtliche Erträge. Sie wurden zu Stolas verarbeitet, zu Pelzkragen oder ganzen Pelzmänteln. Silberfuchspelze waren beliebt bei Kaisern und Königen, bis in die arabische Welt hinein. Die älteren Rehlinger können sich zwar noch an die Zuchtfarm erinnern – und auch daran, welchen Geruch die Füchse je nach Witterung im Lechfeld verbreiteten. Nähere Informationen waren aber nie zu erfahren, das Areal war abgeschottet.

Die Baupläne des alten Gebäudes stammen von einem Architekten aus Friedberg und tragen das Datum vom 11. August 1928. Bauherr war ein Herr Lober. Auf dem Areal gab es mehrere lang gezogene Freigehege mit massiven Fundamenten, mit Zäunen umgeben, wobei alles, auch im Erdreich, mit Maschendraht ausgelegt war. Vom Turm aus wurden die Tiere beobachtet, die sich besonders in der Paarungszeit oft bekämpften und verletzten.

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Im Erdgeschoss des Gebäudes war früher die Futterküche untergebracht, die anderen Räume dienten zum Lagern von Holz, Kohle und Futtervorräten. Im Obergeschoss wohnten die Besitzer. So richtig in Gang schien die Züchtung wohl aber nicht gekommen zu sein, es fehlten sehr kalte Wintermonate, damit sich das Fell der Silberfüchse lang und dicht entwickeln konnte. Nicht umsonst kamen die Felle für den russischen Adel meist aus den sibirischen Züchterfarmen. Auch Schweden und Norwegen waren bekannt für gute Fellqualität.

Erzählungen der folgenden Besitzer dieser Fuchsfarm zufolge hatte der Züchter seine Tiere angeblich nach Norwegen transportiert, wo sich deren Fell in der extrem kalten Winterzeit dicht entwickeln konnte. Nur so konnte es gewinnbringend verkauft werden. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass der Züchter schließlich in St. Stephan aufgab.

Am 20. November 1940 erwarb Johann Fischer das Areal von einem Pius Kirner aus Gersthofen. Johann Fischer, gebürtig im Bayerischen Wald, hatte als früherer Bediensteter bei der Reichsbahn in Augsburg gewohnt und dort eine Holz- und Kohlenhandlung betrieben.

Er errichtete ein Nebengebäude mit Wohnung, Stall, Tenne und Garage in St. Stephan. Dieses Gebäude entlang des Zufahrtsweges zum Taglilienfeld gehört heute mit zur Gärtnerei Hessing. Der neue Besitzer war mit Leib und Seele Freizeitgärtner. Er baute eine Freilandgärtnerei, aus der Ware nach Augsburg und in die Umgebung geliefert wurde. In die alte Fuchsfarm zog bald sein Sohn samt Frau ein. Sie unterrichtete an der Volksschule Aindling (eine geborene Mang). Die Familie hat zwei Töchter, Maria und Theodora, die heute in Schongau lebt. Die Töchter erbten das Areal.

Nachdem die Mutter in Schongau eine Anstellung gefunden hatte, zog die Familie dorthin. Das Gelände wurde verkauft. Den Bereich der Freilandgärtnerei erwarb 1967 die Gärtnerfamilie Hessing. Der heutige Seniorchef, der schon eine kleine Gärtnerei in Gersthofen betrieben hatte, bekam den Tipp in der ehemaligen Gaststätte Lohner in Allmering. Der Bereich mit der ehemaligen Fuchsfarm ging Anfang der 80er-Jahre ebenfalls in andere Hände.

Während die Gärtnerei Hessing expandierte, gab es beim Objekt Fuchsfarm häufigere Besitzerwechsel, sogar Rotlichtmilieu hatte sich hier einige Zeit breitgemacht. Seit gut 20 Jahren hat sich nun der neue Eigentümer einen Traum inmitten der Natur verwirklicht und aufwendige Umbauten vorgenommen. An der westlichen Grundstücksgrenze sind in dieser Idylle im Lechfeld Pferde untergebracht, die von einem 83-jährigen amerikanischen Kriegsveteranen aus Augsburg täglich versorgt werden.

Nebenan in der Gärtnerei Hessing hat man diese Geschichten und Wechsel meist am Rande verfolgt. Der Betrieb hat sich gut entwickelt und vergrößert. Die riesigen Glastreibhäuser an der Grundstücksgrenze sind teilweise auf den Betonfundamenten aufgesetzt, auf denen früher die Gehege für die Silberfüchse aufgesetzt waren. Die Kundschaft kommt aus der gesamten Region.

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