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Aichach-Friedberg

19.01.2021

Corona-Ausbruch am Krankenhaus Friedberg: Zwei Tote, viele Infizierte

Im Friedberger Krankenhaus ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Der Vorfall zieht sich schon seit Wochen hin - informiert wurde lange nicht.
Bild: Ute Krogull (Archivfoto)

Plus Am Friedberger Krankenhaus ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Dutzende Menschen wurden positiv getestet. Zwei Patienten starben. Informiert wurde lange nicht.

Am Krankenhaus in Friedberg gibt es offenbar einen Corona-Ausbruch. Das Landratsamt bestätigte am Dienstag Informationen unserer Redaktion, wonach über mehrere Wochen insgesamt dutzende Mitarbeiter und Patienten positiv getestet wurden. Seit Dezember sind im Zusammenhang mit Covid-19 zwei Patienten des Friedberger Krankenhauses gestorben. Der Ausbruch läuft nicht erst seit Kurzem. Wie erst jetzt bekannt wurde, waren bereits im November elf Krankenhaus-Mitarbeiter aus dem Wittelsbacher Land und 15 Patienten positiv getestet worden. Doch dabei blieb es nicht.

Im Dezember folgten laut Landratsamt 16 weitere positive Testergebnisse bei Mitarbeitern, die im Landkreis wohnen, sowie bei 21 Patienten. Auch im Januar fiel eine ganze Reihe von Testergebnissen positiv aus: Bis zum Montag waren es elf unter Mitarbeitern aus dem Landkreis, weitere zehn unter Patienten. Insgesamt kommen also seit November 84 positive Testergebnisse unter Mitarbeitern aus dem Landkreis und Patienten zusammen.

Corona im Friedberger Krankenhaus: Zwei Patienten starben

Zwei Patienten des Friedberger Krankenhauses überlebten nicht. Am 2. Dezember starb nach Angaben des Landratsamtes ein Patient im Zusammenhang mit Covid-19; am Montag, 18. Januar, ein Zweiter. Alle Patienten werden vor der stationären Aufnahme in den Kliniken an der Paar einem Schnelltest und einem Abstrichtest unterzogen, so das Landratsamt. Alternativ müssen sie einen negativen Test vorweisen. Bei einem positiven Test werden sie ins Aichacher Krankenhaus verlegt. Hier werden seit Beginn der Corona-Pandemie alle positiv Getesteten versorgt, die im Wittelsbacher Land eine stationäre Behandlung benötigen.

Die beiden Patienten, die später starben, waren dem Landratsamt zufolge bei ihrer Aufnahme negativ. Während eines Krankenhausaufenthalts seien mehrere Tests üblich. Ein weiterer Test sei bei den beiden schließlich positiv ausgefallen. Daraufhin seien sie nach Aichach verlegt worden, wo sie letztlich starben. Das Landratsamt betont unter Verweis auf die bis zu zweiwöchige Inkubationszeit: "Dass der zweite Test positiv ausfiel, bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Patienten sich im Krankenhaus angesteckt haben". Wie viel Zeit zwischen der Aufnahme und dem positiven Testergebnis verging, ließ das Landratsamt am Dienstag jedoch offen.

Landratsamt: Alle Klinik-Mitarbeiter seit Jahresende getestet

Die Mitarbeiter der Kliniken an der Paar werden dem Landratsamt zufolge "auf freiwilliger Basis wöchentlich getestet". Seit Ende Dezember seien "praktisch alle rund 380 Mitarbeiter*innen einmal getestet" worden. Das letzte, negative, Ergebnis sei am Dienstag eingegangen.

Seit vielen Wochen informiert das Landratsamt täglich über die Zahl der aktuell positiv Getesteten im Landkreis, der Kontaktpersonen in Quarantäne, der Corona-Patienten an den Kliniken an der Paar und den aktuellen Stand aus betroffenen Einrichtungen. Das Friedberger Krankenhaus taucht darin lediglich am 30. Dezember auf. Damals hieß es unter anderem: "Es fiel auf, dass Patienten aus drei Stationen und Mitarbeiter aus mehreren Bereichen positiv auf Corona getestet wurden. Diese Tests wurden [...] routinemäßig freiwillig oder bei Symptomen anlassbezogen durchgeführt." Das routinemäßige Testkonzept sehe Antigen-Schnelltests vor. Nach positiven Schnelltests würden Abstrich-Untersuchungen erfolgen. Weiter hieß es: "Wichtig ist es, einen optimalen Schutz für die Gesundheit der Patienten und der Mitarbeiter zu gewährleisten. Hier gehört unstrittig dazu, niemanden durch unerkannte Infektionen unnötig zu gefährden." Es sei empfohlen worden, "einmalig alle Mitarbeiter mittels PCR-Test [Abstrichtest, Anm. d. Redaktion] zu testen".

Regierung erfuhr Ende Dezember von Verdacht eines Ausbruchs

Einen Tag später, am 31. Dezember, informierte das Gesundheitsamt die Regierung von Schwaben erstmals "über den Verdacht eines Ausbruchsgeschehens im Krankenhaus Friedberg", wie die Pressestelle der Regierung auf Anfrage mitteilte. Also Wochen nach den insgesamt 26 positiven Tests bei Mitarbeitern aus dem Landkreis und Patienten im November.


Anders als Kitas, Schulen, Seniorenheime oder Asylunterkünfte waren die Kliniken an der Paar in den Corona-Meldungen des Landratsamtes bislang nicht als betroffene Einrichtungen aufgelistet. Am Dienstag kündigte Pressesprecher Wolfgang Müller an, das werde geändert. Er wies erneut auf die Software-Umstellung am Gesundheitsamt zwischen Weihnachten und 8. Januar hin. Daher habe das Landratsamt in dieser Zeit keine Zahlen melden können. Das erklärt jedoch nicht, warum auch zwischen November und Weihnachten sowie seit 8. Januar nichts über die Ereignisse am Friedberger Krankenhaus an die Öffentlichkeit drang. Ebensowenig, warum im Januar beispielsweise über das laufende Geschehen im Seniorenheim Haus an der Paar in Aichach informiert wurde, nicht aber über das Friedberger Krankenhaus.

Was seitens des Gesundheitsamtes oder am Krankenhaus unternommen wurde, um das Ausbruchsgeschehen einzudämmen sowie Patienten und Mitarbeiter zu schützen, war am Dienstag trotz Anfrage unserer Redaktion nicht zu erfahren. Dr. Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, war aus terminlichen Gründen für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Corona im Krankenhaus Friedberg: Warum die Heimlichtuerei?

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20.01.2021

Ich bin sprachlos - ein Skandal allererster Güte. Durch willentliches unter den Tisch kehren bzw. verschweigen sind viele Menschen einer weit höheren Gefahr ausgesetzt, in der Klinik Corona zu bekommen, als anderswo. Der Landrat, das Gesundheitsamt und die Klinik-Leitung haben das Vertrauen der Menschen sträflich missbraucht und deswegen auch keines mehr verdient. In einem „normalen“ Unternehmen würden jetzt Köpfe rollen - und zwar zu recht. Es wäre schön, wenn sich die AA noch weiter in den Fall verbeißt und guten investigativen Journalismus betreibt.

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19.01.2021

So wird Vertrauen zerstört.
Sowohl der Landrat denn auch der Klinikgeschäftsführer sollten schleunigst ihren Hut nehmen - wenn sie einen Funken Charakter und Verantwortungsgefühl haben.
Übrigens am Rande, das Ganze begann wohl nach der Ära Pürner!

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