1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Gesundheit: Landkreis Aichach-Friedberg befragt 4000 Bürger

Gesundheitswesen

07.11.2019

Gesundheit: Landkreis Aichach-Friedberg befragt 4000 Bürger

Copy%20of%20DSC_9465.tif
2 Bilder
Wie der Hausarzt den Patienten abhört und durchcheckt, so will die Politik nun auch mal die Bürger fragen, wo es bei der Gesundheitsversorgung im Wittelsbacher Land hapert. Der Landkreis startet im Rahmen des Projekts „Gesundheitsregion plus“ eine Umfrage unter 4000 Bürgern.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Der Landkreis Aichach-Friedberg nutzt die „Gesundheitsregion plus“, um von den Menschen zu erfahren, wo Verbesserungen nötig sind. Wie die Befragung funktioniert.

Rein statistisch gesehen, gibt es mehr als genug Ärzte im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) jedenfalls bezeichnet das Wittelsbacher Land als in allen Bereichen bestens versorgt. Die Realität sieht für so manchen Bürger anders aus: Gerade auf dem flachen Land vermissen Patienten häufig einen Arzt in erreichbarer Nähe. Was stimmt nun? Und vor allem: Was ist zu tun?

Es geht um die Versorgung im Gesundheitswesen im Landkreis

Solche Fragen beschäftigen Andreas Michel. Er ist Leiter der neuen Geschäftsstelle „Gesundheitsregion plus“ – ein Etikett, das der Landkreis seit April trägt. Das Etikett soll nun mit Leben gefüllt werden. „Uns ist besonders wichtig, von Anfang an Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen“, betonte Michel am Donnerstag bei einem Pressegespräch gemeinsam mit Gesundheitsamtschef Friedrich Pürner und Landrat Klaus Metzger. Beteiligt werden in den nächsten Wochen die Bürger, „um herauszufinden, wo und für wen Verbesserungen nötig sind“. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der Menschen, sondern auch um Prävention und Gesundheitsförderung.

Ab Freitag werden Fragebögen an 4000 Bürger verschickt

Ab Freitag, 8. November, bis Montag, 11. November, werden Fragebögen an 4000 zufällig ausgewählte Landkreisbürger aller Altersgruppen und aus allen Gemeinden geschickt. Die acht Seiten enthalten 51 Fragen. Damit will die „Gesundheitsregion plus“ explizit die subjektive Wahrnehmung der Bürger herausfinden. Sie will wissen, ob der Weg zum nächsten Arzt zu weit weg ist, ob die Bürger mit der Gesundheitsversorgung zufrieden sind, wie gesund sie leben, wie ihr Gesundheitszustand ist oder welche Angebote sie vermissen. „Wir müssen erst herausfinden, wo der Schuh drückt“, betont Pürner. Die Antworten sollen Aufschluss geben über Bedarf, Wünsche, Vorstellung, Probleme und Belastungen der Bürger, so Michel.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig

Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig. Michel versichert, dass die Daten ausschließlich anonymisiert erfasst und ausgewertet werden. Zur Rücksendung wird ein frankierter Rückumschlag beigelegt, sodass die Bürger keine Kosten tragen müssen. Der Landkreis hofft, dass sich die ausgewählten Personen rege beteiligen. „Wir sind auf einen hohen Rücklauf angewiesen“, um verwertbare Daten zu erhalten, so Michel. 30 bis 35 Prozent Rücklauf wären nötig, 20 Prozent aber noch ein gutes Ergebnis.

Erkenntnisse für das Gesundheitswesen sollen Ende des Jahres vorliegen

Ende des Jahres sollen die Erkenntnisse vorliegen. Damit befasst sich dann Anfang 2020 das Gesundheitsforum (siehe unten), „in dem alle, die im Gesundheitswesen mitspielen“ (Pürner) vertreten sind. Die über 20-köpfige Runde soll in Arbeitsgruppen konkrete Maßnahmen entwickeln und zwar zielgerecht für bestimmte Personengruppen wie Heranwachsende oder Senioren. Das kann ganz einfach sein. Ein Beispiel: Haben sich ältere Menschen in einer Gemeinde zurückgezogen, bewegen sich zu wenig und leiden womöglich auch an Übergewicht, lässt sich ganz rasch über die Volkshochschule eine Bewegungsgruppe einrichten. Es kann aber auch ganz schwer sein: So kann sich Michel gut vorstellen, dass die Geburtshilfe in Aichach ein „großes Thema“ wird.

Wie steht es um die ärztliche Versorgung im Landkreis?

Michels Aufbauarbeit in seinen ersten Monaten für die Gesundheitsregion plus waren geprägt von Gesprächen mit den regionalen Akteuren. Aber es gab auch schon erste Aktionen wie die Beteiligung an der ersten bayerischen Demenzwoche oder Aufklärungsveranstaltungen für junge Leute über sexuell übertragbare Krankheiten. Ein Schwerpunkt aber war die Vorbereitung der nun startenden Bürgerbefragung. Auf deren Ergebnisse wartet auch Landrat Klaus Metzger schon mit Spannung – ganz besonders was die ärztliche Versorgung betrifft. Denn der statistische Wert der kassenärztlichen Vereinigung sage nichts aus über die Wirksamkeit in der Fläche, betont Metzger. Er erhofft sich eine Argumentationshilfe gegenüber der KVB, wenn der Landkreis wieder einmal Verbesserungen fordert. „Ansonsten wird das nicht funktionieren“, ist er überzeugt.

So funktioniert die "Gesundheitsregion plus"

Gesundheitsregion plus Seit April ist der Landkreis Aichach-Friedberg eine der 50 Gesundheitsregionen in Bayern. Der Freistaat fördert die Einrichtung finanziell. Die koordinierende Geschäftsstelle mit Andreas Michel ist am Gesundheitsamt angesiedelt.

Gesundheitsforum Dem Gremium unter der Leitung von Landrat Klaus Metzger gehören Vertreter von Ärzteschaft, Apothekerkammer, Kassenärztlicher Vereinigung, Wohlfahrtsverbänden, Sozialversicherungsträgern und der entsprechenden Sachgebiete am Landratsamt an. Es legt die Ziele der Gesundheitsregion plus fest.

Arbeitsgruppen Sie gehen aus dem Gesundheitsforum hervor und kümmern sich einerseits um Prävention und Gesundheitsförderung, andererseits um die Versorgung – jeweils abgestellt auf drei Lebensphasen (Aufwachsen, Erwachsen, Senioren).

Befragung Damit beauftragt wurde das Institut für Empirische sozialökonomie aus Stadtbergen zusammen mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung an der Universität Augsburg. Die zufällig ausgewählten Bürger sollen den Fragebogen bis 29. November über zurückschicken. Die Daten werden anonymisiert erfasst und ausgewertet.

Kontakt Andreas Michel, andreas.michel@lra-aic-fdb.de, Telefon 08251/92-492.

Hier geht's zum Kommentar Diese Chance sollte jeder Bürger nutzen

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren