Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld? Diese abgewandelten Zeilen eines Gassenhauers fallen einem beim Blick auf den Immobilienmarkt im Wittelsbacher Land ein. Wer die Entwicklung der Grundstückspreise anhand der Bodenrichtwerte in einem halben Jahrhundert im Landkreis verfolgt, dem wird schwindlig. Die haben sich zum Teil verzwanzigfacht. Das Schlimme besonders für junge Familien: Ein Ende der Preisspirale ist derzeit nicht abzusehen, allenfalls eine Verschnaufpause wie in den Jahren von 2000 bis 2010. Aber dann könnten auch wieder die Zinsen anziehen, die derzeit im historischen Tiefstand die Finanzierung zumindest erleichtern.
Für Normal- und auch für Gutverdiener fast nicht mehr erschwinglich
In vielen Kommunen im Landkreis, besonders an der Bahnlinie nach München, entlang der Autobahn und in Aichach und Friedberg sind Immobilien für Normal- und auch für Gutverdiener fast nicht mehr erschwinglich. Ohne eine Erbschaft oder ein hohes, gesichertes Einkommen geht nichts, sagen einem Experten, die kein Geld durch den Kauf verdienen wollen. Wer sich nicht bis über beide Ohren verschulden möchte, muss die Füße still halten und lieber zur Miete wohnen. Auch hier geht es nach oben, allerdings sind die Preissteigerungen für Wohneigentum derzeit noch deutlich größer als auf dem Mietmarkt. Zum einen weil Erhöhungen in Bestandswohnungen nur bis zu Vergleichsmieten und in bestimmten Zeitabständen möglich sind. Und bei Neubauten lässt sich auch nicht jeder Preis verlangen, was wiederum Kapitalanleger abschreckt, weil damit die Renditen für ihre Investitionen in Wohnungen sinken.
Die Preissteigerung hat vor allem drei Gründe
Gerade bei Bauland gibt es nahezu schon die Grundüberzeugung, dass vor allem reiche Münchner und Augsburger die Preise hier nach oben treiben. Es gibt sicherlich Druck aus den umliegenden Städten, doch die Statistik im Grundstücksmarktbericht des Landkreises spricht eine andere Sprache: Nur drei Prozent der Käufer von unbebauten Grundstücken in den vergangenen Jahren kommen aus München, dazu noch weitere aus dem Speckgürtel. Aber 75 Prozent der Käufer stammen aus dem Wittelsbacher Land. Bei bebauten Grundstücken kommt noch über die Hälfte der Käufer aus dem Landkreis. Wohnraum in der Region wird teurer, weil es Zuzug gibt und weil Menschen hier weiter bleiben wollen, Baupreise kontinuierlich steigen und weil Grund und Boden nicht vermehrbar ist.
Lesen Sie den zugehörigen Artikel: Immobilienpreise im Wittelsbacher Land gehen durch die Decke
Lesen Sie dazu auch: