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Fußball

28.11.2019

So geht es Christoph Daferner bei Erzgebirge Aue

Der Immendorfer Christoph Daferner (rechts im Trikot von Erzgebirge Aue gegen Hamburgs Lukas Hinterseer) darf beim Hamburger SV vor 40000 Zuschauern von Beginn an ran. Der 21-Jährige spricht im Interview, über seine Höhepunkte im vergangenen Jahr und warum er auch abseits des Platzes Gas gibt.
Bild: Leonie Horky/Witters

Plus Christoph Daferner aus Immendorf wechselte im Sommer zum Zweitligisten Erzgebirge Aue. Im Interview verrät der 21-Jährige, wie er sich eingelebt hat.

Im April feierte Christoph Daferner sein Debüt in der Fußball-Bundesliga. Beim Heimspiel des SC Freiburg gegen Borussia Dortmund wurde der Immendorfer eingewechselt. Im Sommer wechselte der 21-Jährige auf Leihbasis zum Zweitligisten FC Erzgebirge Aue. Gleich in seinem ersten Zweitligaeinsatz erzielte Daferner, der beim TSV Pöttmes das Fußballspielen gelernt hat, sein erstes Tor als Fußballprofi. Bislang stehen für den Mittelstürmer sechs Einsätze in Liga zwei zu Buche, unter anderem durfte er beim Hamburger SV von Beginn an ran. Daferner verrät im Interview mit den Aichacher Nachrichten, bei welchem Spiel er besonders nervös war und warum er seinen ersten Treffer als Profi nicht bejubeln konnte.

Herr Daferner, 2019 war ein turbulentes Jahr für Sie. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Christoph Daferner: Das ist schwierig, aber klar war mein Debüt in der Bundesliga etwas ganz Besonderes. Jeder Fußballer träumt davon.

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Hand aufs Herz, wie nervös waren Sie?

Daferner: Sagen wir es so – ich war sehr angespannt. Auf den Moment habe ich mein ganzes Leben hingefiebert. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, da kann man nicht sagen, es war alles wie immer.

Konnten Sie das Spiel überhaupt genießen?

Daferner: Nicht wirklich, weil wir 0:4 verloren haben. Da ist man erst einmal bedient. Mit ein bisschen Abstand war es dennoch ein schönes Erlebnis. Ich sehe mich aber noch nicht als Bundesligaspieler.

Wie war die Gefühlslage beim ersten Profitor?

Daferner: Wir haben auch dieses Spiel verloren. Ich bin gegen Bielefeld beim Stand von 0:2 reingekommen. Natürlich war das Tor für mich besonders, aber ich hatte gemischte Gefühle. Einerseits war ich enttäuscht über die Niederlage, andererseits glücklich über den Treffer. Das Tor werde ich trotzdem immer in Erinnerung behalten.

Können Sie sich noch an die Situation erinnern?

Daferner: Ich hab mich am kurzen Pfosten vor dem Torhüter postiert. Die Ecke drehte sich weg vom Tor, weshalb ich ein paar Schritte zurückgegangen bin. Ich habe den Ball perfekt getroffen.

So hat Christoph Daferner nach seinem ersten Profitor gejubelt

Wie haben Sie gejubelt?

Daferner: Ich bin sofort zur Mittellinie gelaufen und habe den Jungs zugerufen, dass da noch was geht. Wenn man die Führung erzielt, sind die Emotionen nochmals anders. Beim Anschluss lässt man sich nicht groß feiern.

Angeschaut haben Sie sich das Premierentor aber sicher öfters?

Daferner: Bei der Videoanalyse und dann noch vier oder fünf Mal mit meiner Familie. Profifußball ist aber Tagesgeschäft, man kann sich nicht lange auf einem solchen persönlichen Erfolg ausruhen.

Es gab bestimmt einige Gratulanten?

Daferner: Ich hatte einige Nachrichten auf dem Handy. Viele ehemalige Mitspieler und Weggefährten haben mir geschrieben und gratuliert.

Das haben die bestimmt auch gemacht, als klar war, dass Sie nach Aue wechseln. Wie groß war die Umstellung?

Daferner: Zuvor habe ich hauptsächlich in der Regionalliga-Mannschaft des SC Freiburg gespielt und ab und an beim Bundesligateam mittrainiert. Das war schon eine Umstellung, weil es in der Zweiten Liga im Vergleich zur Regionalliga körperlich anders zugeht. Der Fokus liegt auf den Zweikämpfen. Die Laufintensität ist höher, und natürlich auch die individuelle Qualität der Spieler.

So geht Christoph Daferner mit der neuen Herausforderung um

Wie sind Sie diese Herausforderung das angegangen?

Daferner: Ich habe versucht, noch präsenter zu sein, meinen Körper besser einzusetzen und vor allem noch mutiger in bestimmten Situationen zu sein. Es kommt darauf an, sich bei Flanken wuchtig reinzuwerfen und gegen die Verteidiger, den Ball zu behaupten. Hinzu kommt, dass man cleverer spielen muss.

Dennoch stehen aktuell nur sechs Einsätze in Liga zwei zu Buche. Damit können Sie nicht zufrieden sein, oder?

Daferner: Natürlich hat man gewisse Ziele und Erwartungen. Als junger Spieler muss man aber auch geduldig sein. Es gibt Phasen, in denen es nicht so nach Plan läuft. Das sind auch sehr wichtige Erfahrungen für mich und daraus gilt es, zu lernen. Ich habe ein aufregendes Jahr hinter mir, weshalb ich insgesamt zufrieden bin. Ich lebe das, was ich mir immer gewünscht habe.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie mal 90 Minuten auf der Bank sitzen?

Daferner: Wichtig ist, sich nicht verrückt machen zu lassen. Ich habe ein gutes Umfeld, das mir den Rücken stärkt. Ich weiß, dass ich als junger Spieler mehr machen muss. Ich muss an mir arbeiten und positive wie negative Kritik aufnehmen können. Wichtig ist in solchen Situationen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

Wie hart ist der Konkurrenzkampf?

Daferner: Nicht härter als anderswo. Wir Stürmern haben ein ganz normales Verhältnis untereinander. Prinzipiell muss ich aber auf meine Leistung schauen. Klar sind die Kollegen erfahrener, aber wichtig ist, dass ich weiß, was ich kann.

So will Christoph Daferner Weihnachten feiern

Blicken wir voraus: Wie wichtig sind die freien Tage um Weihnachten für Sie?

Daferner: Ich freue mich, wenn ich mal zehn Tage abschalten kann bei meiner Familie, Freundin und Freunden. Dann denke ich auch an andere Sachen als Fußball.

An was zum Beispiel?

Daferner: Ich habe mitbekommen, dass es in Pöttmes am Samstag eine Typisierungsaktion gibt. Die ist für die krebskranke Lisa, die früher in meiner Parallelklasse war. Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Ich kann aufgrund eines Spiels in Bochum leider nicht da sein.

Das klingt sehr heimatverbunden ...

Daferner: ... es ist wichtig, dass man nie vergisst, woher man kommt. Ich bin in Pöttmes zur Schule gegangen und bekomme viel über meine Eltern und Freunde mit. Auch wenn ich mittlerweile im Erzgebirge wohne, geht mir so eine Geschichte natürlich nahe.

Apropos Erzgebirge, wie haben Sie sich in Aue eingelebt?

Daferner: Die Leute sind genauso freundlich, wie etwa in Freiburg. Hier ist alles etwas kleiner, weil Aue ungefähr so groß ist wie Aichach. Dafür kann ich mich sehr gut auf das Fußballspielen konzentrieren.

Was Christoph Daferner in seiner Freizeit macht

Auch ein Fußballprofi hat mal Freizeit, was ist da angesagt?

Daferner: Ich versuche, über den Tellerrand hinauszublicken. Mich interessiert Ernährung sehr. Ich mache derzeit in dieser Richtung mehrere Kurse an einer Akademie. Die B-Lizenz als Trainer habe ich beim Südbadischen Verband im Sommer absolviert. Es geht darum, langfristig zu denken. Außerdem unternehme ich gerne was mit Teamkollegen.

Sie sind ja noch beim SC Freiburg unter Vertrag. Wie sehr verfolgen Sie das sportliche Geschehen dort?

Daferner: Wenn es geht, schaue ich mir die Bundesligaspiele an. Die Mannschaft spielt gerade richtig stark. Das freut mich besonders, da ich die meisten Spieler noch kenne.

Wie sehr ärgert man sich, wenn man nicht Teil des Erfolges ist?

Daferner: Ich freue mich für die Jungs mit. Ich fühle mich immer noch ein stückweit als Teil des Vereins. Ich hatte dort zwei tolle Jahre und habe dem SC einiges zu verdanken. Realistisch gesehen, wäre es für mich schwierig geworden auf meine Einsätze in der Bundesliga zu kommen. Es ist alles gut, so wie es ist.

Zumal Sie ja auch mit Aue ganz gut dastehen?

Daferner: Wir sind zwar oben dabei, aber die Liga ist so eng. Wir bleiben auf dem Teppich, der Aufstieg ist kein Thema.

Was sind dann Ihre Ziele für 2020?

Daferner: Mich in der 2. Bundesliga etablieren und noch das ein oder andere Tor erzielen. Ich möchte in meiner Entwicklung die nächsten Schritte gehen und gesund bleiben.

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