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Aichach-Friedberg

08.01.2019

Interview: „Schiedsrichter sind auch nur Menschen“

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Bayernweit gibt es immer weniger Schiedsrichter. In Aichach-Friedberg ist das anders. Obmann Anton Großhauser spricht im Interview über die Entwicklung.
Bild: Alexander Kaya,

Anton Großhauser, Obmann der Schiedsrichtergruppe Ostschwaben, spricht über die Anforderungen und die Entwicklung bei den Unparteiischen.

Anton Großhauser ist seit rund einem Jahr Obmann der Schiedsrichtergruppe Ostschwaben. Angefangen mit dem Pfeifen hat der gebürtige Stockensauer (Gemeinde Kühbach) mit 31 Jahren. Früher war der gelernte Milchtechnologe selbst am Ball für den SV Hörzhausen. Im Interview mit den Aichacher Nachrichten erzählt der heute 46-Jährige, der mittlerweile in Rain am Lech wohnt, warum die Situation im Schiedsrichterwesen im Wittelsbacher Land vergleichsweise komfortabel ist. Außerdem verrät er, wie sich der Nachwuchs entwickelt und der Fußball verändert hat.

Herr Großhauser, was sind ihre Vorsätze für das neue Jahr?

Großhauser: Persönlich habe ich keine. Abnehmen oder andere Dinge – so etwas habe ich noch nie gemacht.

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Und im sportlichen Bereich?

Großhauser: Für die Schiedsrichtergruppe haben wir uns wieder einiges vorgenommen. Wir haben Talente und die wollen wir in die höheren Leistungsklassen bringen. Am wichtigsten ist aber, dass wir unserem Stamm von 161 Schiedsrichtern halten – die Basis ist das Wichtigste.

Wie fällt die Bilanz für 2018 aus?

Großhauser: Positiv. Wir konnten die Anzahl der Schiedsrichter in Ostschwaben entgegen dem bayernweiten Trend erhöhen. Bei uns liegt das zum großen Teil daran, dass die allermeisten Teilnehmer der letzten beiden Neulingskurse noch dabei sind.

Gab es auch Negatives?

Großhauser: Einer von den Schiedsrichtern, der im Sommer angefangen hat, pausiert gerade. Er wurde von einem Trainer angegangen und hat momentan die Lust verloren. Für einen 15-Jährigen ist das eine unangenehme Erfahrung. Wir hoffen, dass wir ihn wieder begeistern können.

Gegen den Trend - Mehr Schiedsrichter in Ostschwaben

Vor allem in Augsburg gab es 2018 einige Spielabbrüche, weil Unparteiische angegangen wurden, wie ist die Situation in Aichach-Friedberg?

Großhauser: Das gab es bei uns zum Glück nicht. Natürlich macht der ein oder andere Schiedsrichter auch mal eine negative Erfahrung. Das lag sicher auch in dem ein oder anderen Fall an der Leistung. Wir sind alle nur Menschen und auch die Schiedsrichter machen Fehler. Insgesamt ist die Situation bei uns auf dem Land aber einfacher. Man kennt sich besser und kann ganz anders miteinander umgehen.

Sie haben den Neulingskurs angesprochen. Wie erleichtert waren Sie, dass der doch noch zustande kam?

Großhauser: Sehr! Bis fünf Tage vor dem Start waren drei angemeldet.

Wäre es ohne die Neulinge bei der Besetzung der Spiele eng geworden?

Großhauser: Ja, gerade zur Urlaubszeit im August. So konnten wir aber zum Glück alle Spiele besetzen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Neulinge ein?

Großhauser: Sehr positiv. 13 von 14 sind ja noch dabei. Der Großteil ist jünger als 20 Jahre. Die wollen alle pfeifen. Man darf aber gerade die Jungen am Anfang nicht überfordern. Die meisten Neulinge sind in der Jugend aktiv. Mancher hat schon in der B-Klasse Spiele geleitet.

Das klingt positiv. Wo ist das Aber?

Großhauser: Im Moment hat sich die Situation etwas entspannt, aber wir haben viele ältere Kollegen, die das nicht ewig machen können. Man braucht etwa drei bis vier Neulinge, um die Spiele eines Erfahrenen, der aufgrund des Alters oder aus gesundheitlichen Gründen aufhört, aufzufangen. Da achten wir auch drauf. Wir wollen niemanden verheizen. Wir sind auch künftig auf die Vereine angewiesen, uns geeignete Kandidaten zu schicken. Sollte ein Neulingskurs ausfallen, wird es schnell wieder eng.

Seit Kurzem gibt es die Kampagne des Bayerischen Fußballverbandes „Wir regeln das“ – was hat es damit auf sich?

Großhauser: Es geht darum, mehr Verständnis für die Schiedsrichterei zu erzeugen. Wir wollen damit zeigen, dass es ohne uns nicht geht.

Ein wichtiger Baustein der Kampagne ist auch der Bereich „Soziale Medien“ – wie sieht es da in Ostschwaben aus?

Großhauser: Soziale Medien sind als Präsentationsfläche auch für die Schiedsrichter wichtig. Wir haben eine eigene Facebookseite und pflegen diese regelmäßig.

Wie fällt ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr als Obmann aus?

Großhauser: Ich kann meine Arbeit nur schlecht beurteilen. Ich bin zufrieden, aber es gibt immer etwas zu verbessern.

Warum haben Sie sich gemeldet und was hat ihre Frau dazu gesagt?

Großhauser: Ich bin nicht verheiratet. Es geht sehr viel Freizeit drauf – das machen sicher nicht alle Frauen mit. Ich wusste zwar, dass sehr viel Arbeit auf mich zukommt, habe es aber immer noch unterschätzt. Als klar war, dass Richard Augustin aufhört, stand zunächst niemand bereit. Es war eine Art Pflichtgefühl gegenüber der Schiedsrichtergruppe.

Bleibt da überhaupt noch Zeit, selbst zu pfeifen?

Großhauser: Das hat abgenommen, allerdings auch, weil ich mittlerweile mehr mit der Betreuung zu tun habe. Ich coache viele junge Schiedsrichter, auch im Kreis Augsburg. Früher habe ich deutlich mehr Spiele gepfiffen.

So steht Anton Großhauser zum Videobeweis

Apropos früher. Wie haben sich der Fußball und auch das Schiedsrichterwesen verändert?

Großhauser: Früher hätte fast jeder in der Bayernliga als Assistent aushelfen können. Da gab es noch keine leistungsmäßigen Vorgaben. Allerdings war es in Zeiten des Liberos auch noch einfacher mit der Abseitsstellung. Heute wird bis zur Kreisklasse, in der auch ich pfeife, mit Vierer -oder Dreierkette gespielt. Man muss immer auf Ballhöhe sein, um die Situationen richtig einschätzen zu können – das macht es nicht leichter. Hinzu kommt, dass der Fußball athletischer und taktischer geworden ist. Dem müssen die Schiedsrichter Rechnung tragen.

Apropos. Wie sehen Sie die Einführung des Videobeweises?

Großhauser: (lacht) Die Frage habe ich erwartet. Man hat am Anfang Fehler gemacht. Oft weiß man auch nach der zehnten Zeitlupe nicht, ob es Elfmeter war oder nicht. In anderen Sportarten haben die Vereine selbst die Möglichkeit, auf den Videoschiedsrichter zurückzugreifen. Das fände ich nicht schlecht. Zumindest hat man die Schiedsrichter aus der Schusslinie genommen, aber insgesamt gibt es noch einiges zu tun. Diskussionen wird es aber immer geben, davon lebt der Fußball.

Müssen wir uns in Aichach-Friedberg eigentlich für 2019 Sorgen machen, was die Besetzung der Spiele angeht?

Großhauser: Man weiß nie, was passiert. Wir können nichts versprechen, aber aktuell schaut es gut aus.

Lesen Sie dazu den Artikel "Zwölf Neulinge greifen zur Pfeife"

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