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Adelsried

14.11.2019

Aufregung um Rangelei auf dem Bauhof in Adelsried

Die Polizei ermittelt, weil ein 50-Jähriger einen 70-Jährigen in Adelsried geschlagen haben soll. 
Foto: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Auf dem Gelände kommt es im Sommer zu einem heftigen Streit. Zieht die Gemeinde keine Konsequenzen, weil der Beschuldigte der Bruder der Bürgermeisterin ist?

Eine Rangelei auf dem Adelsrieder Bauhof könnte Folgen haben. Ein Mann wird beschuldigt, einen anderen geschlagen zu haben. Längst ist der Vorfall im Ort zum Politikum geworden. Auch bei der jüngsten Bürgerversammlung wurde darüber gesprochen. Denn bei dem Beschuldigten handelt es sich um den Bruder der Bürgermeisterin. Er arbeitet auf dem Bauhof und sitzt im Gemeinderat. Nun sieht sich die Rathauschefin dem Vorwurf ausgesetzt, die Angelegenheit zu ignorieren.

Der Vorfall liegt bereits einige Monate zurück. Im Juli, während der Vorbereitungen zum großen Dorfjubiläum, soll es auf dem Adelsrieder Bauhof zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Raimund Pauli, Leiter der Polizei Zusmarshausen, bestätigt das auf Nachfrage unserer Redaktion. Am frühen Vormittag des 25. Julis kam es laut Polizei zunächst zu einem lautstarken Streit zwischen dem 50-jährigen Bauhofmitarbeiter und einem 70-Jährigen. Grund dafür sei „eine Lappalie“ gewesen, sagt Raimund Pauli. Dann soll es zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Der 50-Jährige habe den älteren Mann von hinten geschlagen, sodass dieser zu Boden viel und sich verletzte. Von Schürfwunden ist die Rede. Die beiden Beteiligten haben sich laut Polizei gegenseitig angezeigt. Der Bauhofmitarbeiter wird der vorsätzlichen Körperverletzung beschuldigt, dem 70-Jährigen wird eine Beleidigung vorgeworfen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Im Gemeinderat wird über die Rangelei diskutiert

Schnell wurden im Ort Stimmen laut, die Konsequenzen forderten. In einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats im Oktober sprach Stefan Kramer (Freie Wähler) den Vorfall auf dem Bauhof an. Mehrere Bürger seien auf ihn zugekommen und wollten wissen, was passiert sei. Bürgermeisterin Stegherr-Haußmann wollte sich in der Sitzung allerdings nicht dazu äußern. „In der Sitzung gab die Bürgermeisterin vor, vom Fall nichts zu wissen“, sagt Gemeinderat Ludwig Lenzgeiger (CSU). Er forderte eine Stellungnahme der Verwaltung und der Bürgermeisterin. „Keinesfalls darf es passieren, dass der Fall unter den Teppich gekehrt wird“, sagte Lenzgeiger nach der Sitzung. „In jedem Unternehmen hätte ein solches Vergehen sofortige personalrechtliche Konsequenzen des Arbeitgebers zur Folge.“ Der ist in diesem Fall die Gemeinde Adelsried.

Zum Vorfall selbst möchte sich die Rathauschefin nicht äußern, da sie „persönlich befangen“ sei. Als Bürgermeisterin habe sie die Angelegenheit aber rechtlich überprüft. Es gab Gespräche mit der Rechtsaufsicht des Landratsamts. Dass es bislang keine Konsequenzen nach dem Vorfall gab, sei rechtens, erklärt die Bürgermeisterin. Auch sei es kein Problem, dass der Beschuldigte auf dem Bauhof arbeite und gleichzeitig Mitglied des Gemeinderats ist. Nur bei leitenden Funktionen, zum Beispiel in der Verwaltung, könne das zum Problem werden.

Darf die Bürgermeisterin die Chefin ihres Bruders sein?

Allerdings: Als Bürgermeisterin dürfe sie nicht die Chefin ihres Bruders sein. Richtigerweise hätte deshalb der zweiter Bürgermeister, Karl Mayer (CSU), darüber entscheiden müssen, welche Konsequenzen der Vorfall auf dem Bauhof hat. Seit einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gemeinderats vor etwa einem Monat ist nun Mayer der Chef des Bauhofmitarbeiters. Eine Folge der Kritik einiger Gemeinderäte.

Bislang hat auch er keine weiteren Schritte eingeleitet. In Kürze gebe es dazu ein Gespräch mit der Rechtsaufsicht, sagt Mayer. Man werde sich beraten ob und inwiefern man gegen den Mitarbeiter vorgehen will. Zunächst solle der Vorfall umfänglich aufgeklärt werden.

Noch ist unklar, ob der Fall vor Gericht landen wird. Der Beschuldigte selbst entschuldigt sich. Er sagt: „Natürlich war das ein Fehler.“ Er bestehe allerdings darauf, dass er den älteren Mann nicht geschlagen, sondern lediglich „berührt“ habe. Anschließend sei der 70-Jährige umgefallen. Dennoch ist dem Beschuldigten klar, dass das „nicht richtig“ war. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst und wolle die möglichen Konsequenzen für den Vorfall tragen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Keine voreiligen Schlüsse ziehen

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