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Kreis Ausgburg

17.04.2020

Corona: So gehen bekannte Frauen aus der Region mit der Krise um

Tina Schüssler
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Die Ausgangsbeschränkungen verändern unseren Alltag. Wir haben bekannte Frauen nach ihrem Umgang mit der Krise gefragt.

Freie Zeit haben die meisten Menschen in diesen Tagen mehr als sonst. Männer schauen sich Fußball-Klassiker an oder garteln. Das haben wir gestern in einer Umfrage bei bekannten Persönlichkeiten erfahren. Und welche Tätigkeiten zur Ablenkung bevorzugen Frauen? Wir haben uns umgehört.

Für Tina Schüssler sind Ausgangssperre und Corona-Krise eine „Katastrophe“. Zusammen mit ihrer Band wollte sie eigentlich auf Tournee sein. Tickets, Plakate, Flyer, alles war gedruckt, ein neues Album sollte erscheinen. All das verschiebt die ehemalige Weltmeisterin in drei verschiedenen Kampfsportarten, die mittlerweile als Sängerin auf der Bühne steht, auf den September. „Ich warte ab. Wir müssen zusammenhalten und das gemeinsam stemmen“, erklärt sie.

Tina Schüssler hat mehr Zeit ihren den Sohn

Nicht nur die Musik, sondern auch ihr ehrenamtliches Engagement als Landkreisbotschafterin oder Trainerin an der Uniklinik fällt weg. „Das bedeutet mehr Zeit für meinen Sohn und für Dinge, die man sonst eher vor sich herschiebt“, erklärt Schüssler.

Auch für Waltraut Wellenhofer bedeutet die Corona-Krise einige Veränderungen. Die 85-Jährige aus Straßberg wurde zwar vor einigen Wochen wieder in den Stadtrat Bobingen gewählt und auch ihr Engagement als Vorstand des örtlichen Sportvereins geht weiter, trotzdem verbringt sie ihre Zeit jetzt „ganz reserviert in meinem Haus“. Politisches und ehrenamtliches Engagement passiert über das Telefon. Wellenhofer spricht viel mit Freunden, Verwandten und Kollegen. „Man versucht sich in dieser schweren Zeit so gut es geht beizustehen“, sagt sie. Jeden Tag liest sie die Zeitung von vorne bis hinten durch und freut sich dabei vor allem über Geschichten von Zusammenhalt und Miteinander. „Wir müssen unser Leben ja auch im Wirrwarr der Krise weiterführen“, sagt Wellenhofer.

Cennet Durgun

In Cennet Durguns Alltag dreht sich normalerweise alles um Sport und Bewegung. Sie spielt für den TTC Langweid in der Zweiten Bundesliga Tischtennis und arbeitet als Personal Trainerin und Sportwissenschaftlerin in München. Jetzt versucht sie sich in ihrem Elternhaus in Donauwörth so gut es geht nützlich zu machen, erledigt Besorgungen für ihre Großeltern und hilft bei Renovierungsarbeiten. Zeit für Sport bleibt trotzdem noch. Fast jeden Tag geht sie Joggen. An der Donau entlang und zwischen Feldern zu laufen sei eine „schöne Abwechslung zur Großstadt“.

Hinzu kommen regelmäßige Anrufe in der Türkei. Durguns Verwandtschaft dort ist genauso vom Coronavirus eingeschränkt wie sie, „wenn die Auswirkungen dort nicht noch schlimmer sind“, sagt die Sportlerin.

Karina Ruf hat nicht wirklich mehr Freizeit

Die Ausgangsbeschränkungen bedeuten für Karina Ruf, die neu gewählte Bürgermeisterin von Gablingen, nicht wirklich mehr Freizeit. Zwar hat ihre Arbeitsstelle auf einen Schichtbetrieb umgestellt und sie muss nur jeden zweiten Tag nach Augsburg, an den jetzt freien Tagen bereitet sie sich allerdings auf ihre neue Aufgabe vor. Gespräche mit Bürgermeister Karl Hörmann und Geschäftsleiter Roland Wegner hätten schon stattgefunden. Außerdem „gibt es viel zu lesen“, sagt Ruf. Auch die Frage, wann und wie die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats stattfinden kann, beschäftigt die Gablingerin. Sowohl größere Räumlichkeiten als auch digitale Lösungen seien im Gespräch. Bevor sie eine Entscheidung trifft, will sie die Entwicklungen nach Ostern abwarten.

Johanna Groß

Die Einschränkungen der Corona-Krise bekommen auch Musiklehrer zu spüren. „Für Musiker war die Krise ein grundsätzlicher Schock, plötzlich war der Terminkalender leer“, betont Johanna Groß, Leiterin der Musikschule Stauden in Fischach und Lehrerin an der Sing- und Musikschule Zusmarshausen-Horgau. Beide Schulen haben jetzt auf Online-Unterricht umgestellt – mit positiven Effekten für alle Beteiligten, erklärt Groß.

Die regelmäßigen Termine bringen Abwechslung in den Krisenalltag von Lehrern und Schülern. Vor allem die Kinder würden aktuell vor einem Berg von Aufgaben aus der Regelschule sitzen und könnten sich nicht mit Freunden treffen. Der Termin mit dem Musiklehrer bringe Struktur und sei eine willkommene Ablenkung.

Groß sieht auch positive Entwicklungen, die nach der Krise weiterwirken könnten. Über Aufnahmen, die hin- und hergeschickt werden, erziehe man die Schüler jetzt zu mehr Eigenständigkeit im Instrumentalunterricht. Außerdem bekommen viele Eltern jetzt zum ersten Mal mit, wie der Musikunterricht eigentlich abläuft: „Für uns Lehrer ist das auch eine Chance, unsere Arbeit zu präsentieren. Auf dem Land gibt es nämlich immer noch Menschen, die einen Instrumentallehrer nach seinem Hauptberuf fragen.“

Für Angelika Kienberger hat sich nicht viel geändert

Für Angelika Kienberger, Künstlerin und Bildhauerin mit Atelier in Emersacker, hat sich bisher nicht allzu viel verändert. „Ich kann meiner Arbeit ganz normal nachgehen“, erklärt sie. Was wegfällt, seien natürlich die Treffen mit Freunden am Abend, aber dafür telefoniere ich jetzt mehr. Für ihre Kunst bleibt bisher nicht mehr Zeit. Nebenher arbeitet Kienberger in einem Dentallabor. „Da geht es bisher ganz normal weiter, mal sehen, wie lange noch.“ Ansonsten versucht sie, viel an die frische Luft zu gehen. Aufgefallen ist ihr, dass auch das Leben auf dem Land ruhiger geworden ist. Trotz allem sei das „auch ganz schön“. Außerdem arbeitet auch ihr Mann jetzt von zu Hause. „Ich habe also jemanden, mit dem ich mich austauschen kann“, sagt die Künstlerin.

Carolina Trautner

Auch während der Corona-Zeit im Dienst ist Staatsministerin Carolina Trautner. „Was mich derzeit wirklich beeindruckt, ist der große Zusammenhalt unserer Gesellschaft über alle Generationen hinweg“, sagt die CSU-Politikerin. Ein Herzensanliegen ist ihr die Wertschätzung der sozialen Berufe: „Diese Menschen leisten Großartiges und verdienen bessere Rahmenbedingungen in ihrem Arbeitsalltag sowie eine bessere Bezahlung.“ Persönlich freue sie sich in der Zeit nach der Pandemie darauf, endlich Saxofonunterricht nehmen zu können. Und noch etwas fehlt der Politikerin: gemeinsame Restaurantbesuche mit ihrer Familie.

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