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Adelsried/Landkreisaugsburg

19.02.2018

Das Leben der Rehe hängt vom Zollstock ab

Im Wald nahe der Autobahnkapelle erläuterten (vorne von links) Thomas Miehler vom Forstrevier Biburg I, Hans Fürst (1. Vorsitzender Jägervereinigung Augsburg) und Wolfgang Sailer (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), wie genau die Pflänzchen nach Verbissschäden untersucht werden.
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Im Wald nahe der Autobahnkapelle erläuterten (vorne von links) Thomas Miehler vom Forstrevier Biburg I, Hans Fürst (1. Vorsitzender Jägervereinigung Augsburg) und Wolfgang Sailer (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), wie genau die Pflänzchen nach Verbissschäden untersucht werden.
Bild: Andreas Lode

 Ab März werden die Jungbäume in den Wäldern im Augsburger Land wieder auf Verbissschäden untersucht. Die Ergebnisse dieser Stichproben haben Einfluss auf die Abschussquoten für die Jahre 2019/2020.

Landkreis Augsburg/ Adelsried Mit Zollstock, Maßband und GPS-Gerät im Wald: Ab März bietet sich dieses Bild im Augsburger Land häufiger. Doch die Männer, die so gerüstet durch die Wälder streifen, gehören nicht zu einem Fällkommando. Vielmehr geht es um den Erhalt junger Gewächse. Was es damit auf sich hat, demonstrierten Förster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei einer Auftaktveranstaltung zum „Forstlichen Gutachten zur Waldverjüngung“ im Wald bei Adelsried.

Alle drei Jahre wird gemessen

Dieses Gutachten wird seit dem Jahr 1986 alle drei Jahre für jede der rund 750 Hegegemeinschaften in Bayern erstellt. Im Augsburger Land gibt es zehn davon. Ab Anfang März bis Ende April wird auf systematisch ausgewählten Flächen, auf denen im Wald junge Nadel- und Laubgehölze unter den großen Bäumen nachwachsen, der Zustand der jungen Waldbäume aufgenommen.

Diese Stichprobeninventur soll helfen, die Abschussquoten so zu halten, dass Wildbestand und Baumwachstum in erträglichem Maße gedeihen können. Deshalb werden nun bayernweit im Forst die Daten erhoben, die in dieses Forstliche Gutachten – im Volksmund „Verbissgutachten“ genannt – fließen. „Registriert werden der Verbiss und die Fegeschäden“, erklärte Wolfgang Sailer, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beim Lokaltermin. Fegeschäden entstehen, wenn ein Rehbock den Bast seines neuen Geweihs an Pflanzen abreibt oder sein Revier markiert. Wegen der Körperhöhe des Schalenwilds werden nur Pflanzen von 20 Zentimetern bis zu einem Meter Höhe untersucht. „Es zählen nur die Schäden durch Rehwild, Verbiss durch Hasen und Mäuse wird nicht gewertet.“ Bei höheren Bäumchen wird nach Fegeschäden kontrolliert.

Es gilt: Wald vor Wild

Werden die festgestellten Schäden von den Forstleuten als „zu hoch“ oder „deutlich zu hoch“ eingestuft, werden die Empfehlungen für die Abschusszahlen beim Rehwild nach oben gesetzt. Deswegen ist dieses Gutachten bei Jägern – die viel Wild in ihren Revieren haben möchten – durchaus umstritten. Im Waldgesetz für Bayern gilt jedoch der Grundsatz „Wald vor Wild“.

„Um den Zustand der jungen Gehölze zu untersuchen, wird über die Waldflächen in ganz Bayern ein Gitternetz gelegt, dessen Maschenweite jeweils 1,2 Kilometer beträgt“, erläuterte Thomas Miehler, Revierleiter des Forstreviers Biburg. Jedes dieser Gitter hat einen eigenen „Gitternetzpunkt“. Von dort aus wird die nächstgelegene Verjüngungsfläche gesucht. „Für eine Hegegemeinschaft, die meist aus 20 bis 30 Revieren besteht, braucht man zwischen 30 und 40 solcher Punkte.“ Auf jeder Fläche werden entlang einer Geraden an fünf Stichprobepunkten jeweils 15 Einzelbäumchen untersucht. Die Förster halten bei Waldbäumen fest, ob der Leittrieb verbissen wurde, die Pflanze also krumm weiterwächst, oder ob sich parallel ein Seiten-Ersatztrieb gebildet hat. Weiter trägt der Förster in sein GPS-gesteuertes Laptop ein, ob das obere Drittel der Pflanzen verbissen wurde und um welche Baumart es sich handelt. „Jede Stelle kann im Nachhinein wieder gefunden werden“, so Miehler weiter.

Für jedes einzelne Revier analysiert

Die Daten werden dann von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ausgewertet und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zur Verfügung gestellt, das sie wiederum für jedes Revier einzeln analysiert.

Amtsleiter Wolfgang Sailer betont, die Abschussquote sei lediglich eine Empfehlung an die Jäger. „Wenn wir die Situation als ,nicht tragbar’ bewerten, muss trotzdem nicht unbedingt die Abschussquote erhöht werden.“ Hans Fürst, der Vorsitzende der Jägervereinigung Augsburg forderte: „Die Abschussquote sollte nur angewendet werden, wenn es in einem Revier Probleme zwischen Jagdpächter und Waldbesitzer wegen des Wildbestands gibt.“ Meist einigten sich beide Seiten selbst. 

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