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Kreis Augsburg

22.06.2019

Die kleine Emma hat einen Lebensretter gefunden

Emma verbringt nach der Stammzellspende die nächsten Wochen im Krankenhaus. 
Bild: Simon Vogel

Plus Einen Monat nach der großen Typisierungsaktion in Horgau gibt es einen genetischen Zwilling. Für die Eltern ist die Zeit des Bangens trotzdem noch nicht vorbei.

Die einjährige Emma hat einen Lebensretter: Knapp einen Monat nach der großen Typisierungsaktion in Horgau wurde ein genetischer Zwilling gefunden. In der Nacht auf Donnerstag transplantierten Ärzte gesunde Stammzellen, damit das Mädchen den Kampf gegen den Blutkrebs gewinnt. Trotzdem müssen die Eltern noch bangen.

Emmas Körper muss nämlich die neuen Stammzellen annehmen. Vor der Transplantation bekam sie eine letzte Chemotherapie, um die eigenen Stammzellen komplett zu zerstören. Jetzt wird es einige Zeit dauern, bis die eigene Blutbildung wieder in Gang kommt und das Immunsystem vollständig wiederhergestellt ist. „Wir hoffen sehr, dass Emmas Körper die neuen Stammzellen annimmt und sie nie wieder eine Chemotherapie braucht. In den nächsten ein bis zwei Wochen weiß man wohl auch, ob die neuen Stammzellen bei Emma anwachsen“, sagt der Onkel des Mädchens, Simon Vogel. Er hatte mit anderen Helfern die Spendenaktion im Mai in Horgau organisiert.

Typisierung in Horgau: Die Resonanz war riesig

Wochenlang warb er für die Registrierungsaktion, ließ 10.000 Plakate und Flyer drucken. Alles, um seiner einjährigen Nichte, die mit ihren Eltern Friederike und Björn Druckrey in Berlin lebt, zu helfen. Die Resonanz war riesig. Fast 1000 Menschen kamen in die Rothtalhalle, um sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren zu lassen – darunter auch Prominente wie die Eishockeyprofis Henry Haase und Arvids Rekis. Sie gaben Autogramme. Andere brachten und verkauften Kuchen, schminkten Kinder oder zogen in Star-Wars-Kostümen zur Unterhaltung durch die Halle.

Insgesamt kamen 12.000 Euro an Spenden zusammen. Ein „Charity-Nachmittag“ in Nordendorf erbrachte einen Erlös von 3500 Euro zugunsten der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Die Hauptorganisatorin Mila Heermeier sagte: „Ich freue mich so sehr, sehen und erleben zu dürfen, was Menschen gemeinsam bewegen können.“ Eine Typisierung kostet pro Person 35 Euro. „Für uns zählt jeder Euro“, sagt Brigitte Lehenberger aus Münster. Sie ist ehrenamtliche Unterstützerin der gemeinnützigen Gesellschaft DKMS.

Zeitgleich zu der Aktion in Horgau fanden zwei weitere Typisierungen in Velten bei Berlin und in Braunschweig statt. Insgesamt ließen sich 2152 Menschen registrieren.

Erst in zwei Jahren dürfen die Kontaktdaten ausgetauscht werden

Ob einer der vielen Freiwilligen der genetische Zwilling der kleinen Emma ist? „Das wissen wir nicht“, sagt Simon Vogel. Bekannt ist nur: „Der Spender kommt aus Deutschland. Erst in zwei Jahren dürfen die Kontaktdaten ausgetauscht werden.“ Der Grund für die Sperrfrist: Würden sich Spender und Patient kennen, dann könnten plötzlich persönliche Gründe auftauchen, die gegen eine weitere Spende sprechen. Die kann nötig werden – wenn zum Beispiel nach der ersten Transplantation nicht ausreichend Stammzellen in den Knochenmarkhöhlen des Patienten angewachsen sind.

Eine kritische Zeit, auch für die Eltern der kleinen Emma. „Es ist noch ein weiterer langer Weg für Emma. Aber es ist schön, dass die Hoffnung auf eine vollständige Genesung weitergeht“, sagt Simon Vogel.

Emma erhält sogenannte Immunsuppressiva

Emma bleibt jetzt noch mindestens zwei Monate auf der Isolierungsstation im Krankenhaus. Sie erhält so genannte Immunsuppressiva, damit der eigene Körper die neuen Stammzellen nicht abstößt. In dieser Zeit muss sie komplett von der Außenwelt isoliert werden. Schließlich ist ihre Immunabwehr nicht vorhanden. Jeder weitere Keim oder Erreger könnte alles zunichte machen.“ Aus dem Haus von Emmas Eltern wurden bereits sämtliche Teppiche entfernt, als die Diagnose Leukämie kam. Zuerst fiel der Verdacht der Ärzte auf eine Hirnhautentzündung. Ständig war die kleine Emma erkältet. Als sich dann kleine blaue Pünktchen auf der Haut zeigten, kam das Mädchen sofort ins Krankenhaus. Dann war klar: Sie hat eine schwere Form der akuten Leukämie.

Ähnliche Schicksalsschläge mussten die Eltern von Nele aus Langweid verkraften. Das Mädchen war zehn Jahre alt, als bei ihr erstmals Blutkrebs diagnostiziert wurde. Durch intensive Behandlung konnte sie zunächst geheilt werden. Doch zwei Jahre später kehrte die Erkrankung zurück. Nur noch eine Stammzelltransplantation konnte ihr Leben retten. Das Problem: Weltweit konnte kein passender Spender gefunden werden, obwohl in der Datei der DKMS mehr als 6,4 Millionen Menschen als Stammzellenspender registriert sind.

Fast 1000 Menschen ließen sich vor einem Monat in Horgau in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei aufnehmen. 
Bild: Marcus Merk

Nele hat sich bereits zurückgekämpft

Deshalb planten Freunde der Familie gemeinsam mit der DKMS eine riesige Aktion, um möglichst viele neue potenzielle Stammzellenspender zu finden. Und tatsächlich: Nach langem Warten wurde nach der Aktion ein passender Spender gefunden. Inzwischen hat sich die 15-Jährige ins Leben zurückgekämpft. „Es ist alles super“, sagt Stiefvater Andreas Unger, der das Schicksal von Emma verfolgt. „Natürlich ist man emotional gefangen“, sagt er. Und: „Wir drücken die Daumen, dass mit der kleinen Emma alles klappt.“

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