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Westheim

29.11.2019

Gaby Weihmayer ist die Heavy-Metal-Queen aus Westheim

Auf der Bühne gibt Gaby Weihmayer, hier mit der Band „Darkness Light“ beim Rock & Loc-Festival in Markt Wald, die Rampensau. Privat ist die 51-Jährige eher schüchtern und zurückhaltend.
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Auf der Bühne gibt Gaby Weihmayer, hier mit der Band „Darkness Light“ beim Rock & Loc-Festival in Markt Wald, die Rampensau. Privat ist die 51-Jährige eher schüchtern und zurückhaltend.
Bild: Oliver Reiser

Plus Hausbesuche: Die Rocksängerin aus Westheim hat drei verschiedene Berufe erlernt, zwei große Träume und auch ganz andere Seiten. 

In den letzten Wochen war Gaby Weihmayer intensiv damit beschäftigt, die Homepage des Augsburger Christkindlesmarktes auf Vordermann zu bringen. Unter anderem hat die Grafikerin dabei die Termine eingetragen, an denen die Engel vom Rathausbalkon singen. Auch sie selbst singt. Allerdings keineswegs engelsgleich.

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Heavy Metal in seiner härtesten Form ist die Spezialdiszplin der 51-Jährigen. „Wenn ich anfange zu singen, wird es laut“, lacht die zierliche Frau mit den langen blonden Haaren, dem Nasenpiercing und den Tunnel-Ohrringen. Aggressive Shouting nennt man diese Form des Gesangs, die sie bei der Trash-Metall-Band Red to Grey ausleben kann.

Ursprünglich hat Gaby Weihmayer Fotografin gelernt

Im direkten Kontrast dazu steht ihr Atelier als Grafikerin in einer Mansardenwohnung in einem ruhigen Wohnviertel im Neusässer Ortsteil Westheim, wo sie seit 2012 zuhause ist. Ihr Schreibtisch ist extra klein gehalten, dass sie ihn bei schönem Wetter auf den großen Balkon ins Freie fahren kann. Ursprünglich hat Gaby Weihmayer Fotografin gelernt, später eine Umschulung zur Werbekauffrau gemacht. „Als Fotografin habe ich Hochzeiten und Portraits am Fließband gemacht.Da musst die Menschen motivieren. Aber ich bin kein Mensch, der gut mit Personen umgehen kann“, verrät sie ihre Beweggründe des Berufswechsels. Überhaupt bezeichnet sich die Frontfrau, die bei verschiedenen Bands die Rampensau gibt, als eher schüchtern. „Ich bin kein Small-Talker. Stehempfänge sind für mich die Hölle. Das ist mit zu banal.“

Gaby Weihmayer ist die Heavy-Metal-Queen aus Westheim

Sängerin wollte Gaby Weihmayer eigentlich schon immer werden. Als Kindergartenkind hat sie bei einem Faschingsball am Augsburger Flughafen einen Gesangswettbewerb gewonnen. „Vielleicht in drei, vier, fünf, sechs Jahren wird ein großer Star aus mir“, hat sie damals in bester Schlagermanier einen Hit von Gabriele Clonisch geträllert. Schlager ist ein Genre, dass sie heute tunlichst meidet. „Ich habe einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack, aber Volksschlager geht gar nicht“, sagt die Metal Queen aus Westheim, die sich selbst als „Landei“ bezeichnet.

Ihre erste eigene Wohnung hat sie in Gersthofen bezogen

Geboren in Lechhausen ist sie als Zweijährige mit ihren Eltern nach Holzhausen gezogen. „Dort bin ich mitten in der Natur aufgewachsen, mit Ponys und allem, was dazugehört“, schwärmt sie noch heute von ihrer Jugendzeit, die sie später auch in Neusäß und Aystetten verbracht hat. „Mit Umziehen kenne ich mich aus“, lacht Gaby Weihmayer, die ihre erste eigene Wohnung in Gersthofen bezogen hat. Dort ist ihr vor allem der Fasching in Erinnerung. Mit zwei Freundinnen ist sie sogar bei der Lechana als Stepptänzerin aufgetreten. Später konnte sie während der Faschingszüge ihre Wohnung nicht verlassen, weil alles abgesperrt war.

Aktuell singt sie in vier Bands. Trash Metal bei den in München beheimateten Red to Grey, Coverrock und -metall bei der Augsburger Gruppe „Label Z“ und seit kurzem Melodic-Power-Rock bei „Darkness Light“.
Bild: Marcus Merk

„Willst du Sängerin werden?“, wurde sie auch von ihrer Lehrerin in der Grundschule Gablingen gefragt. Eigentlich ein klares Ja. Doch die dachte dabei an Klassik, Gaby Weihmayer damals schon in eine ganz andere Richtung. Mit 15 Jahren bewarb sie schließlich auf eine Anzeige in der Augsburger Allgemeinen bei der Rockband „Canford“. Das Engagement bei „WAXX“ war der Einstieg in das härtere Genre, bei der progressiven Band „Ians End“ sei es schon fast Death Metal gewesen. Mit „Mad Rose“ erfolgte Gaby Weihmayers Einstieg in den Cover-Rock. Aus dieser Band und „Härte 10“ entstand „Generation X“. Mit dieser Cover-Rock-Band war sie von 1998 bis 2009 unterwegs. Ein Jahrzehnt, in dem sie hauptberuflich Musik machte. „Wir sind 80 mal im Jahr aufgetreten. Bei Motorradtreffen oder Feuerwehrfesten. Mit Wahnsinnsaufwand. Unser gigantisches Equipment war auf einem 22-Tonnen-Sattelschlepper verstaut“, erzählt sie. „Ich war damals noch stärker in der Frauenrolle, habe Stücke von Pink oder Catherina & the Waves gesungen.“

2012 war Gaby Weihmayer auf den Jakobsweg unterwegs

Doch Kleider waren schon immer tabu. „Ich habe welche, aber die habe ich seit 20 Jahren nicht mehr getragen. Da würde ich gar nicht mehr reinpassen“, lacht die Frau, deren Markenzeichen tief sitzende Buggy-Hosen sind, an deren Hosenbund eine dicke Schlüsselkette mit Totenkopf baumelt. Dazu ein schwarzes T-Shirt. Unterhalb des Ärmels lugt ein Tattoo hervor. „Ursprünglich hatte das für mich keine Bedeutung. Das erste habe Tattoo habe ich machen lassen, als mein damaliger Freund den Termin angesagt hat“, Später kam noch mehr dazu – mit Bedeutung. Gaby Weihmayer zieht das Hosenbein nach oben. Auf der Wade ist die Darstellung des Sommers von Alfons Mauch („Weil ich den Frühling und den Sommer liebe.“), ein Rabe („Weil ich ein großer Fan von Edgar Allen Poe bin.“) und eine Jakobsmuschel zu sehen.

2012 war Gaby Weihmayer auf den Jakobsweg unterwegs. Sechseinhalb Wochen auf der Route del Norte, an der Küste entlang, 960 Kilometer allein, bis zum Fin de terre. Mit einem Münchner Ehepaar hat sie viele Abstecher in die Berge gemacht. Die Rocksängerin hat die Ruhe genossen. Allerdings: „Es war ein Rat-Race um die besten Plätze in den Herbergen.“ Das hat ihr gar nicht gefallen. Deshalb hat sie meistens im Zelt übernachtet, das sie in einem 14 Kilo schweren Rucksack mitgeschleppt hat.

Die Musik lässt sie nicht los

Derzeit ist Gaby Weihmayer als selbstständige Grafikerin fest in ihrem Beruf verankert und gut beschäftigt. Doch die Musik lässt sie nicht los. So ist sie am Abend meist in irgendeinem Probenraum anzutreffen. Aktuell singt sie in vier Bands. Trash Metal bei den in München beheimateten Red to Grey, Coverrock und -metall bei der Augsburger Gruppe „Label Z“ und seit kurzem Melodic-Power-Rock bei „Darkness Light“. Ganz neu ist eine Neuauflage des „Rundfunkorchesters“, bei dem sie in deutsch singt. „Das ist halt mein großes Hobby. Andere spielen mit der elektrischen Eisenbahn.“ Der nächste Auftritt steht am 13. Februar bei „Label Z and Friends“ auf dem Programm, am 22. Mai ist sie mit Darkness Light beim diesmal zweitägigen Rock & Loc-Festival in Markt Wald am Start.

Heavy Metal in seiner härtesten Form ist die Spezialdiszplin der 51-Jährigen.
Bild: Oliver Reiser

Auch nach so vielen Jahren im Musikgeschäft gibt es noch Wünsche und Träume. „Ich würde gerne Gitarre spielen können“, sagt Gaby Weihmayer, „doch dazu müsste man regelmäßig üben.“ Ein Traum wäre für die auch eine Nightliner-Tour, wo Band und Crew einige Wochen auf engstem Raum in einem Tourbus leben und schlafen. Ihr kleiner, großer Bruder Roland, der ebenfalls Musiker ist und seit 20 Jahren in Amerika lebt, durfte diese gerade mit der Death-Metall-Band „Cemetry“ erleben.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche":

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