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Landkreis Augsburg

07.01.2021

Große Hilfsbereitschaft im Landkreis Augsburg für Menschen in Not

Ein Beispiel für das Engagement für die Kartei der Not: Die Bayerischen Staatsforsten verkaufte an mehreren Orten im Landkreis Augsburg Weihnachtsbäume. Ein Teil des Erlöses geht an das Leserhilfswerk.
Bild: Marcus Merk (Archivfoto)

Die Kartei der Not hat im Jahr 2020 mehr Spenden bekommen als im Vorjahr. Das Geld wird gebraucht. Vor allem Familien bringt Corona in finanzielle Schieflage.

Ein Schicksal, das bewegt: Bereits mit 58 Jahren erlitt eine Frau aus der Region einen schweren Schlaganfall. Seitdem ist sie linksseitig gelähmt. In ihrer Wohnung im dritten Stock konnte sie nicht mehr bleiben und musste daher nach der Reha ins Altersheim. In dem Seniorenheim war sie aber gar nicht glücklich. Dank des Engagements ihrer Betreuerin fand sie eine Wohnung im Betreuten Wohnen. Dort fehlten allerdings eine Küche und eine Waschmaschine. Die Rentnerin verfügt über so wenig Geld, dass sie sich beides nicht leisten konnte. Die Betreuerin stellte einen Antrag bei der Kartei der Not. Das Leserhilfswerk unserer Zeitung unterstützte die 59-Jährige bei der Ausstattung ihrer Wohnung.

Wie hier hat die Kartei der Not im Jahr 2020 in vielen anderen Fällen schnelle und unbürokratische Unterstützung geleistet – "auch wenn beim Spendenaufkommen der Ausfall zahlreicher Benefizaktionen, die von Besuchern und Teilnehmern leben, spürbar war", wie Geschäftsführer Arnd Hansen berichtet. Im Verbreitungsgebiet der Redaktion Augsburger Land konnten im Jahr 2020 84 Anfragen nach Hilfe unterstützt werden. Insgesamt half die Kartei der Not im nördlichen und westlichen Landkreis Augsburg mit über 60.000 Euro. Oftmals sind es gerade Familien, die finanziell nicht mehr zurande kommen. Die Kartei der Not half 25 Familien mit insgesamt 81 Kindern in dieser Region.

Ab Mitte November nahm Spendenbereitschaft im Kreis Augsburg enorm zu

Die Kartei der Not zählt 1478 Spender aus dem westlichen und nördlichen Landkreis Augsburg, das sind fast 500 mehr als im Vorjahr. Die größte Spende wurde von der Haunstetter-Stahl-Stiftung getätigt sowie von Privatpersonen. Seit Jahren gehört die Haunstetter-Stahl-Stiftung "Familien in Not" zum Leserhilfswerk. Gegründet wurde sie im Jahr 2012 von den Schwestern Hermine Haunstetter und Gertraud Stahl. Der Familie Haunstetter gehörte die gleichnamige Sägenfabrik in Augsburg. Die Stiftung der Familie wird von Reinhold Scheuermeyer und Hans Schwab, die eine gemeinsame Steuerkanzlei in Gersthofen haben, verwaltet.

Die Spender waren im Jahr 2020 im Landkreis Augsburg sehr großzügig, um das Leserhilfswerk, die Kartei der Not, zu unterstützen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Viele Firmen und Menschen waren beim Spenden nach der Einschätzung des Geschäftsführers der Kartei der Not zunächst zurückhaltend, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht. Hansen: "Ganz anders ab Mitte November bis Weihnachten. Unser jährlicher Spendenaufruf per Post und im Journal unserer Zeitung und auch die RT1-Weihnachtsträume haben eine riesige Resonanz ausgelöst. Mit der zweiten Corona-Welle, dem zweiten Lockdown und dem nahen Weihnachten haben wir in der Zeit mehr Spenden bekommen als in den Vorjahren."

Kartei der Not bezuschusst behindertengerechtes Fahrzeug

Aufgrund von Corona haben einige Einrichtungen als Alternative Tagesausflüge angeboten. In 45 Fällen war eine chronische Krankheit oder eine Behinderung zu bewältigen. Hier wurden die Kosten einer tiergestützten Therapie gefördert, Hilfsmittel oder auch nötige neue Brillen beschafft. Bei den Menschen mit Behinderung hat die Kartei der Not Erholungsmaßnahmen sowie ein behindertengerechtes Fahrzeug bezuschusst. Familien erhielten Geld, um z.B. gemeinsam einen Ausflug oder Zoobesuch machen zu können oder Hilfsmittel anzuschaffen.

Der meiste Unterstützungsbedarf drehte sich auch dieses Jahr wieder um das Wohnen. So half die Kartei der Not 36-mal bei den Energie- und Nebenkosten sowie bei der Miete, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind. Oft war auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung oder Einrichtung wie eine Kochmöglichkeit, ein Kühlschrank, Herd oder ein Bett mit Matratze nötig. In einigen Fällen wurde akut der Lebensunterhalt - also Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Babybedarf etc. - unterstützt.

Vier Beratungsstellen mit Notfallhilfen ausgestattet

Vier Beratungsstellen stattete das Leserhilfswerk in der Corona-Krise mit Notfallhilfen für schnelle akute Unterstützungen ihrer Klienten aus. Auch ein Projekt, das bedingt durch die Schließung der Neusässer Tafel entstanden ist, hat das Leserhilfwerk unterstützt.

"Gemeinsam geht's" – so lautet das Motto der Kartei der Not. "Als Leserhilfswerk stehen wir dafür, schnell und unbürokratisch Betroffenen unter die Arme zu greifen", sagt Geschäftsführer Arnd Hansen. "Damit waren wir in diesem Jahr stark gefordert, denn die Corona-Pandemie hat so viele neue tragische Notlagen zur Folge. Glücklicherweise machen viele treue Spender, sowohl privat als auch aus Vereinen, Firmen und Behörden diese Hilfen möglich. Vielen Dank dafür!"

Zuwendungen an die Kartei der Not sind möglich auf das Konto 2030 bei der Stadtsparkasse Augsburg, IBAN DE97 7205 0000 0000 0020 30. Bitte geben Sie auf dem Überweisungsträger Ihre Adresse an, um eine Spendenquittung zur Vorlage beim Finanzamt zu erhalten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kartei der Not: Großzügigkeit in der Krise ist erfreulich

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