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Dinkelscherben/Landkreis

17.07.2018

In einer Woche zur Wasserratte

Florian Maiß und Katharina Gleich von der Wasserwacht betreuen die Kinder der Schulsportschwimmwoche im Waldfreibad Dinkelscherben. Nach fünf Tagen können die Kinder dann sogar tauchen und vom Ein-Meter-Brett springen.
Bild: Marcus Merk

Mehr als die Hälfte der zehnjährigen Kinder kann nicht richtig schwimmen. Die Wasserwacht will etwas dagegen tun.

Sommerzeit ist Schwimmbadzeit. Fast nichts ist schöner, als mit den Freunden Arschbomben vom Drei-Meter-Brett im Freibad zu machen oder auf der Luftmatratze über den Badesee zu kraulen. Doch mittlerweile ist es für viele Kinder und Jugendliche kein großer Spaß mehr, in der Freizeit schwimmen zu gehen. Denn mehr als die Hälfte aller zehnjährigen Jungen und Mädchen sind keine sicheren Schwimmer. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage.

Martin Gschwilm aus Bobingen, Vorsitzender der Wasserwacht im Landkreis Augsburg, beobachtet diese Entwicklung seit vielen Jahren: „Die Kinder können immer schlechter oder auch erst immer später sicher schwimmen.“ Und auch die Unfälle nehmen zu: Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ertranken in Bayern im vergangenen Jahr 86 Menschen. Um etwas dagegen zu tun, haben die Wasserwacht und das Landratsamt Augsburg jetzt die sogenannte Schulsportschwimmwoche organisiert. Fünf Tage lang von Montag bis Freitag, je zwei Stunden pro Einheit, sollen Kinder aus dem Landkreis dabei sicherer schwimmen lernen.

Martin Gschwilm erklärt, was das eigentlich bedeutet: „Wenn Kinder das Schwimmabzeichen in Bronze vorweisen können, dann kann man davon ausgehen, dass sie sich gefahrlos im Wasser aufhalten können.“ Im Laufe der Woche werden die Kinder in den Bädern in Dinkelscherben und Bobingen – dort findet dieses Jahr die Schulsportschwimmwoche statt – eben dieses Abzeichen ablegen.

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Viele Familien gehen nicht mehr ins Schwimmbad

Dazu müssen sie 200 Meter schwimmen, etwa zwei Meter tief tauchen, einen Gegenstand an die Oberfläche holen und aus einem Meter Höhe ins Schwimmbecken springen. „Immer weniger Kinder sind dazu in der Lage. Das hat viele Gründe“, erklärt Gschwilm. Als Ursachen vermutet er: Immer mehr Bäder müssten schließen. Außerdem gingen Familien nicht mehr so oft zum Schwimmen, da die Eintrittspreise für Familien immer teurer würden. „Viele Kinder haben zudem einen Migrationshintergrund und haben deshalb Probleme beim Schwimmen.“

Zusammen mit seinen ehrenamtlichen Kollegen von der Kreis-Wasserwacht will Martin Gschwilm den Kindern helfen. „Wir zeigen ihnen, wie sie das Schwimmen an sich verbessern können. Genauso wichtig sind aber auch theoretische Grundlagen.“ Die Kinder müssten zum Beispiel lernen, wie sie richtig einen Notruf absetzen und wie sie anderen und sich selbst in einer gefährlichen Situation helfen könnten.

Ungefähr 500 Schüler zwischen zehn und zwölf Jahren nehmen an der Schulsportschwimmwoche teil. Vom Nichtschwimmer bis zum Vereinsschwimmer sind alle Kinder vertreten. „Das Tolle ist, dass wir uns gut auf die Kinder verteilen können, weil wir so viele Betreuer sind.“ Und die Kinder schließen die Woche mit einem Erfolgserlebnis ab: dem Schwimmabzeichen in Bronze, das deutschlandweit anerkannt ist.

Schwimmenlernen innerhalb einer Woche ist effektiver als normaler Unterricht

Die Vorteile der Schulsportschwimmwoche sieht auch Anton Schmid aus Gessertshausen. Er hatte 2017 bereits die sogenannte Schwimminitiative als Vorsitzender der Initiative des Bayerischen Aktionsbündnisses für Schulsport organisiert. Im vergangenen Jahr gab es einen Modellversuch von schwäbischen Grund- und Realschulen. Die Kinder sollten in einer Woche ihre Schwimmfertigkeiten verbessern. Der Versuch hatte zur Folge, dass das Kultusministerium ein Schreiben an alle Schulen richtete und den Schwerpunkt Schwimmen wieder hervorhob.

Anton Schmids Idee hinter der Aktion war: „Schwimmen kompakt in einer Woche zu lernen ist viel effektiver als normaler Unterricht.“ Man könne dann mit mehreren Lehrern oder Betreuern gleichzeitig mit den Kindern im Becken arbeiten. So hätten auch die Nichtschwimmer die Möglichkeit, in der Schule schwimmen zu lernen. „Denn ein Lehrer mit 25 Schülern kann sich um die Anfänger doch gar nicht richtig kümmern. Im normalen Schwimmunterricht bewirkt er doch nichts.“

Die Schulsportschwimmwoche ist für Anton Schmid eine tolle Aktion. „In einer Woche am Stück lernt man einfach mehr.“ Und auch der Zeitpunkt ist für den ehemaliger Lehrer ideal: „Denn aus meiner Zeit an der Schule weiß ich ganz genau: In den letzten zwei Schulwochen leidet der Unterricht nicht, wenn die Kinder eine Woche lang für ein paar Stunden im Freibad das Schwimmen üben.“

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