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Gersthofen

18.08.2020

Islamfeindliches Posting: Stadträte fordern Konsequenzen für Dempf

Bei der konstituierenden Sitzung  des Gersthofer Stadtrats im Mai wurde Reinhold Dempf als Zweiter Bürgermeister vereidigt.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Kirchenvertreter und Stadtspitze in Gersthofen distanzieren sich vom islamfeindlichen Facebooklink des Vize-Bürgermeisters Reinhold Dempf. In sozialen Medien wird kontrovers diskutiert. 

Gespalten sind die Meinungen über einen islamfeindlichen Post, den Gersthofens Zweiter Bürgermeister Reinhold Dempf (FW) auf seinem Facebook Seite geliked und verlinkt hatte. Dadurch wurde ermöglicht dass der Link weiterverbreite wurde. So wurde von einem User ein Screenshot von Dempfs Eintrag in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Du bist Gersthofer, wenn …“ gepostet. In dem Links standen Wahlkampfparolen von Republikanern und AfD.

Der betreffende Spruch „Wir lassen die Kirche im Dorf und die Moschee in Istanbul“ wird auch von islamfeindlichen Gruppierungen verwendet. Dempf hat den Spruch inzwischen gelöscht und spricht von einem Fehler. So sieht es auch Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle: „Ich habe ihm bereits am Sonntag gesagt, dass ich es falsch finde – es war ein Fehler, den er bereut.“ Daraufhin habe Dempf den Post entfernt. „Weil ich weiß, dass er anders denkt, ist das für mich erledigt“, betont Wörle. „Der Inhalt ist zu verabscheuen, aber dass ein Reinhold Dempf zu schnell geklickt hat, sollte man nicht überbewerten.“ Auch in der Facebook-Gruppe ist der Screenshot nicht mehr zu finden.

Pfarrer bezeichnet islamfeindlichen Post Dempfs als „unsäglichen Ausrutscher“

Einen „unsäglichen und unglücklichen Ausrutscher“ sieht hingegen Pfarrer Thomas Groll. Der Hirblinger Seelsorger vertritt derzeit den erkrankten Stadtpfarrer Ralf Gössl. „Wir treten dafür ein, dass es Kirchen in der Türkei gibt und auch für Moscheen in Deutschland.“ Er macht aber deutlich: „Als Christ muss man auch vergeben können.“ Grolls evangelische Kollegin Anna Barth findet: „Von der Aussage kann man sich nur distanzieren – es ist keine Aussage christlichen Lebens in Gersthofen.“ Ein Urteil über den Menschen Dempf maße sie sich aber nicht an. Laut Anna Barth ist das Leben in Gersthofen durch „ein natürliches Miteinander von Christen und Muslimen geprägt“. Das zeige sich schon an der Zusammenarbeit der Religionslehrer. „Wir hatten schon eine interreligiöse Schulabschlussfeier geplant, doch diese wurde durch Corona vereitelt.“ Bei der Türkisch-Islamischen Gemeinde Gersthofen war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Manche User sehen Meinungsfreiheit in Gersthofen gefährdet

In den sozialen Netzwerken wird Dempfs Post harsch kritisiert, es gibt aber auch Verteidiger.

Ein Facebook-User findet es „in seinem solchen Amt wirklich absolut unangebracht und schwer zu entschuldigen“. Für einen zweiten Bürgermeister sei dies ein No-Go, findet ein anderer. Eine Userin steht „zu 100 Prozent hinter Reinhold Dempf, und ich denke, wir haben Meinungsfreiheit?“.

Die Stadträte der Bewegung Zukunft, Max Lenz und Markus Brem, haben inzwischen die Gersthofer Amtsleitung aufgefordert, sich öffentlich von den betreffenden Inhalten zu distanzieren. Weiter wollen sie wissen, ob und welche Konsequenzen es für Dempf aufgrund seiner Äußerungen geben werde. „Eine Entschuldigung kann nur der erste Schritt sein“, so Brem und Lenz.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Islamfeindlichen Spruch gepostet

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