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Politik

17.02.2020

Neusäß soll in die Höhe wachsen

„Mitten im Schönen“ – so lautet das Motto der Stadt Neusäß – soll sich in den kommenden Jahren so einiges verändern.
Bild: Marcus Merk

Beim Unternehmergespräch reden Landrat Martin Sailer und der Neusässer Bürgermeister Richard Greiner mit örtlichen Firmeninhabern. Diese haben drängende Fragen

Im Foyer der Neusässer Stadthalle sitzen Vertreter von mehr als 30 lokalen Unternehmen. Sie haben die Chance, direkt mit dem Neusässer Bürgermeister Richard Greiner und Landrat Martin Sailer (beide CSU) Probleme und Zukunftsvisionen für die Gewerbegebiete in Neusäß zu diskutieren.

Drei- bis viermal veranstaltet der Landrat jedes Jahr Gemeindebesuche. Diese haben stets ein festes Programm: Zuerst findet eine Bürgersprechstunde statt, dann trifft sich Sailer mit dem Bürgermeister und Vertretern des Stadt- oder Gemeinderats. Darauf folgt ein Gespräch mit den örtlichen Vereinsvorständen. Den Abschluss des Besuchs bildet ein Treffen mit lokalen Unternehmern.

Dieses Treffen sei für ihn sehr wichtig, erzählt der Landrat. Denn: „Die Region Augsburg ist eine absolute Boomregion. Es gibt einen riesigen Zuwachs“, sagt der Landrat. Doch das führe auch zu vielen neuen Kosten: So stehe für die nahe Zukunft beispielsweise die Generalsanierung des Neusässer Gymnasiums für etwa 25 Millionen Euro und Investitionen in das Berufsschulzentrum an. „Deshalb sind die regionalen Unternehmen so wichtig, denn dieses Geld muss erst erwirtschaftet werden“, erklärt Sailer.

Neusäß soll in die Höhe wachsen

Doch der Landkreis ziehe nicht nur immer mehr Menschen an, auch Unternehmen wollen zunehmend Standorte ins Augsburger Umland verlegen. „Die Region um München ist vollkommen überlastet, daher wollen sich immer mehr Firmen hier ansiedeln. Wir können uns vor Standortanfragen gar nicht mehr retten“, sagt Sailer.

Es sei zwar wichtig gewesen, dass in der Vergangenheit auch große Unternehmen wie BMW oder Amazon nach Augsburg gekommen sind, denn dadurch habe der Landkreis deutschlandweite Aufmerksamkeit erreicht. Inzwischen aber prosperiere die Region so sehr, dass es nicht mehr notwendig sei, jede Anfrage von Unternehmen anzunehmen, sagt Bürgermeister Greiner. „Wir haben in Neusäß im Moment fast eine Vollbeschäftigung. Dadurch sind wir in der luxuriösen Situation, dass wir nicht mehr jede Gewerbeansiedlung von außen benötigen.“

Einen großen Teil des Gesprächs des Landrats und des Bürgermeisters mit den Unternehmern machte die Diskussion über die Zukunft des Neusässer Stadtzentrums aus. „Die Architektur mit den Flachhallen dort ist definitiv veraltet“, sagt Bürgermeister Greiner. Die Zukunft sei hier mit Sicherheit der Geschossbau, bekräftigt Landrat Sailer: So könne man den wachsenden Bevölkerungszahlen gerecht werden und gleichzeitig flächensparend bauen.

Für die Zukunft des Neusässer Stadtzentrums gibt es auch sonst viele Visionen: Da es in der Nähe der Uniklinik liegt, könne es zu einem „Gesundheitszentrum“ werden, sagt Greiner. Es sollen mehr Start-ups und medizinaffine Betriebe in die Stadtmitte kommen, allgemein sollen dort mehr Dienstleistungsbetriebe als produzierendes Gewerbe angesiedelt werden.

Damit wird sich das Publikum im Zentrum verändern: „Wir müssen deshalb auch neue Aufenthaltsräume und ansprechende Plätze schaffen. Da sind neue städtebauliche Lösungen gefragt, das ist auch bereits in Bearbeitung“, sagt Greiner. Lange wird außerdem über die Situation auf den Straßen in und um Neusäß diskutiert. Die Straße zum Gewerbegebiet Neusäß Nord sei so beispielsweise komplett überlastet und durch eine zu hohe Höchstgeschwindigkeit sehr gefährlich, berichtet die Vertreterin der Firma Thaler. „Die Situation dort ist vollkommen wild, viele fahren zu schnell, und immer wieder kommt es auch zu Unfällen mit unseren Lastwagen.“ Im Saal herrscht dazu vollkommene Übereinstimmung: Eine Herabsetzung des Tempolimits würde zu einer Entspannung der Lage führen.

Insgesamt äußern mehrere der Unternehmer Bedenken, wie die Infrastruktur in Neusäß den angekündigten Zuwachs aushalten kann: „Wenn ich jetzt schon um 18 Uhr nicht mehr aus der Täfertinger Straße herauskomme, dann kann man ja nicht über noch mehr Wirtschaftsbetriebe hier in Neusäß reden“, merkt einer der Unternehmer an. Landrat Sailer stimmt zu, sagt jedoch: „Wir sind eine Zuzugregion, ob wir es wollen oder nicht.“ Daher sei es wichtig, in naher Zukunft auch über Umgehungsstraßen, Alternativen für den Individualverkehr wie das Radfahren oder den öffentlichen Nahverkehr und neue Parkmöglichkeiten nachzudenken. In dieser Hinsicht fordern viele der Unternehmer vor allem eines: Parkhäuser. Diese wären ihrer Ansicht nach flächenschonend und würden die Straßen deutlich entlasten.

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