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Landkreis Augsburg

23.06.2020

"Night of Light": Alarmstufe Rot für Veranstalter im Kreis Augsburg

Zahlreiche Gebäude in ganz Deutschland sind in der Nacht zum Montag rot angestrahlt worden.
Bild: Marcus Merk

Plus Veranstaltungen dürfen wegen Corona kaum stattfinden. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, protestieren Künstler und Veranstalter, indem sie Gebäude rot bestrahlen.

Maria Böhme hat die Kirche Herz Mariä in Diedorf in rotes Licht getaucht. In Bayern sind Großveranstaltungen noch mindestens bis zum 31. August verboten. Ihrer Firma Böhme Eventmarketing aus Diedorf ist damit die Geschäftsgrundlage entzogen worden. „Wir haben in unserer Firma massiv Kosten reduziert. Jeder Tropfen bringt etwas“, sagt sie. Sie freut sich über die Solidarität, die ihr gezeigt im Anschluss an ihre Protestaktion gezeigt wurde: „Ein echter Gänsehautmoment. Das Thema hat uns echt unter den Fingern gebrannt“, sagt sie.

In der Nacht auf Dienstag wurden zahlreiche Gebäude im ganzen Landkreis rot angestrahlt. Teil einer bundesweiten Aktion. Die Veranstaltungsbranche will damit unter dem Titel „Night of Light“ auf ihre kritische Situation wegen der Corona-Krise aufmerksam machen. Monatelang war es in ganz Deutschland verboten, Veranstaltungen abzuhalten. Da Böhmes Unternehmen relativ klein sei, seien die Kosten relativ niedrig gewesen. Zwar seien Veranstaltungen im begrenzten Umfang wieder möglich, aber weil nur wenige Gäste erlaubt sind und die Bedingungen sehr streng sind, sei es schwer, diese gewinnbringend zu organisieren.„Unser Hauptgeschäft sind Messen. Die finden zwar wieder statt, aber fast jeder zweite Aussteller ist abgesprungen“, sagt Böhme.

Zahlreiche Gebäude in ganz Deutschland sind in der Nacht zum Montag rot angestrahlt worden.
Bild: Marcus Merk

Night of Light: Stadthalle Gersthofen, Bismarckturm und Kirchen leuchten

Philipp Wenger von Go-Event in Neusäß hat versucht, sich mit der neuen Situation zu arrangieren, indem er digitale Events organisiert. Trotzdem beteiligte er sich an der „Night of Light“ und beleuchtete das Mazda-Museum in Augsburg und sein Firmengebäude in Neusäß. Diese können zwar seine Verluste nicht wettmachen, aber würden gut angenommen: „Man kann einfach Erlebnisse bieten, die analog nicht gehen. Etwa den Chef aus den USA zuschalten oder die Powerpoint per Greenscreen zeigen“, sagt er. Allerdings gehe auch viel verloren: „Gespräche zwischen Tür und Angel und das Bier nach der Veranstaltung.“ Dafür könne das Digitale keinen Ersatz bieten.

Marcel Schneider aus Gersthofen hat Glück gehabt. Hauptberuflich ist er Elektriker und macht an den Wochenenden Veranstaltungstechnik. Fast hätte er sich kurz vor Corona komplett selbstständig gemacht. Er verdient mit seinem Nebenerwerb momentan kein Geld und hat keine Angestellten. Trotzdem wurde er hart getroffen: „Ich habe Verluste im mittleren fünfstelligen Bereich“, sagt er. Er beleuchtete in Neuburg das Schloss und das Rathaus mit. „Wenn das so weitergeht, wird es gerade für kleine Firmen düster“, sagt er. Es sei ihm unverständlich, dass die Branche keine Beachtung finde. „Uns fehlt einfach die Lobby“, sagt er.

Zahlreiche Gebäude in ganz Deutschland sind in der Nacht zum Montag rot angestrahlt worden.
Bild: Marcus Merk

Stadt Gersthofen beleuchtet Ballonmuseum, Musikschule und Stadthalle

Das Kulturamt in Gersthofen beleuchtete das Ballonmuseum, die Musikschule, die Stadthalle und das Kulturamt selbst. „Wir hängen da auch mit drin“, sagt Leiter Uwe Wagner. Er habe Veranstaltungen in der Stadthalle teilweise bereits mehrmals verschieben müssen: „Irgendwann ist die Geduld der Leute aufgebraucht“, befürchtet er.

Auch Künstler selber leiden unter Corona. So auch Tina Schüssler: „Ich musste eine ganze Europa-Tour mit 44 Konzerten absagen, die waren meine Haupteinnahmequelle“, sagt sie. Auch sie beleuchtete zusammen mit einem Veranstaltungstechniker aus Diedorf mehrere Gebäude an der B300. Ihr gehe es dabei vor allem um Bandkollegen, Musiker und Veranstaltungstechniker, die von ihrer Musik abhängig seien. Sie befürchtet dauerhafte Folgen: „Viele Künstler werden einfach verschwinden, und wir werden nichts mehr von ihnen hören“, sagt sie.

Zahlreiche Gebäude in ganz Deutschland sind in der Nacht zum Montag rot angestrahlt worden.
Bild: Marcus Merk

Protest: Veranstaltungsbranche will mehr Planungssicherheit

Ihre Situationen sind unterschiedlich, aber die Forderungen der Akteure sind die gleichen: „ Es wäre schön, eine Planungsbasis zu haben, wann bestimmte Lockerungen zu erwarten sind“, sagt Svenja Böhme. „Wir brauchen Vorlaufzeit, um Veranstaltungen zu bewerben und Karten zu verkaufen. Das heißt, wir brauchen Planungssicherheit“, sagt auch Philipp Wenger. Notfalls könne man die Pläne ja dem Infektionsgeschehen anpassen. Es handle sich um eine Milliardenbranche mit Hunderttausenden an Arbeitsplätzen. Das gehe in der Diskussion häufig verloren. Auch Tina Schüssler wünscht sich Klarheit: „Wir müssen wissen, wie es weitergehen kann“.

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