1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Politik zwingt den AVV-Chef zum Ausstieg

Kreis Augsburg

11.07.2019

Politik zwingt den AVV-Chef zum Ausstieg

Der AVV-Chef Olaf Hoerrschmann muss gehen. Sein Vertrag wird nicht verlängert.
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Plus Die Vertragsverlängerung für Olaf von Hoerschelmann schien lange sicher. Doch die Kreisräte aus dem Augsburger Land verhindern das. Was dahinter steckt.

Endstation für AVV-Chef Olaf von Hoerschelmann: Der Vertrag des Managers wird nicht verlängert und läuft Ende September kommenden Jahres aus. Das hat der Augsburger Landrat Martin Sailer (CSU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbundes ist, von Hoerschelmann am Dienstag schriftlich mitgeteilt.

Am Vortag hatte sich im Kreisausschuss, dem wichtigsten Gremium des Kreistages für den Landkreis Augsburg, eine deutliche Mehrheit gegen eine Vertragsverlängerung ausgesprochen. Nur die Vertreterin der Grünen votierte nach Informationen unserer Zeitung für eine Fortsetzung der seit knapp zehn Jahren bestehenden Zusammenarbeit.

Der AVV plant und wickelt den Öffentlichen Nahverkehr in der Region ab und befördert werktags rund 77000 Fahrgäste. Getragen wird der 1985 gegründete Verbund von der Stadt Augsburg sowie den Landkreisen Aichach-Friedberg, Dillingen und Augsburg. Für die Verlängerung des Geschäftsführervertrags müssen die Gremien aller vier Kommunen zustimmen – das Nein dieses einen Kreisausschusses bedeutet damit bereits das Aus.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Stadt Augsburg zeigt sich überrascht

Die Partner reagierten überrascht. Der Augsburger Stadtrat nämlich hatte einer Vertragsverlängerung bereits einmütig zugestimmt. Auf Anfrage unserer Zeitung betonte das Rathaus: „Seitens der Stadt Augsburg besteht keine Unzufriedenheit mit dem Agieren von Herrn von Hoerschelmann.“ Auch in Aichach-Friedberg hatte von Hoerschelmann gute Karten, wie Landrat Klaus Metzger sagt: „Die Nachricht kam für alle anderen Gesellschafter durchaus überraschend. Was ein Votum des zuständigen Gremiums im Landkreis Aichach-Friedberg betrifft, kann ich natürlich nur mutmaßen, wäre aber schon davon ausgegangen, dass der Vertrag mit klarer Mehrheit verlängert wird.“

Tatsächlich hatten lange alle Anzeichen für eine Weiterbeschäftigung gesprochen. Noch im März hatte des Aufsichtsrat des AVV, der mit zwölf Kommunalpolitikern der beteiligten Kommunen besetzt ist, einstimmig die Verlängerung empfohlen. Der Vorsitzende Sailer fehlte bei dieser Sitzung.

AVV-Chef steht seit langem unter massiver Kritik

Bei ihm im Augsburger Kreistag hatte es schon länger massive Kritik an der Arbeit des AVV-Chefs gegeben. Vorgetragen wurde sie vor allem von Freien Wählern, SPD und FDP. Kernpunkt: Der Landkreis müsse immer mehr Geld in den AVV pumpen, um dessen Defizite auszugleichen. Die Fahrgastzahlen aber bewegten sich nicht nach oben. Rund 20 Millionen Euro müssen die beteiligten Kommunen derzeit im Jahr zuschießen.

Schon bei den Debatten über die Tarifreform hatten die Landkreispolitiker vor mehr als einem Jahr ihrem Unmut Luft gemacht. Als von Hoerschelmann nun kurz vor den Pfingstferien im Kreisausschuss wegen eines neuen Vertrages vorsprechen musste, war schnell klar, dass es eng für ihn werden würde.

Am Montag senkte eine „Koalition“ aus CSU, SPD, FW und FDP nun endgültig den Daumen. Was im Detail in der nicht öffentlichen Sitzung gesprochen wurde, wollte Landrat Sailer nicht verraten. Von Hoerschelmann habe unzweifelhaft auch seine Verdienste und man wolle noch eineinhalb Jahre gut zusammenarbeiten. Im übrigen „ist es in der freien Wirtschaft ein ganz normaler Vorgang, dass Zeitverträge nicht verlängert werden.“

Nahverkehr im Augsburger Landt steht vor Herausforderungen

Sailer machte aber auch deutlich, dass der Nahverkehr in seinen Augen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen steht. „Es geht um die Frage, wie wollen und können wir Mobilität verändern.“ Der Landkreis Augsburg lässt derzeit unter großem Aufwand Gutachten und Konzepte erstellen. Sie sollen zeigen, wie sich Bus, Bahn und Rad zu einem funktionierenden System und einer echten Alternative zum Auto zusammenfügen lassen. Dabei müsse der AVV eine wichtige Rolle spielen und Impulse setzen, so Sailers Anforderungsprofil an den neuen AVV-Chef.

Von Hoerschelmann selbst versteht die Kritik an seiner Arbeit nicht, wie er gegenüber unserer Zeitung verdeutlichte. Die Kreisräte hätten kaum Nachfragen und kritische Anmerkungen gehabt, er sei deshalb „erstaunt“ über ihre Entscheidung.

Alle Konzepte und Strategien der vergangenen Jahre seien einstimmig von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des AVV beschlossen worden und hätten in den einzelnen Gremien der Gesellschaft eine breite Mehrheit gefunden.

Tarifreform führt nicht zu mehr Einnahmen

Die Tarifreform verteidigte er als „vollen Erfolg.“ Das belegten die Zahlen aus den Jahren 2017 und 2018. So zeige eine Vertriebsanalyse „eine überaus positive Fahrgastentwicklung mit steigenden Verkaufszahlen“. In der Kasse des Verkehrsverbundes wirkt sich das aber nicht aus. Die Tarifreform mit höheren Einzelfahrpreisen und günstigeren Abos habe zu den erwarteten Einnahmeausfällen geführt, so von Hoerschelmann. Zudem gibt es Fahrgasterhebungen aus den Jahren 2009 und 2016, die einen Rückgang ausweisen. Das war aber vor Einführung der Tarifreform. Zudem seien beide Untersuchungen methodische unterschiedlich und deshalb nur bedingt vergleichbar, so der Geschäftsführer.

Die tatsächliche Fahrgastentwicklung lässt sich einen Worten zufolge derzeit nicht messen. Das werde erst Ende kommenden Jahres der Fall sein, wenn alle Fahrzeuge im Regionalverkehr mit automatischen Zählgeräten ausgestattet seien. Olaf von Hoerschelmann wird bis dahin voraussichtlich nicht mehr im Amt sein. Seine Nachfolge solle „im gemeinsamen Einverständnis der Gesellschafter“ geregelt werden, heißt es von Seiten der Stadt Augsburg. (mit cli und skro)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Christoph Frey: Abschied von AVV-Chef ist ein ungewöhnlicher Alleingang.

Mehr Hintergründe über die Personal-Diskussion beim AVV finden Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren