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Landkreis Augsburg

09.06.2020

Rassismus im Sport: "Man spürt, dass man anders angeschaut wird"

Der Basketballer Dominik Veney von der BG Topstar Leitershofen/Stadtbergen kann die Proteste in den USA gut nachvollziehen. Auch er hat schon Rassismus erlebt.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Der Tod von George Floyd hat nicht nur in den USA Proteste gegen Rassismus ausgelöst. Auch im Augsburger Land finden schwarze Sportler deutliche Worte.

Tausende Demonstranten waren am Samstag vor der Erhard-Wunderlich-Sporthalle in Augsburg zusammengekommen, um nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd ein Zeichen gegen weltweiten Rassismus zu setzen. 300 Personen waren angemeldet, 3000 Menschen sind gekommen. Demonstrationen hat es auch in vielen anderen Städten Deutschlands gegeben. Und auch in den USA gehen die Proteste unvermindert weiter. Der Basketballer Dominik Veney von der BG Topstar Leitershofen/ Stadtbergen kann die Proteste gut nachvollziehen.

„Es ist super, dass jetzt jedes Land dem Rassismus die Faust zeigt“, sagt der Sportler der Kangaroos. Der 32-Jährige weiß, wovon er spricht. Sein Vater ist schwarzer Amerikaner, die Mutter Deutsche. Zwar habe er persönlich nur ganz selten Beleidigungen oder Angriffe aufgrund seiner dunklen Hautfarbe erlebt, aber er kennt das Gefühl. „Man spürt, dass man anders angeschaut wird – auch wenn niemand mit dem Finger auf einen zeigt“, sagt er. Das Gefühl, „anders zu sein“, sei unterschwellig vorhanden.

Rund 3000 Augsburger haben am Samstag des getöteten Afroamerikaners George Floyd gedacht und vor der Erhard-Wunderlich-Sporthalle gegen Rassismus demonstriert.
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3000 Augsburger gedenken George Floyd bei "Silent Protest"
Bild: Peter Fastl/Bernd Hohlen

Rassismus: Basketballer Dominik Veney wurde im Urlaub kritisch beäugt

Ganz konkret spricht Veney ein Auswärtsspiel der Kangaroos in Treuchtlingen an. „Wir hatten noch einen weiteren afroamerikanischen Spieler in unserer Mannschaft“, sagt er und erinnert sich, wie die gegnerischen Fans immer wieder mit „Affengeräuschen“ die Spielzüge kommentiert hätten. Dieses unsportliche und diskriminierende Verhalten sei aber glücklicherweise nur ein Einzelfall. „Augsburg ist ja eher multikulti.“ Anders sei es jedoch in südlichen Ländern.

Rassismus im Sport: "Man spürt, dass man anders angeschaut wird"

Veney und seine Familie fahren gerne in den Urlaub nach Italien. „Dort werden dunkelhäutige Menschen oft wie Dreck behandelt“, sagt er. Afrikaner würden oft nur einen Job als Strandverkäufer bekommen oder müssten als Bettler ums Überleben kämpfen. Einen Urlaub auf dem Campingplatz hätten er und seine Familie sogar einmal früher abgebrochen. Das Gefühl, permanent kritisch und misstrauisch beäugt zu werden, sei irgendwann nicht mehr zu ertragen gewesen.

Tod von George Floyd: Kritik an der Politik von Donald Trump

„Die Proteste in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt machen mich stolz“, so Veney. Die Diskrepanz zwischen dem „Anhimmeln“ schwarzer Sport-Ikonen wie etwa Michael Jordan auf der einen Seite und dem gewaltsamen Tod von George Floyd auf der anderen Seite sei für ihr absolut surreal. Kritisch sieht Veney vor allem auch die Politik von Donald Trump: „Er schert sich nicht um das normale Volk.“ Viele seiner amerikanischen Freunde würden sagen, dass Trumps Präsidentschaft das „Schlimmste sei, was passieren konnte“. Für Veney ist das extreme Wählerverhalten der Amerikaner nicht nachvollziehbar. „Da wird zunächst mit Obama ein schwarzer Präsident gewählt, und direkt darauf folgt dann jemand wie Trump – da stimmt doch irgendwas nicht.“

Sarah Müller wurde in Libreville in Gabun geboren und von einer Familie aus Lagerlechfeld adoptiert.
Bild: Reinhold Radloff (Archiv)

Sarah Müller wurde in Libreville in Gabun geboren und wurde von einer Familie aus Lagerlechfeld adoptiert. Sie spielt für den FC Ingolstadt Fußball in der Bayern-Liga. Auch sie wurde bereits mit rassistischen Sprüchen konfrontiert: „Wenn es dunkel war, wurde mir etwa schon gesagt, dass ich meine Zähne zeigen soll, damit man mich sieht“, erinnert sich die Mittelfeldspielerin. Wenn solche Sprüche gehäuft passierten, würde sie das auch stören.

Die Ereignisse in den USA stimmen Fußballerin Sarah Müller traurig

Bis jetzt sei sie aber weitgehend von Rassismus verschont geblieben. Das sei alles andere als selbstverständlich: „Da habe ich echt Glück gehabt“, findet sie. Auch die Fans hätten sie immer positiv aufgenommen. Über die Ereignisse in den USA ist sie traurig: „Aber es ist gut, dass Leute was dagegen sagen und sich Rassismus nicht länger gefallen lassen“, findet sie. Es freue sie, dass international an George Floyd gedacht werde. Diese gesellschaftliche Debatte sei längst überfällig gewesen. „Hoffentlich gerät sie nicht wieder in Vergessenheit.“

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