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Diedorf

21.11.2020

Seit 50 Jahren fahren Busse der Biburger Firma Nussbaum um die Welt

Seit 50 Jahren ist das Busunternehmen Nussbaum in Biburg in Familienhand. Das Bild zeigt von links Markus, Maria, Franz und Katja Fleiner.
Bild: Marcus Merk

Plus Nussbaum Reisen aus Biburg ist ein echtes Familienunternehmen. Warum die Familie Fleiner trotz des schwierigen Corona-Jahres Grund zum Feiern sieht.

Es ist ein Jubiläum: Seit 1970 gibt es im Diedorfer Ortsteil Biburg das Omnibusunternehmen Nussbaum direkt an der Hauptstraße. Maria Fleiner und ihr Sohn Markus, der inzwischen Juniorchef bei Nussbaum Reisen ist, bedauern, dass das 50-jährige Bestehen aufgrund der Corona-Krise nicht würdig gefeiert werden kann. Dennoch blicken sie positiv auf ihre lange Firmengeschichte zurück und haben viel zu erzählen aus der langen Geschichte.

Nussbaum Reisen: Firmengeschichte hat in Steppach angefangen

"Alles hat damit angefangen, dass die Schule von Biburg nach Steppach verlegt wurde“, erinnert sich die Seniorchefin. Denn früher ging man in Biburg bis zur 8. Klasse in die Schule. Auch Maria Fleiner besuchte diese einst. "Es musste also ein Bus her, um die Kinder nach Steppach und Stadtbergen in die Schulen zu fahren. Da beschloss mein Vater Lorenz Nussbaum, der damals, vor der Eingemeindung, noch Bürgermeister war, einen Bus zu kaufen.“ Nussbaum und sein Vater Johann hatten ein Fuhrunternehmen für Langholz und Gütertransport. "Wir waren schon immer ein fahrendes Volk“, lacht Fleiner. Kaum gab es diesen Bus, gab es die ersten Vereinsausflüge. 1978 heiratete Maria Nussbaum ihren Mann Franz Fleiner und es erschien der erste Reisekatalog. Früher waren die Busse blau und weiß, ab 1983 mit dem ersten Hochdecker-Bus, ein Setra S 215 HD blau und silber und seit 1990 gibt es das Design in Schwarz und Pink, wie man es bis heute kennt.

Nussbaum Reisen ist ein Familienbetrieb aus Diedorf

Das Busunternehmen ist ein echter Familienbetrieb, in dem alle Generationen mit anpacken und zusammenhalten. Beide Kinder der Fleiners, Markus und Katja, sind mit an Bord. Vater und Sohn haben, wie schon Lorenz Nussbaum, natürlich den Busführerschein. Dazu haben sie noch acht weitere Busfahrer und zwei Büroangestellte. Die Fuhrpark-Flotte besteht aus zehn Bussen. "Wir kaufen nahezu jedes Jahr einen neuen Bus. Den letzten haben wir 2019 angeschafft: Einen 5-Sterne-Premium-Bus“, schwärmt Markus Fleiner. "Heute haben die Busse jeglichen Komfort für die Reisenden, wie etwa WLAN oder Vis a Vis Sitzgruppen.“ Sicherheit werde großgeschrieben und so haben die Busse abstandsgeregelten Tempomat, Spurüberwachungssystem und ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm). "Aufgrund von Corona werden unsere Busse nun zusätzlich regelmäßig einer Ozondesinfektion unterzogen. Viren und Bakterien werden so gemäß medizinisch-chirurgischem Standard beseitigt“, erklärt Fleiner junior. Der Bus sei im Vergleich zu Flugzeug und Bahn das Verkehrsmittel mit dem niedrigsten Verbrauch und der besten Luft. Alle ein bis drei Minuten werde ein kompletter Luftwechsel durchgeführt. Das Unfallrisiko liegt laut dem Statistischen Bundesamt bei 1,4 Prozent beim Bus, wogegen der Pkw mit 56,64 Prozent in der Studie von 2017 abschneidet. Auf einer Strecke von Berlin nach Rom und wieder zurück, würde der Bus gegenüber dem Flieger 450 Kilogramm CO2 und gegenüber dem Auto 350 Kilogramm CO2 sparen.

Nussbaum bietet Reisen zum Nordkap oder nach Mallorca

Nussbaum bietet Reisen vom Nordkap über Mallorca bis nach Sizilien an. "Jährlich fahren wir zwischen 600.000 und 700.000 Kilometer“, so Markus Fleiner. Das sind umgerechnet zwischen 15 und 17 Erdumrundungen.

Jedes Jahr wird ein neuer Bus für Nussbaum Reisen angeschafft.
Bild: Marcus Merk

"Als Busfahrer erlebt man jede Menge“, erzählt der Juniorchef. „Oft meinen die Leute, dass man ja bloß ein Busfahrer ist. Dabei gehört viel dazu, um diesen verantwortungsvollen Beruf auszuüben.“ Busfahrer müssten sich auf ihre Kunden einstellen, egal ob eine Abschlussfahrt eines Gymnasiums oder eine Fahrt des Seniorenheimes. Sie müssen technisch, geographisch und geschichtlich versiert sein. "Und man muss bereit sein anders zu leben als der Rest der Welt. Denn wann immer andere frei haben, ist der Reisebusfahrer am Start.“ Zwischen 200 und 250 Tagen ist ein Fahrer bei Nussbaum im Jahr unterwegs und legt dabei 70.000 Kilometer zurück. Fleiner: "Unsere Busfahrer freuen sich aber auch schon immer auf das Frühjahr und haben Reisefieber, denn im Winter passiert nicht viel.

Die Augsburger Domsingknaben sind Kunden von Nussbaum Reisen

Zu den Kunden zählen Vereine, Firmen, Pfarreien, die AWO, Reisebüros, die Theatergemeinde Augsburg und seit 1998 die Augsburger Domsingknaben, deren Logo groß ein Bus ziert. Reisebusfahrer zu sein ist abwechslungsreich. "Für einen Kunden fahren wir Agrarreisen. Da kommen Reisende aus Neuseeland, die wir dann zu Fendt Traktoren fahren, zu einer Käserei ins Allgäu, mit ihnen eine Schneckenfarm in Burgund (Frankreich) besichtigen und Wasserbüffelfarmen besuchen“, berichtet Markus Fleiner. Es gäbe aber auch immer wieder aufregende Momente. "Wenn jemand den Bus nicht mehr findet und sich verirrt hat, dann werden bei uns alle Hebel in Bewegung gesetzt.“ Für die Busfahrer ist Familie Fleiner rund um die Uhr erreichbar. Maria Fleiner weiß noch gut, als ein Fahrer anrief, weil im Schwarzwald ein Fahrgast fehlte. "Wir riefen von Biburg aus dann die Polizei an und fragen bei den Krankenhäusern nach. Tatsächlich wurde unser Gast damals eingeliefert.“ Wenn jemand zum vereinbarten Zeitpunkt fehlt, müsse schnell gehandelt werden.

Diedorf: Schulbusfahrten halten Unternehmen über Wasser

In der Corona-Zeit hält sich Nussbaum mit Schulbusfahrten über Wasser. Zum 50-Jährigen hatten sie viele Jubiläumsreisen in einem Sonderkatalog zusammengestellt. „Unglaublich viel Arbeit. Leider alles umsonst“, bedauert die Chefin. Die wenigen Fahrten, die heuer erlaubt waren, haben sie trotzdem gemacht. "17 Leute mit Maske im Bus. Wirtschaftlich war das nicht, aber wir haben glückliche Kunden gehabt und das ist die Hauptsache.“ Der zweite Lockdown trifft sie hart: "Wir haben so viel gegeben und in das Hygienesystem investiert. Jetzt sind wir wieder auf Null. Aber sie glauben gar nicht, wie viele Kunden uns anrufen, dass wir durchhalten sollen. Sie muntern uns auf.“

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