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Landkreis Augsburg

14.09.2019

So haben unsere Leser ihren ersten Schultag in Erinnerung

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6 Bilder
Hans-Otto Rößle aus Neusäß wurde 1957 eingeschult. 
Bild: Familie Rößle

Exklusiv Hans-Otto Rößle aus Neusäß wollte nach seinem ersten Toilettengang wieder heim. Die Erinnerungen unserer Leser an ihre Einschulung sind ein Stück Zeitgeschichte.

  • Hans-Otto Rößle, Neusäß

Ich, damals Hans genannt, wurde im September 1957 in der „Evangelischen Schule Oberhausen“ eingeschult. Evangelische Schule deshalb, weil wir als Protestanten in der Kapellenschule Oberhausen nur geduldet waren. Mein Klassenzimmer befand sich im Erdgeschoss. Die katholischen Schüler belegten das erste und zweite Stockwerk. Diese Etagen waren für uns absolut tabu. Aber nun zum ersten Schultag.

Es war schon sehr aufregend. Ich lief ja schon Monate vorher mit meinem ledernen schwarzen Schulranzen in der Wohnung umher. Den Ranzen, welcher ein Schuster in der Billerstraße handgefertigt hatte, wurde auch schon von meinen Brüdern Peter und Jürgen getragen. Sie erzählten mir natürlich immer schlimme Geschichten aus der Schule wie zum Beispiel, dass sich im Keller der Schule der „Sparifankerl“ herumtreibt. Meine Oma sagte zu mir, ich soll diesen Quatsch nicht glauben, und meine Brüder bekamen von Mama und Papa wieder was zu hören – was sie aber nicht davon abhielt, neue Gruselgeschichten über die Schule zu erfinden.

Eine Griffelschachtel und eine Schiefertafel

Der Inhalt des Ranzens bestand aus einer „Griffelschachtel“ und einer Schiefertafel mit angehängtem Schwamm. Die Schultüte, in den Farbe Silber und Gelb, für mich das Wichtigste an diesem Tag, bekam ich von meiner Tante Resi geschenkt. Das Schlimme war, ich durfte noch nicht hineinsehen.

Voller Erwartung ging es dann morgens, in Begleitung meiner Mutter – Papa musste ja arbeiten – den zehnminütigen Fußweg zur Schule. Mein Bruder Peter war schon in der Lehre, und mein Bruder Jürgen ging mit seinen Schulkameraden voraus. Sie wollten mit den Schulanfängern nichts zu tun haben. Mama kannte das Klassenzimmer und setzte mich an der Fensterseite in die erste Bank. Es waren Zweierbänke, Sitz und Tisch an einem Stück mit eingebautem Tintenfass und vier Bänke in einer Reihe.

Mein Banknachbar hieß Erwin Raschke, seine und meine Eltern kannten sich. Alle meine Jugendfreunde waren katholisch, und deshalb war der Erwin für mich der einzig bekannte Junge in der Klasse. Damals war die Klassenstärke 44 Mädchen und Buben. Die Buben saßen an der Fensterseite und die Mädels an der Türseite. Strikt getrennt – auch später beim Rundgang im Pausenhof.

Ich verstand kein Wort von dem Erwachsenengespräch

Bei den Katholiken gab es nur reine Buben- und Mädelklassen. Wir bekamen eine Lehrerin. Sie war eine sehr junge Frau und wurde von uns mit Fräulein Buch angesprochen. Die Wandtafel wurde an diesem Tag von ihr mit einem wunderschönen farbigen Ball bemalt, und daraufhin hat sie mit den Eltern gesprochen. Ich verstand kein Wort von dem Erwachsenengespräch und außerdem war der Ball an der Tafel und meine Schultüte faszinierender. Nach einiger Zeit musste ich auf die Toilette, und meine Mutter brachte mich dorthin. Dort fragte ich sie, ob wir wieder nach Hause gehen können – die Schule habe ich ja gesehen, und es genügt schon. Meine Mutter war gar nicht begeistert von meiner Anfrage und konnte mich erst nach längerer „Unterredung“ wieder ins Klassenzimmer zurückbringen.

Am Ende dieses ersten Schultages hatte meine Mutter noch ein Gespräch mit unserem Fräulein Buch. Das Gespräch wurde mit einem Gelächter beendet. Wieder zu Hause stand ich natürlich im Mittelpunkt, aber nicht nur wegen der Einschulung. Hauptsache war natürlich die Öffnung der Schultüte. Sie war gefüllt mit Farbstiften, Erdnüssen, Keksen, Schokolade und zu meiner größten Überraschung mit zwei „Wiking-Autos“. So endete mein erster Schultag, und meine Brüder fügten noch hinzu, dass jetzt der „Ernst des Lebens“ beginnt, und ich soll ja nicht in den Schulkeller gehen.

  • Auguste Börner, Gersthofen

Im September 1942 wurden Auguste Börner und fünf befreundete Buben von der Winterstraße in Gersthofen eingeschult. Herausgeputzt gingen sie mit älteren Kindern zum Schulhaus, die heutige Pestalozzischule. Der Vorplatz war voll mit Kindern – acht Jahrgänge. Ein Mann auf dem Podium sprach zu den Schülern, es wurde gesungen mit Hochhalten des rechten Arms. Als dem Mädchen der Arm wehtat, streckte sie den linken nach oben. Ein Vertreter der Hitler-Jugend korrigierte sie sofort. Danach ging es ins Schulhaus. Die Neulinge führte man in den Saal und zur Lehrerin Hildegard Müller, die im ganzen Haus gefürcht war. Es waren über 100 Erstklässler. Es hieß, vier Mädchen kommen zu den Buben.

Auguste Börner wurde 1942, also mitten im Krieg, in Gersthofen eingeschult. Eine Schultüte gab es zu dieser Zeit nicht.
Bild: Marcus Merk

Als Auguste fragte, ob sie zu den Buben dürfe, bekam sie eine Standpauke. Als es im Klassenzimmer unruhig wurde, schaute sich das Mädchen um und bekam dafür gleich seine erste Kopfnuss als Strafe. Dann wurde noch das Verlassen des Schulhauses geübt: Aufstellen in Zweier-Reihen, Abmarsch. Ganz überwältigt von diesen Erfahrungen ging die Erstklässlerin alleine und langsam heim. Die Voraussage „jetzt beginnt der Ernst des Lebens“ hatte sie begriffen. Schultüten gab es in der Kriegszeit nicht.

  • Erich Maydl, Stadtbergen/Augsburg

Erich Maydl kam 1951 in die Schule und kann sich noch sehr gut daran erinnern. Er ging im Sommer barfuß in den Unterricht. Doch dies war nicht die einzige Besonderheit, die so viele Erstklässler in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Dies sind seine Erinnerungen: „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich im Sommer immer barfuß zur Schule ging. Schuhe gab’s nur am Sonntag und während der Winterzeit. Wie unschwer zu erkennen ist, hatte meine Mutter die Lederhose einige Nummern größer als benötigt gekauft: ,Do kannsch dann no neiwachsa!‘ Die Schultüte war vom Fotografen geliehen; viele Familien, darunter auch wir, konnten sich damals keine eigene Schultüte leisten.

Der Religionslehrer war der spätere Bischof von Augsburg

In der Klasse waren über 40 Schüler. Auf einem Klassenfoto von der zweiten Klasse konnte ich 48 Kinder zählen. Ich kann mich noch erinnern, dass wir irgendwann (es muss wohl Mitte des Schuljahres gewesen sein, genau weiß ich es nicht mehr), einen neuen Religionslehrer bekamen. Die Klasslehrerin schärfte uns ein, dass wir bei seinem Eintreten aufstehen und ,Grüß Gott, Herr Doktor‘ sagen mussten. Wie ich später erfuhr, handelte es sich um den späteren Bischof von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle.

Erich Maydl wurde 1951 eingeschult. Den Schulweg legte er barfuß zurück.
Bild: Schule, Privatbesitz Maydl

In der Hallschule waren nur katholische Schüler. Die evangelischen Freunde und Nachbarn wurden in die Rote-Tor-Schule eingeteilt. In unserer Klasse gab es Schüler aus der Pfarrei St. Ulrich und von St. Moritz. Ich kann mich erinnern, dass es öfter Rivalitäten gab, weil jeder seinen Heiligen für den besseren hielt. Wenn ich heute die „Erstbätzler“ mit ihren Design-Schulranzen und ihren überdimensionierten Schultüten sehe, denke ich mit leichtem Schmunzeln an damals zurück.

  • Reinhold Dempf, Gersthofen

Er dürfte damals der Schüler gewesen sein, der den kürzesten Schulweg hatte. Doch dass sein Vater der Hausmeister der Schule war, hatte nicht nur Vorteile. „Ich wurde am 11. September 1968 in der neu gebauten Goetheschule in Gersthofen eingeschult und besuchte die Klasse 1A bei der Oberlehrerin Frau Mayerhausen“, schreibt Dempf. „Unsere damaligen Schulklasse bestand ausschließlich aus Buben! An das was in der Schultüte war, kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

Reinhold Dempf wurde am 11. September 1968 in der neugebauten Goetheschule in Gersthofen eingeschult.
Bild: Privatbesitz Dempf

Das Schöne für mich als Schüler in der ersten Klasse war, dass mein Vater der Hausmeister in der Goetheschule war und ich mit meiner Familie direkt in der Schule wohnte, sodass ich einen sehr kurzen Schulweg hatte. Das war auch gut so, denn soweit ich mich erinnern kann, war ich immer der Letzte, der in das Klassenzimmer kam. Schlecht an der Sache war, dass mein Vater mittags bereits alle Schandtaten von mir wusste, weil er einen sehr guten Kontakt zu meiner damaligen Lehrerin hatte. Unsere Lehrerin Frau Mayerhausen war eine sehr strenge, aber sehr gerechte und sehr gute Lehrerin, die ich immer sehr schätzte! Ich habe ihr sicherlich sehr viel zu verdanken. Zum größten Teil meiner damaligen Klassenkameraden habe ich heute noch regelmäßigen Kontakt, welcher bei regelmäßigen Klassentreffen bis zum heutigen Tag gepflegt wird.“

  • Franz Stoll, Biberbach

„Meine Erinnerung an den ersten Schultag ist nicht schön“, schreibt Franz Stoll aus Biberbach. Und das hat einen guten Grund: „Ich bin 1971 in Biberbach eingeschult worden. Die Aussage: ,...dann bläst ein anderer Wind!’, habe ich damals öfter gehört, wusste aber zunächst nichts damit anzufangen. Ich ahnte, dass die Schule nicht so recht in meine damalige Lebensplanung passen wird. Meine Tage waren eigentlich ausgefüllt mit Drachensteigenlassen, Roller-, Kettcar- und Fahrradfahren. Auch mit Pfeil und Bogen war ich oft unterwegs. Aber mir war klar, es gab kein Entrinnen.

Am ersten Schultag dann, im von der Mama selbst genähten Hosenanzug mit Einstecktuch, begab sich im Klassenzimmer Folgendes: Unsere Lehrerin, damals schon eine etwas ältere Dame, sagte: ,Und wenn ihr nicht folgt, dann hole ich meinen Stock ...!‘ Mit diesen Worten ging sie zu dem unscheinbaren Schrank, ganz hinten im Klassenzimmer. Darin befand sich eine kräftige Haselnussrute, in einem Wassereimer stehend. ,Damit er schön frisch bleibt.‘ Den nahm sie heraus und stolzierte durch die Bankreihen. Sie peitschte mehrmals durch die Luft mit den Worten: ,Hört mal, wie der pfeift!‘ In diesem Moment ist in meiner Kinderseele etwas zerbrochen.“

  • Marlies Fasching, Thierhaupten

Schöne Erinnerungen hat Marlies Fasching aus Thierhaupten, wenn Sie heute an ihre Einschulung denkt. „Mein erster Schultag war im September 1968“, schreibt sie. „Ich habe mich sehr auf die Schule gefreut, bedeutete es doch für mich als wissbegieriges Mädel, endlich lesen zu lernen (was ich bis heute leidenschaftlich gerne mache). Außerdem entkam man für ein paar Stunden der oft schweren Arbeit in Haus, Feld und Stall. Damals mussten die Kinder ja von klein auf mitarbeiten.“ So gar nicht verstehen konnte sie, dass ihre Banknachbarin in Tränen ausbrach, als die Mamas das Klassenzimmer verließen.

Marlies Fasching hatte 1968 ihren ersten Schultag.
Bild: Fasching

Auf dem Foto trägt sie eine Kleiderschürze über dem „guten Gewand“. Das war aber nur noch in der ersten Klasse so, allerdings musste man sich nach der Schule natürlich umziehen. „Auch bei unserer kleinen Landschule in Holzheim Kreis Donau Ries waren mehrere Klassen in einem Zimmer und Frl. Buchter hatte auch schon meinen Papa unterrichtet“, erinnert sie sich. „Sie war sehr streng, aber da ich sehr gerne lernte und mir das auch leicht fiel, empfand ich das nicht als schlimm. Zu Hause war ja Gehorsam auch durchaus gefordert.“

  • Rebecca aus Margertshausen

Was für ein Lieblingstier Rebecca aus Margertshausen hat, wird beim Blick auf die Schultüte schnell klar. Ob es jetzt, wo sie in die neunte Klasse geht, immer noch das beliebte Fabelwesen ist?

Rebecca kommt jetzt bereits in die 9. Klasse.
Bild: Hofbaur
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