1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. So viel Europa steckt im Augsburger Land

Landkreis Augsburg

17.05.2019

So viel Europa steckt im Augsburger Land

Mehr als 13.000 Bürger aus Ländern der Europäischen Union leben im Landkreis Augsburg und bestimmen mit, welche Abgeordneten ins Parlament in Straßburg einziehen. 
Bild: Rolf hqaid, dpa (Archiv)

Plus Innerhalb von sieben Jahren hat sich die Zahl der EU-Bürger im Landkreis verdoppelt. Dort spielt Europa oft eine Rolle – wenn auch manchmal unerwartet.

Baden gehen war in den vergangenen Jahren in Fischach ein Pflichttermin, wenn es um Europa ging. Pflichtschuldigst bewunderten Delegationen das dortige Naturfreibad, für das Brüssel eine Million Euro hatte springen lassen - so greifbar wird das Wirken der Europäischen Union (EU) selten im Augsburger Land.

Tatsächlich aber sind die Auswirkungen des Bunds von derzeit 28 europäischen Staaten im Augsburger Land wesentlich weitreichender und beschränken sich nicht auf die Förderung von 28000 Quadratmeter Freizeitgelände in den Stauden. Doch wo steckt überall Europa drin im Augsburger Land? Gut eine Woche vor den Wahlen zum nächsten Europaparlament gehen wird dieser Frage in einer ganzen Artikel-Reihe nach, erzählen von Menschen, ihren Erlebnissen mit Europa – und den nackten Fakten. Hier einige davon:

  • Wirtschaft Schöffel, Sortimo, Erhardt und Leimer: Nur drei Firmen von vielen, die vom europäischen Binnenmarkt profitieren. Jeder zweite Arbeitsplatz im Kreis hängt Schätzungen zufolge am Export und der geht zu 60 Prozent in die Europäische Union. Besonders gern orderten zuletzt übrigens die Briten bei bayerischen Firmen – und die wollen ja bekanntlich raus aus Europa. Rein ins Augsburger Land wollten dagegen in den vergangenen Jahren internationale Firmen. Zum Beispiel der australische Gewebeimmobilien-Spezialist Goodman, der das Kleinaitinger BMW-Lager gebaut und sich in Gersthofen niedergelassen hat, oder Go Ahead. Der britische Bahn-Konkurrent liebäugelt mit dem Standort Gablingen.

Was aber hat Otto Normalverdiener davon?

  • Kurz vor der Wahl hat die Bertelsmann-Siftung sich an einer Antwort versucht. Nach deren Berechnungen verdanken die bayerischen Schwaben dem europäischen Binnenmarkt pro Kopf und Jahr 1064 Euro an zusätzlichem Einkommen. Diese Zahl liegt ein bisschen über dem deutschen Durchschnitt und deutlich über dem europäischen von 840 Euro.
  • Einwohner Fest steht auf jeden Fall, dass der Landkreis in den vergangenen Jahren für viele Europäer zu einem attraktiven Pflaster wurde. Von rund 250000 Einwohnern hat etwa jeder zehnte keinen deutschen Pass. Gut die Hälfte davon kommt aus Ländern der Europäischen Union. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre hat sich die Zahl der EU-Bürger im Landkreis verdoppelt, die Zuzügler kamen vor allem aus Osteuropa.

Fachkräfte gewinnen und sichern

Für die bessere Integration von Zuwanderern hat der Landkreis inzwischen ein Bildungsbüro geschaffen. Schwerpunktmäßig hat sich dieses im vergangenen Jahr zunächst um Flüchtlinge gekümmert, doch zunehmend gehören Einwanderer aus EU-Ländern zu den Klienten, wenn es um die Beratung zu Sprachkursen und Weiterbildungsangeboten geht. Im ersten Quartal 2019 machten sie schon 15 Prozent der Kunden aus. Auch in den kommenden Jahren wird das Augsburger Land ein Zuzugsgebiet mit „einem zunehmenden Anteil an EU-Migranten“ bleiben, schätzt das Bildungsbüro. Unter diesen Neuankömmlingen müsse man auch Fachkräfte gewinnen und sichern.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg
Auch in den kommenden Jahren wird das Augsburger Land ein Zuzugsgebiet mit einem zunehmenden Anteil an EU-Migranten bleiben, schätzt das Bildungsbüro.
Bild: Az Infografik
  • Bürokratie Wenn Brüssel mitmischt, wird es kompliziert, lautet ein landläufiges Vorurteil. Das will übrigens die Landkreisverwaltung so nicht bestätigen. „Rückblickend auf die vergangenen Jahre ist im Landratsamt kein Verfahren bekannt, das sich aufgrund internationaler Bürokratie unnötig verzögert hätte,“ heißt es auf eine Anfrage unserer Zeitung. Eingeräumt wird aber die „teils mehrjährige Dauer von europaweiten Ausschreibungen“. Dass an deren Ende dann alles gut wird, ist übrigens nicht gesagt. Legendär ist der Pfusch spanischer Fliesenleger in Aichach, der den Betrieb der Gefängnisse in Gablingen und Aichach lange beeinträchtigte. Eher tierisch waren dagegen die Erfahrungen, die die Biberbacher Künstlerin Tina Boche bei einem Ritt von Athen zur Kasseler Documenta mit dem Amtsschimmel machte. Ihr Fazit lautete sinngemäß, es wäre leichter gewesen, mit einem toten Pferd durch Europa zu reisen und Grenzen zu überqueren. Denn dann hätte es als Lebensmittel gegolten.

Gemeinde rückt keine Adressen mehr raus

Weniger witzig fanden dagegen viele Vereine, was Brüssels Datenschutzverordnung auslöste. Vor deren Auswirkungen blieb auch einer an sich höheren Macht nur die Kapitulation. So bat die Pfarrei Altenmünster im Sommer vor zwei Jahren, lang verheiratete Ehepaare sollten sich für eine Feier melden. Einladen konnte die Pfarrei die Jubilare nämlich nicht mehr. Unter Hinweis auf den Datenschutz weigerte sich die Gemeinde, die Adressen herauszurücken.

  • So geht es weiter Mit einem Trick gegen Alpträume: Am Montag erzählt der Europaabgeordnete Markus Ferber, wie sich sein Leben verändert hat.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Europa ist Teil unseres Lebens

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
NEF_KKH_Notaufnahme_GZ_Mrz17_32.JPG
Kutzenhausen-Agawang

Auto erfasst unvorsichtiges Mädchen auf Rad

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden