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Stadtbergen

28.07.2018

Stadtbergen als Marktplatz der biologischen Vielfalt

Bei Deuringen ist ein Neuntöter zu Hause.

Die Stadt bewirbt sich für ein bayerisches Modellprojekt, das auch das Image schärfen könnte. Dabei geht es auch um den Neuntöter.

Neusäß will Gesundheitsstadt werden. Und Stadtbergen feilt am Image. Die Stadt im grünen Westen von Augsburg bewirbt sich jetzt um die Teilnahme an einem Pilotprojekt, bei dem es um biologische Vielfalt geht. Bürgermeister Paul Metz kommt bei dem Thema sofort auf einen besonderen Vogel: den Neuntöter. Der ist bei Deuringen zu Hause. Den Rathauschef begeistert allerdings weniger die Tatsache, dass Lanius collurio seine Beutetiere auf Dornen aufspießt. Er findet es faszinierend, dass der Neuntöter jedes Jahr nach Afrika fliegt und wieder nach Stadtbergen zurückkehrt.

Seit vier Jahren ist der Neuntöter schon Gast in der Stadt. Sein Domizil hat er in einem Kirschbaum. Weil der auseinanderzubrechen drohte, retteten ihn Bauhofmitarbeiter mit einer Seilspange. Der Neuntöter ist übrigens nicht das einzige Beispiel für die besondere Stadtberger Artenwelt, merkte Grünen-Stadtrat Paul Reisbacher an. Er erinnerte an einen weitaus größeren „Fundus“, der jüngst bei einer Vogelstimmenwanderung in die Deuringer Heide hörbar wurde. „Ein Paradies für viele Vogelarten“, schwärmte Hermann Stickroth vom Landesbund für Vogelschutz während der Wanderung, bei der über 30 Vogelarten an ihrem Gesang bestimmte: Von der Mönchsgrasmücke, der Heidelerche, dem Zaunkönig, der Gartengrasmücke bis zu seltenen Vertretern wie Wintergoldhähnchen, Goldammer, Sommergoldhähnchen, Rohrammer oder Feldschwirl. Stadtrat Herbert Woerlein, der tierschutzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sagte: „Viele Arten sind auf einen Rest geschrumpft.“

In Bayern werden zehn Gemeinden für das Modellprojekt ausgewählt

Das neue Projekt, für das sich Stadtbergen bewirbt und auch bis zu 20000 Euro an Mitteln zur Verfügung stellt, geht noch weiter. Ziel ist es, den Erhalt der Biodiversität im kommunalen Leben zu verankern. Es sollen sich gesellschaftliche Anreize, organisatorische Erleichterungen und finanzielle Vorteile für die Gemeinde ergeben. Auf dem „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ werden insgesamt zehn ausgewählte bayerische Gemeinden bis Ende 2021 eine „Biodiversitätsstrategie“ entwickeln und beginnen, sie umzusetzen.

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Vorbild für diese Initiative ist die Marktgemeinde Tännesberg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab – sie ist die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands. Seit über 30 Jahren werden dort naturschutzfachliche Projekte zum Schutz der biologischen Vielfalt umgesetzt. Ganz aktuell ist ein Kalender, der die „verborgenen Schönheiten“ der Tännesberger Insektenwelt vorstellt.

Der Stadtberger Stadtrat stimmte geschlossen für eine Bewerbung. Thomas Miehler (Grüne) sicherte die Unterstützung der Ortsgruppe Stadtbergen des Bund Naturschutz. Josef Kleindienst (CSU) sagte: „Es steht uns gut an, ein Zeichen zu setzen.“ Biodiversität bedeute nicht, dass in Zukunft sämtliche Wiesen verwildern. Seine Fraktion hatte jüngst Thema eine andere Aktion vorgeschlagen: „Stadtbergen blüht auf“ heißt sie. Die CSU-Fraktion beantragte, dass sich die Stadt an der Aktion „Unser Landkreis blüht auf“ beteiligt. Die Stadt müsste dann Blumensamen-Mischungen an Interessierte ausgeben, die damit zum Beispiel Wiesen anlegen. Gleichzeitig könnten die Mitarbeiter des Bauhofs die Samenmischungen an geeigneten öffentlichen Plätzen ausbringen. Nach dem Antrag der CSU müsste der Bauhof auch die fachgerechte Pflege übernehmen und die Wiesen zweimal im Jahr mähen. Die Mitglieder der Fraktion versprechen sich so nicht nur ein schönes, blühendes Ortsbild, sondern auch das Gefühl, etwas für die Umwelt und gegen das Insektensterben zu tun.

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