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Langweid

06.01.2020

Vom Tischtennis-Profi zur Mama: Windelwechsel geht jetzt vor Ballwechsel

Katharina Schneider (links) und ihre Frau Ines mit ihrem Sohn Moritz.
Bild: Marcus Merk

Plus 20 Jahre spielte Katharina Schneider Tischtennis auf höchstem Niveau, jetzt gibt ihr Sohn den Ton an. Die Richterin und ihre Frau Ines sind Mütter geworden.

Ein Vierteljahrhundert haben Ballwechsel im Tischtennis das Leben von Katharina Schneider bestimmt. Sie wurde Europameisterin der Jugend, zweimal deutsche Meisterin mit dem TTC Langweid und mehrfach bayerische Meisterin. Im vergangenen Jahr hat die 34-Jährige ihre Karriere beendet und spielt nur noch aus Spaß an der Freude in der Langweider Männermannschaft. Zuschauer sind da kaum. Das ist Katharina Schneider egal, solange ihre Frau Ines, mit der sie seit zweieinhalb Jahren verheiratet ist, und ihr gemeinsamer Sohn Moritz in der Halle sitzen.

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Katharina Schneider ist Mutter geworden. Genauer gesagt, ihre Ehefrau Ines. Und deshalb bestimmt seit vier Monaten der kleine Moritz das Leben der beiden Frauen. Seitdem sind sie nicht nur ineinander verliebt, sondern auch bis über beide Ohren in den aufgeweckten Buben. Moritz ist eindeutig der Herr im Haus, das erst vor wenigen Wochen im Augsburger Stadtteil Kriegshaber bezogen wurde. Das sieht man deutlich, wenn sie das Baby in ihre Mitte nehmen. Da strahlen die Augen der beiden Mütter vor Glück. „Ines ist Mama und ich bin Mami“, sagt Katarina Schneider und lacht: „Mal sehen, ob Moritz das auch einmal sagen wird, oder irgendwelche anderen Spitznamen für uns erfindet.“

Als Richterin ist Katharina Schneider am Landgericht tätig

Kennen gelernt haben sich die Tischtennis-Spielerin, die neben dem Sport Jura studiert hat und inzwischen als Richterin am Landgericht tätig ist, und die Beamtin im kommunalen Außendienst der Stadt München vor vier Jahren im Internet. „Ich wusste überhaupt nichts von ihrer Tischtennis-Karriere, habe sie nur als Menschen kennengelernt“, sagt die 37-jährige Ines, die bis dato mit Tischtennis nichts am Hut hatte. „Ich bin kein Stubenhocker, mache aber nur Freizeitsport und Fitness.“ Lächelnd verrät sie, dass sie ihre Frau nach dem ersten Treffen gegoogelt hat. „Das habe ich noch nie bei irgend jemand aus meinem Freundeskreis gemacht.“ Für Katharina Schneider war ziemlich schnell klar: „Sie oder keine!“ Schon nach vier Monaten ist Ines dann von München nach Augsburg und bei ihr eingezogen.

Vom Tischtennis-Profi zur Mama: Windelwechsel geht jetzt vor Ballwechsel

Eineinhalb Jahre später haben sie in Langweid geheiratet. Roland Paul, ein ehemaliger Funktionär des Tischtennis-Klubs, hat sie getraut. Ines Schneider hat bei der Hochzeit den Namen ihrer Frau angenommen. „Wir heißen alle drei Schneider“, sagt Katharina Schneider. Sie wollte nicht auf ihren Namen verzichten, da der doch in der Tischtennis-Szene ein Begriff ist und in allen Siegerlisten steht.

Schnell stellte sich Wunsch nach einem gemeinsamen Kind ein

Schon bald nach der Heirat stellte sich bei den beiden Frauen der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind ein. So haben sie sich dann erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt. „Wir hätten einen Freund bitten oder jemanden in einschlägigen Internet-Foren suchen können“, erzählt Katharina Schneider, „aber das war uns zu heiß. Nicht dass der Vater hinterher irgendwelche Rechte einklagen könnte.“

So haben sie sich für eine anonyme Samenspende über eine Samenbank entschieden. „Mit 18 Jahren kann Moritz dann erfahren, wer der Samenspender ist“, sagt Schneider. Nachdem das Jugendamt seine Erkundigungen eingezogen hatte („Sie wollten sogar wissen, ob wir mit dem Baby an die frische Luft gehen“), musste Katharina Schneider unterschreiben, dass sie das Baby nach der Geburt, bei der sie selbstverständlich dabei war, adoptiert. „Am 13. Januar ist es endlich soweit“, freut sie sich schon. Auch die Elternzeit haben sie sich aufgeteilt.

Auch die Urgroßeltern erfreuen sich am Babyglück

Über Weihnachten und Neujahr befindet sich die junge Familie auf Heimatbesuch. Bei Katharina Schneiders Eltern in Reichertshofen bei Ingolstadt („Für sie war das nie ein Problem, dass ich eine Frau liebe.“), und bei Ines Schneiders Eltern in Halle an der Saale. Neben den Omas und Opas erfreuen sich auch noch Urgroßeltern am Babyglück. „Das erste Weihnachten mit dem kleinen Mann war echt schön“, sind sich die beiden einig. „Wir können es uns gut vorstellen, dass es immer noch schöner wird, wenn er es dann auch versteht.“

Während Moritz im der Wippe brabbelt und mit der „goldenen Ananas“ knistert, die unser Reporter mitgebracht hat, erzählt Katharina Schneider aus ihrer Tischtennis-Karriere. Eine „goldene Ananas“ war dabei nie ihr Ding. Dabei kam sie erst relativ spät, mit neun Jahren, mit Tischtennis in Berührung. „Aus Langweile haben wir eine alte Platte aus der Garage geholt. Darauf habe ich mit meinem Vater und meiner vier Jahre älteren Schwester gespielt.“

Mit zwölf Jahren ist sie nach Langweid gekommen

Nachdem sie über die örtlichen Mini-Meisterschaften bis zu den bayerischen Titelkämpfen gekommen war, wurde man in Schrobenhausen auf sie aufmerksam. Dort entwickelte sie sich weiter. „Bis ich zu gut für die Mädchen war“, lacht Katharina Schneider. „Das Auge und Ballgefühl hatte ich vom Tennis. Trotzdem bin ich aus dem Stützpunkttraining rausgeflogen, weil meine Technik zu schlecht war.“ Doch die für ihren Kampfgeist bekannte Sportlerin gab nicht auf. Mit zwölf Jahren ist sie nach Langweid gekommen, hat an der Seite von den heute in Herbertshofen aktiven Ute Speer oder Gudrun Herfert („Das hätten meine Eltern sein können.“) in der Landes- und Regionalliga gespielt.

Ein Vierteljahrhundert haben Ballwechsel im Tischtennis das Leben von Katharina Schneider bestimmt.
Bild: Andreas Lode

Nachdem sie in Würzburg als erstes Mädchen das Internat des Bayerischen Tischtennis-Verbandes besucht hat, trat sie dann für den TTC Ochsenfurt an die Platte. Später war sie in Schwabhausen aktiv, hat nach dem Abitur aber immer Montags in Langweid trainiert. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie 2005 wieder in der Hochburg am Lech landen würde.

Weitere Titelgewinne zum Ende der Karriere

14 Jahre hat sie in Langweid neben ihrem Studium auf höchsten Niveau gespielt, war 2007 am letzten von acht Meistertiteln beteiligt. Nach vielen Höhen und Tiefen mit freiwilligen Abstiegen und Aufstiegsverzichten aus finanziellen Gründen konnte die 34-Jährige 2017 nochmals zwei bayerische Meistertitel und zum Ende der abgelaufenen Saison den Titelgewinn in der 3. Bundesliga feiern. „Es ist doch schön, wenn man mit so einem Erfolg aufhören kann“, sagt sie.

Mit den Weltklassespielerinnen Krisztina Toth, Ding Yaping und Csilla Batorfi sowie Landrat Martin Sailer wurde sie 2006 vom damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber empfangen und mit dem bayerischen Löwen geehrt.
Bild: Marcus Merk

Ob es sie nicht doch wieder in den Fingern juckt? „Nein! Es hat jetzt einfach gereicht“, bereut Katharina Schneider nichts, „ich habe eine super schöne Zeit gehabt.“ Windelwechsel geht inzwischen vor Ballwechsel. Ganz kann sie es aber doch nicht lassen. Seit Beginn dieser Punktrunde spielt sie in der Männermannschaft des TTC Langweid. „Nur noch aus Spaß. Der Druck des Trainings und der Spielvorbereitung ist weg. Und die Herren sind eine tolle Truppe.“

Nachdem Frau und Kind Katharina Schneider mittlerweile schon zum einen oder anderen Tischtennis-Spiel begleitet haben, würde es wohl niemanden wundern, wenn der kleine Moritz die ersten Trainingseinheiten von seiner Mutter erhalten wird – so bald er denn über die Platte blicken kann.

Bereits erschienen in unserer Serie "Zeitenwende":

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