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Dinkelscherben

14.02.2020

Wahl in Dinkelscherben: Das sind die Kandidaten und die wichtigsten Themen

Auch in Dinkelscherben wird bald gewählt. Drei Kandidaten wollen Rathauschef werden beziehungsweise bleiben. 
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Auch in Dinkelscherben wird bald gewählt. Drei Kandidaten wollen Rathauschef werden beziehungsweise bleiben. 
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Plus In Dinkelscherben kämpfen drei Männer um das Amt des Bürgermeisters – einer kommt von weit her. Auch im Gemeinderat könnte es viele neue Gesichter geben. 

Die heiße Phase des Wahlkampfes hat längst begonnen. Überall im Landkreis finden sich die Konterfeis der Kandidaten auf großen Plakaten am Straßenrand. Der amtierende Bürgermeister Edgar Kalb will die Wähler mit seinem „Glühmobil“ bei einer Tasse Glühwein überzeugen. Seine Konkurrenten Ulrich Fahrner und Markus Weil nennen ihre Wahlverstaltungen verheißungsvoll „Zukunftsforum“ oder „Bürgertalk“. Alle eint: Sie wollen Rathauschef werden beziehungsweise bleiben. Das dürfte spannend werden.

Im Wahlkampf setzt der amtierende Bürgermeister Edgar Kalb (UW14) vor allem auf Kontinuität. Er will die laufenden Projekte zu Ende bringen und „anpacken“. Sein Motto: „Ich bin Macher, kein Politiker“. Soll heißen: Sachpolitik statt Parteipolitik. Der ehemalige Informatiker setzt auf „technische und betriebswirtschaftliche Kompetenz“.

Diese Kandidaten fordern Bürgermeister Kalb heraus

Als ersten Gegenkandidaten schickte die CSU den eingesessenen Dinkelscherber Ulrich Fahrner ins Rennen. Der Direktor des Medienlabors der Universität Augsburg ist kein Unbekannter in der Gemeindepolitik. Von 1996 bis 2008 saß er schon einmal im Gemeinderat, damals für den Bürgerverein Reischenau. Als Bürgermeister möchte er „zusammenführen, anstatt zu spalten“.

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Die Freien Wähler und die SPD setzen auf Markus Weil – ein bislang unbekanntes Gesicht in Dinkelscherben. Derzeit ist er als wissenschaftlicher Referent bei der FDP-Fraktion in der bremischen Bürgerschaft tätig. Aus dem hohen Norden möchte er nun ins Dinkelscherber Rathaus ziehen. Als außenstehender setzt er auf „frischen Wind und neue pragmatische Lösungsansätze“. Viel vorgenommen haben sich alle drei Kandidaten. Denn an großen Baustellen und Projekten mangelt es der Gemeinde nicht.

Wann schmeckt das Wasser in Dinkelscherben nicht mehr nach Chlor?

Da ist zum Beispiel das Thema Wasserversorgung – ein Dauerbrenner in der Gemeinde. Ob es gelingt, die seit weit über anderthalb Jahren andauernde Chlorung zu beenden, ist noch unklar. Sicher ist: Bei allen drei Kandidaten steht das Wasser ganz oben auf der Liste. Zum einen geht es dabei darum, die Chlorung schnellstmöglich zu beenden. Zum anderen um die neue Wasserversorgung, deren Kosten schon jetzt für Streit sorgen. Denn vor den vergangenen Wahlen sollten die noch bei rund drei Millionen Euro liegen. Derzeit rechnet die Gemeinde schon mit rund 12 Millionen Euro.

Neuen Wohnraum in Dinkelscherben schaffen

Ein anderes Thema, das die Dinkelscherber beschäftigt ist neuer Wohnraum in der Gemeinde. Ein Ziel, dem wohl jeder der drei Kandidaten zustimmen würde: Den Ortskern stärken. Nur wie? Leerstände und freie Flächen im Ort sollen wiederbelebt werden, meint CSU-Kandidat Ulrich Fahrner. Markus Weil, Kandidat der Freien Wähler und der SPD, sieht Chancen durch Dinkelscherbens Lage zwischen den Ballungsräumen München und Stuttgart. Der amtierende Rathauschef Edgar Kalb (UW14) will neben der Verdichtung innerhalb der Ortschaften, einige neue Baugebiete realisieren.

Verkehr in Dinkelscherben: Braucht es eine Umfahrung?

Alle Gemeindepolitiker wollen die Verkehrssituation in der Marktgemeinde entspannen. Als Knotenpunkt gilt die Kreuzung am Dinkelscherber Marktplatz. In der Vergangenheit gab es viele Vorschläge, von neuen Vorfahrtsregelungen bis zum Kreisverkehr in der Ortsmitte. Fahrner hatte vor Jahren bereits ein Modell vorgestellt, dass ein großes Geschäftsgebäude auf dem Gelände des Marktplatzes vorsieht. Auch über eine Umfahrung für Dinkelscherben wird seit Jahren diskutiert. Fahrner hält davon nichts. Edgar Kalb hat sich in der Vergangenheit immer wieder offen für eine Umfahrung gezeigt. Naturschützer wollen die Umfahrung unbedingt verhindern.

Ein neues Gewerbegebiet an der Bahnlinie, westlich der Krumbacher Straße, entsteht. Noch ist unklar, welche Firmen sich dort ansiedeln werden. Erklärtes Ziel aller Kandidaten: Arbeitsplätze schaffen und das Gewerbe stärken.

Bislang besteht der Dinkelscherber Gemeinderat aus Vertretern der CSU, Freien Wählern, SPD und der Wählergruppe UW14. Das könnte sich ändern. Denn auch die ÖDP und die Grünen treten heuer zur Wahl an.

Sieben Fragen an Edgar Kalb
Für die Unabhängige Wählergruppe UW14 tritt Edgar Kalb an. Er will Bürgermeister bleiben.
Bild: Privat

1. Welches ist das wichtigste Vorhaben, das Sie als Bürgermeister anpacken wollen?

Edgar Kalb: Die begonnenen und die geplanten Projekte zu Ende bringen und den finanziellen Spielraum für Zukunftsprojekte verbessern.

2. Wenn Sie sich für Ihre Gemeinde etwas wünschen könnten, was wäre das?

Kalb: Gesundheit und Zufriedenheit für alle Bürgerinnen und Bürger.

3. Was muss für die wachsende Zahl der älteren Bürger getan werden?

Kalb: Alles, was auch für junge und jüngere Menschen gut oder wichtig ist, nur in anderer Form und anderer Ausprägung, Stichwort: Barrierefreiheit.

4. Was würden Sie mit ihrem Leben machen, wenn Sie noch einmal 20 Jahre alt wären?

Kalb: Vor 38 Jahren oder heute?

5. Welche positiven Eigenschaften würden Sie bei einem Bewerbungsgespräch nennen?

Kalb: Kompetent, kreativ, direkt, ehrlich.

6. Was sind Ihre persönlichen Untugenden?

Kalb: Ich mag kein „hätte“, „man sollte“, „man könnte“, „man müsste“.

7. Wie nutzen Sie die neuen sozialen Medien und was halten Sie davon?

Kalb: WhatsApp und Facebook. Persönliche Treffen und Gespräche sind mir aber lieber.

Sieben Fragen an Ulrich Fahrner
Ulrich Fahrner tritt in Dinkelscherben als Bürgermeisterkandidat der CSU an.
Bild: Privat

1. Welches ist das wichtigste Vorhaben, das Sie als Bürgermeister anpacken wollen?

Ulrich Fahrner: Das Trinkwasserproblem muss endlich gelöst, die vorhandenen Gewerbeflächen nachhaltig genutzt werden. Energisch angepackt werden muss jedoch in den nächsten Jahren der innerörtliche Verkehr. Ich arbeite für eine Verkehrsplanung, mit allen staatlichen Stellen zusammen und nutzen deren Kompetenz und vertrete entschlossen alle unsere Interessen.

2. Wenn Sie sich für Ihre Gemeinde etwas wünschen könnten, was wäre das?

Fahrner: Eine lebendige Gemeinde, die ihren Bürgern Lebensqualität bieten kann von hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten, sauberem Wasser, einer optimalen ärztlichen Versorgung über ein außergewöhnlich qualitätvolles Kultur- und Freizeitangebot bis hin Ortsbildern in Dinkelscherben und seinen Ortsteilen, die beispielhaft sind und der Natur Raum geben.

3. Was muss für die wachsende Zahl der älteren Bürger getan werden?

Fahrner: Das Fachärzteangebot muss „Chefsache“ werden. Rückkehr einer Zahnarztpraxis nach Dinkelscherben, Erhalt der bestehenden Facharztstruktur in der Gemeinde. Eine Beteiligung des Marktgemeinderates bei der Zukunftssicherung des „Spitals“. Und familien-, behinderten- und seniorengerechte Gestaltung der öffentlichen Räume.

4. Was würden Sie mit Ihrem Leben machen, wenn Sie noch einmal 20 Jahre alt wären?

Fahrner: Für unsere Gemeinde und die Gesellschaft politisch aktiv sein und mich als Bürgermeister bewerben, denn unser Staat lebt vom gesellschaftlichen Konsens in den Gemeinden, hier ist es möglich, seine Umwelt aktiv und mit sichtbarem Erfolg zu gestalten.

5. Welche positiven Eigenschaften würden Sie bei einem Bewerbungsgespräch nennen?

Fahrner: Die Stärke meines Handelns in der Politik liegt im Zusammenführen von vermeintlichen Gegensätzen. Bürgerwille und Gemeinwohl, Heimat und Weltoffenheit, Tradition und Moderne, Fortschritt und Nachhaltigkeit – dort, wo andere Gegensätze konstruieren, praktiziere ich den gerechten Ausgleich.

6. Was sind Ihre persönlichen Untugenden?

Fahrner: Teilweise bin ich ungeduldig und möchte meine Zeit nicht mit ideologisch überhöhten Diskussionen verschwenden. Ich nehme mir am liebsten Zeit für konkrete, fachlich fundierte Gespräche.

7. Wie nutzen Sie die neuen sozialen Medien und was halten Sie davon?

Fahrner: Soziale digitale Medien nutze ich zum Veröffentlichen meiner Ideen und Konzepte. Sie ersetzen für mich aber in keiner Weise das persönliche Gespräch. Für mich bergen die sozialen Netzwerke Gefahren und Potenziale, die es abzuwägen gilt.

Sieben Fragen an Markus Weil
Der 39-jährige Markus Weil will Bürgermeister in Dinkelscherben werden. Die Freien Wähler und die SPD unterstützen seine Kandidatur.
Bild: Foto: Markus Weil

1. Welches ist das wichtigste Vorhaben, das Sie als Bürgermeister anpacken wollen?

Markus Weil: Eine nachhaltige Marktgemeindeentwicklung und Daseinsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger. Eine Priorisierung der Maßnahmen ist nicht sinnvoll, da grundsätzlich erst einmal die Rahmenbedingungen stehen müssen und viele Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden müssen.

2. Wenn Sie sich für Ihre Gemeinde etwas wünschen könnten, was wäre das?

Weil: Ein größeren finanziellen Spielraum, um wichtige Maßnahmen schnell und gezielt umsetzen zu können. Aber insbesondere auch mehr Gehör der Landes- und Bundesregierung. Die große Politik geht meist an den Kommunen vorbei, das kommunale Interesse muss stärker in die Politik eingebunden werden.

3. Was muss für die wachsende Zahl der älteren Bürger getan werden?

Weil: Die kommunale Pflege muss dringend gestärkt werden. Das Hospitalstift muss nachhaltig aufgestellt und ausgestattet werden. Um dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenzuwirken, muss jetzt eine kommunale Fachkräftestrategie entwickelt und Ausbildungsmöglichkeiten für die Pflege geschaffen werden.

4. Was würden Sie mit ihrem Leben machen, wenn Sie noch einmal 20 Jahre alt wären?

Weil: Ich habe mit meiner Familie ein wunderbares Leben und bin nicht sicher, ob ich noch mal 20 Jahre alt sein möchte. Das Leben ist ein komplexer Prozess, in dem man stetig wächst, ich schaue lieber in die Zukunft und lerne aus den Ereignissen aus der Vergangenheit.

5. Welche positiven Eigenschaften würden Sie bei einem Bewerbungsgespräch nennen?

Weil: Ich bin ein weltoffener und pragmatischer Mensch. Mit Sachlichkeit komme ich zu zielorientierten und tragfähigen Lösungen. Ich bin optimistisch, interkulturell sowie kooperativ. Durch meine Erfahrungen in der weltweiten Seefahrt kann ich mit neuen und teils schwierigen Situationen umgehen.

6. Was sind Ihre persönlichen Untugenden?

Weil: Ich bin teils eigensinnig und manchmal auch etwas bequem. Durch meine Aufenthalte im Ausland und auf den Schiffen bin ich auch manchmal etwas übervorsichtig.

7. Wie nutzen Sie die neuen sozialen Medien und was halten Sie davon?

Weil: Ich nutze soziale Medien, um mich zu informieren und um Informationen zu verbreiten. Neue Medien sind aus meiner Sicht immer mit einer gewissen Skepsis zu sehen, da sie auch viele Fehlinformationen verbreiten können. Sie bringen aber, wenn man mit ihnen respektvoll umgeht, gerade in der globalen und vernetzten Welt, auch viele Vorteile mit sich.

Auch die ÖDP will in Dinkelscherben in den Gemeinderat

„Unsere Grundpfeiler sind neben dem Schutz und der Neuanlage von natürlichen Lebensräumen eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft und Verwaltung“, erklärt Ortsvorsitzender Bernhard Streit. Die ÖDP möchten die Gemeinschaft stärken und Jung und Alt unterstützen. Dazu gehörten die Forcierung einer Verkehrswende und die Förderung von Ökologie und Nachhaltigkeit.

Konkrete Projekte sind die Förderung von sicheren Radstrecken und von Fahrgemeinschaften. Als schnell umsetzbarer und kostengünstiger Beitrag zur Verkehrswende will die ÖDP Mitfahrerbänke einrichten. Die Unterstützung von regionaler und ökologischer Landwirtschaft, auch durch Angebotserweiterung, sowie Schutz und Neuanlage von naturnahen Ökosystemen, zum Beispiel Streuobstwiesen, Blühwiesen und Hecken, ist der ÖDP ein Anliegen. Mit der Einrichtung eines Gemeinschaftsgartens soll ein Freizeitangebot für Jung und Alt geschaffen werden. Im Gemeinderat sollen ökosoziale Kriterien für die Entscheidungen und Anträge der ÖDP maßgeblich sein.

Grüne wollen neue Politik in Dinkelscherben

Der neue Ortsverband der „Grünen“ will für Dinkelscherben eine neue Politik. Neu daran sollen echte Schwerpunkte grüner Themen sein. Ein Aspekt werde sein, die Natur im Gemeindegebiet als Lebensgrundlage und Chance zu erhalten. Dabei dürften Landwirtschaft und Naturschutz nicht politisch gegeneinander ausgespielt werden. Sie müssten zum Herzstück der Politik in Dinkelscherben werden. Regionale Wirtschaftskreisläufe sollen gestärkt, die Nachfrage nach regionalen Produkten erhöht werden. Zudem arbeiten die Grünen daran, das Mobilitätsverhalten in Dinkelscherben an „zeitgemäße Anforderungen“ anzupassen.

Dafür sei eine massive Erweiterung des ÖPNV nötig. Dies und intelligente, sichere Radwege für das Gemeindegebiet sowie eine breite Nahversorgung im Ortszentrum selbst sollen laut ermöglichen, dass das Auto zu Hause stehen bleiben darf. Zudem sollen im Rahmen einer modernen Ortsentwicklung auch die Angebote für alle Generationen verbessert werden, von der Kita bis zum Hospital. Kindern, älteren Menschen und auch der Jugend soll mehr Raum gegeben werden. Geht es nach den Grünen, soll Dinkelscherben „Energiedorf“ werden.

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