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Biberbach

02.06.2019

Aufsteiger bildet eine verschworene Einheit

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2 Bilder
Ihren Zusammenhalt demonstrierten die Fußballfrauen des SC Biberbach während der gesamten Saison 2018/19 und schafften als Aufsteiger den Durchmarsch in die Landesliga. 
Bild: SC Biberbach

Fabian Wolf, Trainer der Biberbacher Frauenmannschaft, erklärt, wie seine Mannschaft nach schweren Verletzungen noch enger zusammengerückt ist

Als aktiver Kicker des Bezirksligisten TSV Meitingen versucht Fabian Wolf seit zwei Jahren vergeblich, mit seiner Mannschaft in die Landesliga zurückzukehren. Als Trainer der Fußball-Frauen des SC Biberbach hat er dieses Kunststück nun geschafft. Bereits vor dem letzten Spieltag hat der Aufsteiger die Meisterschaft in der Bezirksoberliga und den Aufstieg in die Landesliga in trockene Tücher gebracht. Wie es dazu gekommen ist, dass der Wahnsinn Wirklichkeit wurde, erklärt er im Interview.

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Hallo, Herr Wolf. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Landesliga. War das geplant?

Fabian Wolf: Niemals. Ein Aufstieg war nie zur Debatte gestanden. Erst als es rechnerisch möglich war, gegen Ottobeuren aus eigener Kraft das Unmögliche möglich zu machen, haben wir daran geglaubt. Wir wollten ursprünglich eigentlich nur die Gegner ärgern, die oben mitspielen wollten.

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Und dann kam alles ganz anders. Warum ist es so gut gelaufen?

Wolf: Ich glaube, dass wir zunächst einmal die Euphorie des Aufstiegs aus der Bezirksliga mitgenommen haben. Dann hat uns auch die Konkurrenz ein bisschen unterschätzt. Die Hinrunde war ein Selbstläufer, in der Rückrunde haben wir uns schwerergetan. Aber wir haben uns nie Druck gemacht und sind immer cool geblieben. Wir wären auch mit Platz zwei oder drei zufrieden gewesen. Aber die Mannschaft, die ausschließlich aus Biberbacher und Erlinger Eigengewächsen besteht, ist zu einer verschworenen Einheit zusammengewachsen. Wegweisend waren dann die beiden Siege gegen Königsbrunn. Ein Spaziergang war es keiner, aber am Ende war es absolut verdient. Wahnsinn, was für einen Charakter sie gezeigt haben. Ein Kompliment an meine Mädels. Ich bin stolz, diese Mannschaft trainieren zu dürfen.

Welche Rolle hat es gespielt, dass mit Vanessa Straub, Franziska Behrendt und Theresa Küchelbacher drei Stammspielerinnen mit Kreuzbandrissen ausgefallen sind?

Wolf: Das war natürlich zunächst ein brutaler Rückschlag. Vannessa hat uns fast im Alleingang in die Bezirksoberliga geschossen, Franziska kam als Torjägerin des FC Horgau zu uns. Nach einigen Spielen kam dann mit Theresa der dritte Kreuzbandriss dazu. Das Team ist dadurch aber noch enger zusammengerückt, hat Stärke gezeigt und weiter Gas gegeben. Wir hatten keine Stars, sondern ein Kollektiv. Ich stelle mir oft die Frage: Was wäre gewesen, wenn dieses Trio dabei gewesen wäre?

In der letzten Saison war es noch eine Spielgemeinschaft mit Biberbach und Erlingen. Warum ist das jetzt nicht mehr?

Wolf: In der Bezirksoberliga gibt es keine Spielgemeinschaften mehr. So musste der SC Biberbach die Federführung übernehmen und alle Erlinger Spielerinnen dorthin wechseln. Die Unterstützung ist aber von beiden Vereinen da. Immerhin spielen zwei Töchter von Biberbachs Bürgermeister und SCB-Vorsitzenden Wolfgang Jarasch in der Mannschaft.

Es gibt ja weitere familiäre Verknüpfungen innerhalb des Teams, oder?

Wolf: Das stimmt. Meine Schwester Alina ist der Kapitän, die derzeit verletzte Theresa Küchelbacher ist die Schwester von Co-Trainer Andreas Küchelbacher. Und meine Freundin spielt auch mit (lacht). Diese drei haben aber eher einen schweren Stand, weil man von diesen Personen mehr verlangt.

Wie sieht es denn für die kommende Saison mit Neuzugängen aus?

Wolf: Grundsätzlich soll die Mannschaft, die diesen Erfolg erreicht hat, diesen Erfolg auch genießen. Zudem hoffen wir, dass unsere Verletzten wieder nach und nach zurückkommen. Wenn aber jemand kommen will, sind alle Türen offen.

Wie schätzen Sie die Chancen in der Landesliga ein?

Wolf: Als ich die Vorrundenergebnisse des SSV Anhausen gesehen habe, der ja vergangenes Jahr aufgestiegen ist, bin ich schon erschrocken. Aber die Mannschaft hat in der Frühjahrsrunde gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenhalt möglich ist. Wir lassen das Ganze auf uns zukommen, stürzen uns in das Haifischbecken der Landesliga, wollen die Gegner weiter ärgern. Wunschdenken wäre es natürlich, die Klasse zu halten. Es kann aber durchaus sein, dass wir manchmal auch Kanonfutter abgeben. Wir sind ein kleiner Dorfverein, und wir wissen, wo wir herkommen.

Sie selbst spielen ja noch beim TSV Meitingen in der Bezirksliga. Wie sind da die Prioritäten gesetzt?

Wolf: Ganz klar: Es war immer schon so, dass ich alles für meinen Heimatverein TSV Meitingen geben werde. Wir werden alles versuchen, die Spiele der Frauen so zu legen, dass ich selbst meinem eigenen Fußball nachgehen kann. Selbst spielen oder Trainer – ich mache beides gleich gerne und wüsste nicht, wie ich mich entscheiden würde, wenn es wirklich mal kollidiert. (Kurze Pause.) Ich glaube, ein Spitzenspiel mit dem TSV Meitingen würde ich schon vorziehen. Ich habe ja mit meinem Co-Trainer Andi Küchelbacher einen würdigen und kompetenten Vertreter.

Zuletzt habt ihr im Pokal beim FC Loppenhausen mit 1:4 verloren. War die Luft raus?

Wolf: Wir haben den Pokal schon ernst genommen und hätten auch gerne das Finale gehabt, weil es dann wahrscheinlich bei uns stattgefunden hätte. Aber nachdem wir dreieinhalb Tage und Nächte den Aufstieg gefeiert haben, waren wir nicht so wirklich auf der Höhe. Das hat schon Spuren hinterlassen.

Und der Feiermarathon geht nach dem letzten Punktspiel weiter, oder?

Wolf: Richtig. Wir werden zum letzten Spiel beim FC Augsburg am Samstag um 17 Uhr mit dem Zug anreisen. Anschließend geht es in die Augsburger Innenstadt. Ich weiß allerdings nicht, was die Spielerinnen da organisiert haben. Da lasse ich mich einfach mal überraschen.

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