Fußball-Nachlese

26.11.2013

Unter der Gürtellinie

Auf tiefem Boden beharkten sich die Akteure nicht nur auf dem Spielfeld, sondern teilweise auch verbal unter der Gürtellinie.
Bild: Oliver Reiser

Nach dem Schlusspfiff der Partie Herbertshofen gegen Auerbach gibt es noch Tumulte und eine Rote Karte. Beim TSV Neusäß ist der nächste Torwart verletzt

Landkreis Augsburg Eine magere Ausbeute an stattgefundenen Spielen gab es am vergangenen Wochenende in der Region. Die Menge an Spielabsagen und die schlechte Wetterprognose haben Norbert Miesbauer, den Kreisspielleiter Donau, nun dazu veranlasst, alle Ligen im Kreis Donau von den Kreisligen abwärts in die Winterpause zu schicken. „Der Kreis Donau geht ab sofort wegen der schlechten Wetterverhältnisse und zur Schonung der Sportstätten in die Winterpause“, teilte Miesbauer gestern mit. Sein Kollege Reinhold Mießl, der die Augsburger Nordwest-Spielklassen leitet, ist da anderer Meinung (siehe „Nachgefragt“).

Das Thema Spielabsagen ist fast schon so alt wie der Fußball. Wenn man die Verhältnisse am Sonntag vor zwei Wochen, als bei teilweise irregulären Bedingungen Wasserball gespielt wurde, und an diesem Wochenende, als viele Spiele bereits am Samstag abgesagt wurden, vergleicht, bleiben durchaus Zweifel, ob Absagen immer nur nach den Platzverhältnissen entschieden werden. Altgediente Fußballer erinnern sich, dass früher selbst bei Schnee und Eis gekickt wurde. „Bei zehn Zentimeter Schnee hat man die Linien geräumt, bei 20 Zentimeter den ganzen Platz.“

Für Andreas Seiler, Trainer beim VfL Zusamaltheim, kommt die flächendeckende Absage im Kreis Donau überraschend. „Es ist schade, gerade wenn man sich das Wetter heute anschaut“, meinte Seiler gestern Mittag. Er sieht eine Wettbewerbsverzerrung, wenn die Spiele im kommenden Frühjahr nachgeholt werden müssen. „Wenn unter der Woche gespielt wird, gibt es Mannschaften, bei denen Studenten oder Schichtarbeiter dann nicht mitspielen können“, erklärt er. Auch vermutet er Probleme, wenn zu Auswärtsspielen gefahren werden muss. Besser wäre es, wenn die Saison früher beginnen würde.

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Der späte Saisonstart der Kreisliga West (19. August) ist auch für Oliver Osterhoff, den Abteilungsleiter des SC Altenmünster, unverständlich. Trotz vieler Wünsche von Mannschaften, bereits Anfang August in die neue Runde zu starten, wurde dem nicht entsprochen.

Keine Ausreden hatte man beim TSV Meitingen nach der 2:3-Niederlage beim Abstiegskandidaten SV Ettenbeuren. Der besten Saisonleistung folgte die schlechteste. Auch der TSV Dinkelscherben ging auf tiefem Boden beim FC Ehekirchen leer aus. Bei der 1:2-Niederlage der Lila-Weißen traten die gut leitende Schiedsrichterin Karin Weber und ihr Assistent schon in der elften Minute mit einer ungewöhnlichen Aktion in den Mittelpunkt: Die Unparteiische pfiff zunächst ein Foulspiel im Strafraum der Gäste und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Während sich die Ehekirchener schon über den Strafstoß freuten und sich ein Spieler schon den Ball zurechtlegen wollte, legte der Linienrichter aber sein Veto ein. Denn der Assistent hatte vor dem Pfiff schon wegen einer Abseitsstellung die Fahne gehoben. Somit revidierte Karin Weber ihre Entscheidung.

Hakan Senyuva bei Türkspor Augsburg im Gespräch

Als Einziger der drei Bezirksligisten aus dem Augsburger Land konnte der TSV Neusäß einen Sieg einfahren. Beim 4:1 gegen den FC Lauingen zeigten sich die Lohwaldkicker vor den Augen ihres künftigen Trainers Marco Löring von ihrer besten Seite. Vor allem Daniel Scherer, der erneut zwei Treffer beisteuerte und damit in den letzten vier Spielen insgesamt fünfmal getroffen hat. „Daniel entwickelt sich immer weiter“, freut sich Günther Hausmann. Sorgen machen muss sich der sportliche Leiter um Hakan Senyuva. Zwischen den künstlichen Grashalmen hörte man es wachsen, dass der Torjäger, der nach seiner Einwechslung den elften Saisontreffer markierte, mit dem Ligakonkurrenten Türkspor Augsburg in Verbindung gebracht wird. „Es gab wohl Gespräche“, so Hausmann, „aber wir werden uns bemühen, dass wir ihn halten können.“ Nicht mehr zu halten waren Angelo Arabia und Michael Schlotterer, die sich in der Winterpause zur DJK Lechhausen verabschieden werden.

Noch größer sind die Sorgen von Günther Hausmann geworden, wenn es um die Besetzung des Postens zwischen den Pfosten geht. Im Spiel der zweiten Mannschaft hat sich nämlich Alex Böhm die Hand gebrochen. Ursprünglich war Böhm für einen Einsatz in der Ersten vorgesehen. Nachdem das Spiel der JFG Lohwald abgesagt wurde, trat aber A-Jugend-Keeper Benedikt Schrettle in der Bezirksliga-Truppe an, weil er – im Gegensatz zu Böhm – für die Reserve nicht spielberechtigt gewesen wäre.

Rudelbildung und Rote Karte nach dem Schlusspfiff

Dass es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sehr hitzig zugehen kann, zeigte sich nach dem Schlusspfiff der Partie TSV Herbertshofen gegen die SpVgg Auerbach/Streitheim. Da gab es nämlich Tumulte und Rudelbildung. Als sich die Auerbacher noch über ihren 2:1-Sieg freuten, der durch einen umstrittenen Elfmeter zustande kam, wurde deren Spielertrainer Fabian Herdin plötzlich von hinten geschubst. Im allgemeinen Gerangel der einsetzenden Rudelbildung ging Herdin zu Boden, und Vedran Zeba sah von Schiedsrichter Jürgen Hajek die Rote Karte. Die Herbertshofer Version sieht anders aus. Demnach soll der TSV-Spieler André Prues in den Unterleib getreten worden sein. „Vedran Zeba hat den Auerbacher dann weggeschubst und dafür Rot gesehen“, so Oliver Dyka, der Trainer des TSV Herbertshofen. Schon während des Spiels hatte es verbale Gefechte gegeben. „Wir sind auch keine Unschuldslämmer“, war Fabian Herdin entsetzt, „aber die Verhaltensweise einiger Herbertshofer Spieler war unter der Gürtellinie.“

Entzündet hatte sich der Zwist an einer Strafstoßentscheidung. „Der Schiedsrichter hat auf Zuruf entschieden, nachdem Florian Rauscher den Ball außerhalb des Strafraums an den Po geschossen bekam“, schildert Oliver Dyka die Szene, die zum Handelfmeter und zur Entscheidung führte. „Nur wenige Minuten später hat ein Auerbacher Spieler einen Schuss mit dem Unterarm abgewehrt, und es gab keinen Elfmeter“, so der Herbertshofer Coach weiter. „Klar, dass in der Enttäuschung emotionale Sachen passieren.“ Oliver Dyka räumt dabei durchaus ein, „dass jeder das so ein bisschen durch seine Vereinsbrille sieht“. Das Sportgericht wird eine Entscheidung fällen.

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