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Parken

13.05.2019

Anwohner ärgern sich über Knöllchen-Flut in Inningen

In Inningen wurden zuletzt besonders viele Strafzettel verteilt – zum Ärger der dortigen Bewohner.
Bild: Bernd Hohlen (Archiv)

Plus Parküberwacher kontrollierten in Inningen zuletzt intensiv. Fast jeder, der in manchen Bereichen ein Auto besitzt, musste bereits einen Strafzettel bezahlen.

Am „Forellenbach“ in Inningen liegen die Nerven blank. Über viele Jahre haben die Anwohner hier geparkt, oft nicht ganz legal, mit zwei Rädern auf dem Gehsteig. Gestört hat es angeblich niemanden, man hat sich arrangiert, heißt es. Und mit einem Mal kommt die Augsburger Parkraumüberwachung in die Nachbarschaftsidylle – fast jeder, der hier ein Auto besitzt, hat schon einen Strafzettel bekommen, manche mehrere. Das Thema wurde auch beim Bürgergespräch für Inningen und Bergheim angesprochen, doch die versprochene Lösung zeichnet sich noch nicht ab.

Die Straße ist schmal, wenn hier Autos stehen, muss man Zickzack fahren. An diesem Nachmittag ist sie wie leer gefegt. Während die Nachbarsträßchen zugeparkt sind, ist „Am Forellenbach“ autofrei. Der Einsatz zunächst vom Ordnungsdienst und später der Polizei hat Eindruck hinterlassen.

Anwohner in Inningen: Kontrollen begannen am 14. März

Genau am 14. März haben die Kontrollen begonnen, berichtet eine Anwohnerin. Sie weiß das noch so genau, weil die Kontrolleure eine komplette Geburtstagsgesellschaft abkassiert haben. Von da an kamen sie immer wieder, bis es auch der Letzte kapiert hatte. Die Straße am Ortsrand ist eine Besonderheit – durch sie müssen die Landwirte fahren, wenn sie auf ihre Felder wollen. „Früher hat der Landwirt an der Haustüre geklingelt und man ist schnell weggefahren, man kennt sich ja schließlich“, sagt eine Anwohnerin.

Doch offenbar wurde es jemandem jetzt zu bunt – dem Einsatz der Blauen gingen mehrere Beschwerden voran, sagt Ordnungsamtschef Andreas Bleymair. Man habe vier Wochen lang intensiv kontrolliert und dabei eine Vielzahl von Parkverstößen festgestellt. „Wir sind verpflichtet, solchen Beschwerden nachzugehen“, erklärt er. Auch wenn in dem Gebiet kein ausdrückliches Parkverbot besteht, ist die Straße so schmal, dass neben parkenden Autos nicht die für Rettungsdienste und Feuerwehr notwendigen 3,05 Meter Abstand zum Straßenrand übrig bleiben.

Dass es jetzt zu diesem Problem kommt, liegt vermutlich an einem Grundstückseigentümer in der Nähe. Denn bis vor kurzem konnten die Landwirte über seine Privatstraße zu ihren Feldern fahren und mussten nicht durch die enge Wohnstraße. Doch weil es wohl Probleme gab, versperrt jetzt ein Poller diesen Weg. Das bedeutet: Die Landwirte fahren vermehrt durch den Forellenbach. Und brauchen dazu Platz.

Die Anwohner am „Forellenbach“ sind sauer. Ihre Straße wird ständig kontrolliert – es hagelt Knöllchen.
Bild: Annette Zoepf

Beim Stadtteilgespräch hatte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) den Betroffenen versprochen, dass sich die Stadt die Situation bei einem Ortstermin anschaut und nach einer Lösung sucht. Bis dahin werde das Ordnungsamt die Kontrollen unterbrechen. „Wir kontrollieren dort derzeit nicht mehr“, sagt Bleymaier. Was den Anwohnern aber nicht weiterhilft, denn seitdem verteilt die Polizei dort Strafzettel, wie die Anwohner klagen. Den versprochenen Ortstermin gab es bislang noch nicht.

Augsburger Anwalt: Anfechten ist meistens nicht erfolgsversprechend

Der Augsburger Verkehrsrechtsanwalt Stefan Reinecke kennt solche Fälle aus seiner täglichen Praxis. Rechtlich sei da nicht viel zu machen, sagt er. „Es kommt im einen oder anderen Fall vor, dass ein Einspruch gegen den Strafzettel vor Gericht Erfolg hat, aber das sind absolute Einzelfälle.“ Grundsätzlich dürfe man nicht auf dem Gehweg parken und der Mindestabstand müsse gewahrt bleiben. Solche Probleme gebe es an vielen Stellen der Stadt – lösen müsse sie die Politik. So böte sich in Inningen an, den ohnehin schmalen Gehweg auf einer Seite wegzunehmen und so die Straße breiter zu machen.

Ein weiterer Fall von „Parkproblemen“ spielt im südlichen Univiertel. Nach einem Tiefgaragenbrand in der Heini-Dittmar-Straße müssen dort rund 70 Tiefgaragennutzer ihre Fahrzeuge vorübergehend auf der Straße abstellen. „Genau zwei Tage später rückte auch schon der Parkraumüberwachung der Stadt Augsburg an und hat an die zahlreich in dem verkehrsberuhigten Bereich parkenden Verkehrsteilnehmer Verwarnungsgelder über zehn Euro verhängt“, beschwert sich ein Betroffener. Er hoffe nicht, dass es die Stadt nötig habe, „ihre Einnahmensituation auf derart schäbige Weise aufzubessern, indem die Notlage ohnehin bereits durch den Brand geschädigter Menschen ausgenutzt wird“, schreibt der Mann in einem Brief an den OB.

Das Univiertel ist ein Brennpunkt, was die Beschwerden angeht, sagt dazu Andreas Bleymaier. „Es gibt dort einfach zu wenig Parkraum.“ Aus diesem Grund werde das Gebiet drei- bis viermal die Woche von seinen Mitarbeitern kontrolliert. „Es geht nicht darum, jemanden abzuzocken, sondern die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs zu gewährleisten“, sagt er.

Im Fall der Brandgeschädigten könne er auch keine Ausnahme machen. „Woher sollen meine Mitarbeiter wissen, welcher Falschparker von dem Brand betroffen war?“, fragt er. Und auch wenn in besonderen Fällen auf die Eintreibung eines Bußgeldes verzichtet werden könne – bei einer mehrwöchigen Tiefgaragensanierung käme das nicht in Frage. Im Einzelfall rät er, mit dem Ordnungsamt zu sprechen. Wer wegen eines Notfalls kurz falsch geparkt habe, werde in aller Regel kulant behandelt.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Knöllchen-Flut in Inningen: Die Politik muss eine Lösung finden

Lesen Sie auch: Falschparker werden häufiger zur Kasse gebeten

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13.05.2019

Ist schon eigenartig wenn sich Bewohner wegen Falschparken beschweren. Wären es Fremde, wäre der Schrei nach der Parkraumüberwachung groß. Vielleicht sollten die Anwohner sich mal Gedanken bei einem Noteinsatz von Rettungsdiensten und Feuerwehr Gedanken machen! Sollen die auch dann bei den Anwohnern klingeln, damit sie durch die Strassen kommen?!?

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