1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Aufruf zu Randale: Wirbel um "Krawall-Reiseführer" für Augsburg

AfD-Parteitag

02.06.2018

Aufruf zu Randale: Wirbel um "Krawall-Reiseführer" für Augsburg

Zuletzt trafen AfD-Anhänger und -Gegner in Berlin aufeinander. Beim Bundesparteitag in Augsburg könnte es Krawalle geben.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Archivfoto)

Vor dem AfD-Parteitag in Augsburg gibt es einen Aufruf zu Randale. Alice Weidel irritiert mit einem Beitrag auf Facebook.

Es ist ein „Reiseführer“ für Augsburg, den es so noch nicht gab: Seit Wochen kann man sich im Internet eine 44-seitige Broschüre herunterladen, die für den Bundesparteitag der AfD am 30. Juni und 1. Juli in Augsburg verfasst worden ist. Das mutmaßlich von linken Aktivisten erstellte Heft trägt den Titel „Reiseführer für Krawalltouristen“ und ist ein offener Aufruf zu Randale. Es sorgt jetzt für einigen Wirbel – und teils für kuriose Reaktionen.

"Krawall-Reiseführer" sorgt für Wirbel vor AfD-Parteitag

Auch Alice Weidel, die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, äußert sich dazu im sozialen Netzwerk Facebook. Insbesondere SPD, Linke und Grüne müssten den Krawall-Reiseführer „unmissverständlich verurteilen“, schreibt sie. Die Parteien würden sich sonst „mitschuldig“ machen an der Gewalt. Das ist eine erstaunliche Forderung, zumindest was die Sozialdemokraten angeht. Denn die SPD taucht in der Broschüre auch als mögliches Anschlagsziel auf. Die Autoren kritisieren die SPD für die aus ihrer Sicht zu rigorose Asylpolitik der Bundesregierung. Genannt werden die Anschriften der SPD-Parteizentrale in Augsburg und des Büros der Stadtratsfraktion.

Alice Weidel kritisiert, die „etablierten Medien“ würden das Thema verschweigen. Die Kritik der AfD-Politikerin kam aber erst vier Tage nach einem Bericht unserer Redaktion über den „Reiseführer“ und die Vorbereitungen der Polizei auf den Parteitag. Auf Nachfrage teilt ihr Büro mit, diesen Bericht habe man „nicht wahrgenommen“. Korrigiert wurde der Facebook-Beitrag allerdings nicht. Alice Weidel fordert zudem Ermittlungen des Generalbundesanwalts und eine Aufklärung, aus welchen Quellen die für die Broschüre „erforderlichen erheblichen Finanzmittel“ stammen. Ermittelt wird in dem Fall bereits. Allerdings von der Augsburger Polizei. Bislang ist jedoch unklar, wer dahinter steckt. „Wir ermitteln gegen unbekannt“, sagt Polizeisprecher Thomas Rieger.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Aktivisten geben Hinweise, wie man Autos anzündet

In dem Heft werden unter anderem Hinweise darauf gegeben, wie Autos angezündet und Wurfgeschosse gebaut werden können. Zudem werden zahlreiche mögliche Ziele für Anschläge genannt, darunter Privatadressen von AfD-Mitgliedern, Behörden, Polizeiinspektionen und Denkmäler. Der Pressesprecher der Polizei sagt: „Wir sind gezwungen, dass wir die Objekte, die angesprochen sind, auch schützen.“ Denkbar sei ein sogenannter Raumschutz mit mobilen Kräften in einem bestimmten Bereich oder der spezielle Schutz besonders gefährdeter Objekte, bei dem Polizisten unmittelbar vor Ort sind.

Um den "Krawall-Reiseführer" zum AfD-Parteitag gibt es derzeit heftige Diskussionen.
Bild: Jörg Heinzle

Dass für Erstellung des Heftes eine Menge Geld und ein kriminelles Netzwerk nötig waren, wie Alice Weidel spekuliert, glauben die Ermittler nicht. So etwas könne eine engagierte Einzelperson oder eine kleine Gruppe auf die Beine stellen, sagt ein Beamter. Fast alle Informationen, die in dem Führer auftauchen, sind im Internet frei zugänglich und einfach zu finden. Auch die Anleitungen zum Bau von Wurfgeschossen wurden von anderen linksextremen Internetseiten übernommen. Die Gestaltung sei mit einem Grafikprogramm am Computer kein Hexenwerk, so der Beamte.

Das macht es aber auch nicht einfacher für die Polizei: Sie kann nur schwer einschätzen, ob es die Verfasser ernst meinen mit ihren Plänen und wie viele Unterstützer sie haben. Unklar ist auch, wie viele militante AfD-Gegner sich vom Aufruf angesprochen fühlen und ihm folgen werden. Nach aktuellen Stand sollen beim Parteitag der „Alternative für Deutschland“ rund 2000 Polizisten im Einsatz sein.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

 

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

03.06.2018

>> Die Parteien würden sich sonst „mitschuldig“ machen an der Gewalt. Das ist eine erstaunliche Forderung, zumindest was die Sozialdemokraten angeht. Denn die SPD taucht in der Broschüre auch als mögliches Anschlagsziel auf. <<

In Anbetracht der enormen politischen Bandbreite welche die SPD mit ihren Flügeln abdeckt ist das für mich nicht so erstaunlich. Das ist so wie mit Groko und NoGroko.

Im Grunde zeigte diese bemerkenswerte Aufzählung von Anschlagszielen nur die klare linksfaschistische Ausrichtung der Verfasser.

Für mich ein optimistisches Zeichen: Die Existenz dieses Reiseführers spricht für eine weitgehend ungebildete Zielgruppe die sich offensichtlich weder im Internet noch in der realen Welt selbst zurechtfinden kann. Daher muss man Wasserwerfer auch mit blauen Lampen ausstatten, weil die sonst ihre Ziele nicht finden. Die CSU freut sich auf euren Besuch - macht Randale und lasst Bayern im Herbst schwarz wählen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren