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Fall Maddie

05.06.2020

Bekannter über Christian B.: Auf dem Dachboden lagerte er Drogen

Der Augsburger Alexander Bischof (im Bild) ließ Christian B., den Verdächtigen im Fall Maddie, vor 13 Jahren auf seinem Dachboden übernachten.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Zu der Zeit, als Maddie McCann verschwand, pendelte der Tatverdächtige Christian B. zwischen Augsburg und Portugal. Warum zwei Fahrzeuge für den Fall so bedeutend sind.

Eigentlich will Alexander Bischof am Freitag den neuen Motor für seinen alten Jaguar abholen. Doch ständig stehen Reporter vor seiner Tür oder das Telefon klingelt. Er scheint es selbst noch nicht zu begreifen, dass Christian B., den er einst bei sich im Schlachthof-Quartier knapp zwei Jahre lang beherbergt hatte, der mutmaßliche Entführer und Mörder von Maddie McCann sein soll. Die Ermittler interessieren sich in dem spektakulären Fall auch für zwei Autos, die B. zur Tatzeit im Mai 2007 in Portugal benutzt haben könnte – möglicherweise auch bei der Tat selbst. Alexander Bischof kennt die Fahrzeuge gut. Eines davon hat er sogar selbst in Augsburg zugelassen.

Dieses Auto spielt eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen – ein Jaguar, der in Augsburg zugelassen wurde.
Bild: Bundeskriminalamt

Im Fall des seit 13 Jahren verschwundenen Mädchens hoffen die Ermittler jetzt auf Zeugen, die etwas über die Fahrzeuge sagen können. Es geht um einen Jaguar und einen Campingbus. Die dreijährige Maddie verschwand zwar aus einer Ferienanlage an der Algarve-Küste in Portugal. Aber beide Autos sind auch in Augsburg gewesen, weil Christian B. hier in den Jahren 2007 und 2008 – also just zur Tatzeit – zeitweise gelebt hat. Christian B. pendelte damals mehrmals zwischen Augsburg und Portugal.

Der Fall Maddie war mehrfach Thema bei "Aktenzeichen XY... ungelöst"

Am Mittwochabend hat das Bundeskriminalamt in der TV-Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst“ Fotos der Fahrzeuge gezeigt. Auf dem Foto des Jaguars, auberginefarben vom Typ XJR 6, ist im Hintergrund eine Backstein-Fassade zu sehen. Das Bild wurde vor einem Haus im Schlachthof-Quartier aufgenommen. Alexander Bischof hatte es aus der Zeit, als Christian B. hier lebte, noch auf seinem Laptop.

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Als die Kripo vor rund zwei Jahren wegen der Ermittlungen im Fall Maddie bei Bischof anklopfte, wies er die Beamten auf die Fotos hin. Bischof wohnt seit vielen Jahren mit seiner Frau in der alten Wohnung über dem Veterinäramt. Es ist das einzige Gebäude, das die Stadt dort noch besitzt, die Miete ist bezahlbar. Die anderen Klinkerbauten im sanierten und schicken Quartier gehören der Firma Dierig. Das Quartier ist bei Firmen, Verwaltungen und Restaurants heute eine gefragte Adresse.

Alexander Bischof sagt, es sei rund 13 Jahre her, dass sein Freund Hans (Name geändert) ihm eines Tages Christian B. vorstellte. Bischof kann nicht sagen, wie lange die beiden sich zuvor schon gekannt hatten. Er meint aber: „Besonders vertraut schienen sie mir nicht miteinander.“ Rückblickend ist dem 64-Jährigen bewusst, dass diese erste Begegnung mit Christian B. wenige Monate vor dem mysteriösen Verschwinden von Maddie McCann an der Algarve stattgefunden hat. „Zu der Zeit besaß Christian schon den Jaguar. Er hatte ihn von Hans gekauft“, erinnert sich der Rentner.

Alexander Bischof auf dem Dachboden seiner Wohnung, wo Christian B. einige Male übernachtete.
Bild: Bernd Hohlen

Der Verdächtige Christian B. lebte eine Zeit lang in Augsburg

Für die Ermittler im Fall Maddie McCann spielt nicht nur diese Limousine eine wichtige Rolle. Im Fokus haben sie auch einen Multivan T3 von VW. B., 43, der unter anderem wegen Kindesmissbrauchs mehrfach vorbestraft ist und derzeit in Kiel in Haft sitzt, könnte eines der Fahrzeuge bei der Tat benutzt haben, vermuten die Ermittler. Bischof kennt beide Autos. Schließlich standen sie auf dem Parkplatz vor seiner Wohnung. Christian B. nutzte sie für unterschiedliche Zwecke. „Mit dem Jaguar fühlte er sich wohl und war unabhängig. In dem Multivan hat er vor allem gelebt.“ B. habe nur die ersten Nächte bei ihm auf dem separaten Dachboden geschlafen, dann im VW-Bus.

Auch dieser VW-Multivan spielt im Fall der vermissten Maddie eine Rolle.
Bild: Bundeskriminalamt

Der Gast sei oft unterwegs gewesen, sagt Bischof, manchmal auch für ein paar Wochen. Komisch sei ihm das damals nicht vorgekommen. „Er war halt ein ruheloser Mensch.“ Oft sei B. nach Portugal gefahren. „Er war dort auch definitiv mit seinem Jaguar, als das Kind verschwand“, erinnert sich der ehemalige Beamte. Bischof habe nicht den Hauch einer Ahnung gehabt, dass Christian B. ein Gewaltverbrecher sein könnte. Zwar war dem Augsburger klar, dass der Mann mit Drogen dealte und stahl. „Er trocknete bei mir auf dem Dachboden sein Haschisch.“ Bischof verbot es ihm. B. machte im Camper weiter.

Irgendwann wurde es Bischof zu viel. „Ich sagte ihm, dass sich unsere Wege trennen.“ Im Nachhinein wird ihm jetzt einiges deutlich. Auch die Geschichte mit den Autos. Hat Christian B. damals seine Hilfsbereitschaft ausgenutzt, um seinen Bezug zu einem möglichen Tatfahrzeug zu verschleiern? Im Mai 2007 nämlich, habe sich Christian B. aus Portugal bei ihm gemeldet, erzählt Bischof. B. habe ihn gebeten, den Jaguar in Augsburg zuzulassen. Auf Bischofs Namen. „Ich meine, er hat mir damals auch die Fahrzeugpapiere per Post geschickt.“ Bischof ging damit in Augsburg zur Zulassungsstelle – es war am Tag nach der Tat an der Algarve. Warum er B. damals den Gefallen tat? „Ich dachte, wenn er hier in Augsburg Fuß fassen will, dann helfe ich ihm halt.“

Im Fall der seit Jahren vermissten Maddie führt eine Spur nach Augsburg. Alexander Bischof kennt den Verdächtigen und erzählt, wie er von den Ermittlungen erfahren hat.
Video: Jörg Heinzle

Für die Ermittler allerdings steckt hinter der Bitte von Christian B. durchaus Kalkül. „Dieser Umstand ist auffällig. Wollte man mit der Ummeldung etwas verbergen?“, stellt der Braunschweiger Staatsanwalt Christian Wolters die Frage in den Raum. Die Justiz in Braunschweig ist zuständig, weil B. vor der Tat in Portugal seinen letzten Wohnsitz dort hatte. Abwegig ist der Gedanke, dass Christian B. nicht mit dem Jaguar in Verbindung gebracht werden wollte, freilich nicht. Zumal B. wenig später auch noch seinen Multivan weggab. Rund zwei Monate nach dem Verschwinden von Maddie McCann, so erzählt Bischof, habe er sich einen neuen, großen Campingvan zugelegt.

Über den Fall Maddie hat Christian B. mit seinem Bekannten nie gesprochen

Das Bundeskriminalamt hatte den Jaguar schon früh im Visier. Im Jahr 2018 führten die Ermittler bei Alexander Bischof eine Hausdurchsuchung durch, während sich der Augsburger mit seiner Frau im Urlaub auf Mallorca aufhielt. „Man sagte mir, dass es um ein Kapitalverbrechen gehe und man Informationen über Christian bräuchte. Von wem der Jaguar wann genutzt wurde, spielte für die Polizei eine wichtige Rolle.“ Die Kripo nahm den Laptop mit, auf dem er die Fotos gespeichert hatte. Er hatte sie beim gemeinsamen Schrauben an ihren Jaguar-Fahrzeugen mal geschossen.

Die Augsburger Kripo war über die Spur im Mordfall Maddie offenbar nicht informiert. Zumindest war es bei der hiesigen Polizei kein Thema, dass die BKA-Beamten einen Bezug zu Augsburg prüfen. Einmal wurde Bischof aber auf dem Revier in Lechhausen befragt – wohl im Zuge von Amtshilfe. Da erfuhr Bischof auch, dass es um den Entführungsfall Madeleine McCann gehen könnte. Die Beamten fragten, ob ihm der Name „Maddie“ etwas sage. Bischof kannte den Fall. Aber mit Christian B. brachte er ihn nicht in Verbindung. „Christian hat nie über diesen Fall gesprochen.“

Alexander Bischof hat immer noch Kontakt zu seinem Freund Hans, über den er damals Christian B. kennenlernte. Aber nur über Handy. Denn Hans ist ausgewandert. Die Meldung, dass Maddies mutmaßlicher Entführer und Mörder Christian B. sein soll, hat auch Hans erreicht. „Er schrieb mir und entschuldigte sich, dass er mir diesen Typen angeschleppt hat“, berichtet Bischof. „Aber mein Freund ist einer, der jedem helfen will, der Unterstützung braucht.“ Da scheinen der 64-Jährige und sein Kumpel Hans etwas gemeinsam zu haben. Nur seine Frau, erzählt Bischof, habe von Anfang an nichts mit Christian B. zu tun haben wollen.

Hier kam Christian B. in Augsburg unter.
Bild: Silvio Wyszengrad

Es klingelt wieder an Tür der Wohnung im Schlachthof-Quartier. Ein Reporter fragt, ob er kurz rein darf. Bischof blickt kurz auf die Uhr, schließlich muss er den neuen Motor in einer Werkstatt holen. Aber er will nicht unhöflich sein. Einer, meint er, geht schon noch.

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