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Coronavirus

02.04.2020

Corona-Krise: So hat sich die Arbeit von Rettern in Augsburg geändert

Die Arbeit der Augsburger Feuerwehr hat sich in der Corona-Krise verändert. Die Berufsfeuerwehr betont aber, uneingeschränkt für die Bürger da zu sein.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Feuerwehr und Rettungsdienste haben Maßnahmen ergriffen, um Mitarbeiter und Risikogruppen zu schützen. Zu einem speziellen Einsatz müssen sie seltener ausrücken.

Neulich rückte die Augsburger Berufsfeuerwehr zu einem Kellerbrand in Hochzoll aus. Kein außergewöhnlicher Einsatz eigentlich, die Feuerwehrleute löschten das Feuer, entlüfteten das Gebäude, ein Anwohner kam wegen einer möglichen Rauchgasvergiftung vorsorglich ins Krankenhaus. So etwas passiert oft. Später aber schrieb die Feuerwehr in einer Meldung über den Standard-Vorfall den ungewöhnlichen Satz, man sei weiterhin "uneingeschränkt für die Bürger da", auch in Zeiten wie diesen. Was natürlich stimmt. Doch die Arbeit von Einsatzkräften wie der Feuerwehr oder den Rettungsdiensten hat sich in der Corona-Krise auch verändert.

Feuerwehrmann Anselm Brieger formuliert es so: Im Prinzip mache man nach wie vor den gleichen Job, sämtliche Funktionen seien besetzt. Doch im Detail ist bei der Augsburger Berufsfeuerwehr zur Zeit manches anders. So sind die einzelnen Schichten klar getrennt, sodass die jeweiligen Feuerwehrleute keinen Kontakt mehr zueinander haben. Dies regeln auch andere Berufsgruppen so, damit im Fall einer Infektion mit dem Coronavirus nur eine Schicht betroffen ist – und nicht der ganze Betrieb. Zudem habe man nun intensivere Hygienemaßnahmen, sagt Brieger. Drei Mal täglich würden auf der Wache etwa Kontaktflächen wie Türgriffe desinfiziert.

Corona-Krise in Augsburg: Rettungsdienste passen auf

Vor allem aber hat die Feuerwehr die Einsatzregeln etwas angepasst. Sensible Bereiche, sagt Brieger, würden nur mit einer geringen Personenzahl betreten. Etwa Seniorenheime. Es geht auch darum, dass die Risikogruppen dort nicht von einer Einsatzkraft angesteckt werden, die von einer etwaigen Infektion möglicherweise noch gar nichts weiß. Erst, wenn größere Maßnahmen anstünden, gehe man mit voller Mannschaft rein. Ansonsten sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Arbeit der Feuerwehr bislang überschaubar. Eine deutliche Veränderung im Einsatzaufkommen gebe es bislang nicht, sagt Brieger. Aber ein bisschen weniger Einsätze wegen Brandmeldeanlagen in Firmen; eine Folge der Tatsache, dass viele Beschäftigte gerade im Homeoffice sind.

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Auch die Rettungsdienste der Stadt haben ihre Vorgehensweise durch die Corona-Krise etwas verändert. Auf Hygienemaßnahmen wird nun noch genauer geachtet als ohnehin schon, "unsere Arbeiten dauern länger", sagt Lothar Ellenrieder, Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz in Augsburg. Der Schutz der Mitarbeiter nehme einen hohen Stellenwert ein, das koste Zeit. Die Mitarbeiter, sagt Ellerieder, trügen nun immer Maske, Schutzbrille, Handschuhe – auch wenn es um einen Herzinfarkt gehe. Es werde nun auch noch genauer desinfiziert; man wolle verhindern, dass sich einer der Mitarbeiter infiziere. Wenn ein mit dem Coronavirus infizierter Patient ins Krankenhaus transportiert werde, gebe es für die Beschäftigten des Rettungsdienstes eine Schutzkleidung, die nach dem Einsatz entsorgt werde. Das Vorgehen bei Corona sei das Gleiche wie bei Infleunza, "die Schutzmaßnahmen sind total ähnlich".

Coronavirus: Mehr Infekttransporte für das Rote Kreuz

Lothar Ellenrieder vom Roten Kreuz sagt, es gebe aktuell deutlich mehr sogenannter Infekttransporte als zur normaler Zeit. Das heißt: Die Rettungsdienste der Stadt, neben dem Roten Kreuz noch die Malteser und die Johanniter, fahren deutlich mehr Menschen in Krankenhaus, die sich möglicherweise mit einem ansteckenden Virus infiziert haben als sonst. Das liege zum Teil auch an der Verunsicherung der Bevölkerung, sagt Ellenrieder. Viele gingen derzeit lieber auf Nummer sicher und riefen den Rettungsdienst.

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Grundsätzlich nehmen Menschen aus Augsburg und dem Umland deutlich häufiger Rettungswagen in Anspruch als noch vor ein paar Jahren. So hat sich die Zahl der Notfalleinsätze im Bereich der Integrierten Leitstelle Augsburg, kurz ILS, von rund 64.800 im Jahr 2010 auf rund 86.400 im Jahr 2016 erhöht, eine Steigerung von mehr als 30 Prozent. Zuletzt waren es um die 90.000 Einsätze im Jahr. Von der Leitstelle aus werden seit Oktober 2008 alle Feuerwehr- und Rettungseinsätze im Großraum Augsburg und den Landkreisen Dillingen und Donau-Ries koordiniert. Die meisten Einsätze im Bereich der Leistelle sind dabei in Augsburg selbst zu verzeichnen.

In Augsburg gibt es derzeit pro Tag nach Auskunft von Leitstellen-Leiter Stefan Würz 20 bis 25 Transporte von Menschen, die als Corona-Verdachtsfälle gelten. Diese Patienten hätten Symptome, sagt Würz. Wie viele von ihnen aber tatsächlich erkrankt sind, wisse man nicht. Die Diagnose gibt es schließlich erst im Krankenhaus.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit Feuerwehrmann Friedhelm Bechtel an:

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