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Kriminalität

26.07.2018

Der mutmaßliche Brandstifter hatte hier einen Job

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Am Ort des Brandes zeigt sich noch immer ein Bild der Zerstörung.

Ein 28-jähriger Mann steht unter Verdacht, das Großfeuer im Sozialzentrum der Caritas gelegt zu haben. Das Gebäude wurde komplett zerstört. Der Verdächtige hat in dem Haus gearbeitet. Was er zu dem Vorwurf sagt

Er hatte es geahnt, dass ein Brandstifter am Werk war. Walter Semsch ist Geschäftsführer des Augsburger Caritasverbands. Es ist auch seinem Einsatz zu verdanken, dass vor acht Jahren in Göggingen ein neues Sozialzentrum der Caritas eröffnet werden konnte. Doch dann brannte alles nieder, an einem Sonntagabend Anfang Juli. Wenige Tage nach dem verheerenden Feuer stellte sich Walter Semsch beim Anblick der Brandruine die Frage: „Wie muss es dem Menschen gehen, der das wahrscheinlich gemacht hat? Und was lädt er auf sein Gewissen auf?“

Gut zwei Wochen nach dem Feuer, bei dem das Sozialzentrum komplett zerstört worden ist, hat die Kriminalpolizei einen Verdächtigen ermittelt. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, haben die Ermittler bereits am Wochenende einen 28-jährigen Mann aus Augsburg festgenommen. Er lebte nach Informationen unserer Redaktion nur einige hundert Meter Luftlinie von dem Sozialzentrum entfernt und soll früher dort gearbeitet haben. In dem Haus waren unter anderem ein Kleidungs- und Möbellager, ein Café, Beratungsstellen und Büros untergebracht. Rund 120 Menschen haben hier gearbeitet, darunter etwa 50 ehemalige Arbeitslose als sogenannte Ein-Euro-Jobber. Bis zu 300 Menschen kamen täglich, um die Angebote der katholischen Hilfsorganisation in Anspruch zu nehmen.

Ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts erließ einen Haftbefehl gegen den Mann, wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Wie die Ermittler dem Verdächtigen auf die Spur kamen, verraten sie bislang nicht. Auch zu einem möglichen Motiv gibt es noch keine Auskunft. Der Diözesan-Caritasdirektor Andreas Magg hatte schon am Abend des Brandes die Sorge, es könne sich womöglich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handeln, weil sich die Caritas auch stark für Flüchtlinge engagiere.

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Ein rechtsextremes Motiv schließen die Ermittler nach Informationen unserer Redaktion derzeit aber aus. In der elfköpfigen Ermittlungsgruppe hatte sich ein Beamter eigens um diese Fragestellung gekümmert. Wie es heißt, soll die Motivation des mutmaßlichen Täters eher im „persönlichen Bereich“ liegen. Ein Geständnis des Mannes gibt es nicht. Der 28-Jährige hat die ihm vorgeworfene Tat bei der Haftbefehlseröffnung vor Gericht bestritten.

Auch nach der Festnahme laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren, weil noch zahlreiche offene Fragen geklärt werden müssten, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Die Beamten seien derzeit vor allem mit der weiteren Auswertung der „sehr komplexen Spurenlage“ beschäftigt, sagt Hartmann. Die weiteren Ermittlungen der Polizei müssten nun zeigen, ob der derzeit bestehende Tatverdacht gegen den 28-jährigen Mann erhärtet werden könne. Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen russischstämmigen Deutschen handeln.

Das Haus wurde durch die Flammen so stark beschädigt, dass es abgerissen und neu gebaut werden muss. Die Kripo nimmt eine Schadenssumme von rund 2,5 Millionen Euro an. Bis ein Neubau steht, kommen die Caritas-Einrichtungen in anderen kirchlichen Gebäuden unter. Derzeit gibt es Ausweichquartiere in einem Pfarrhaus in der Von-Cobres-Straße in Göggingen und bei der Pfarrei St. Canisius in der Hochfeldstraße. Im Hochfeld ist auch das Kleider- und Möbellager untergebracht. Viele Menschen hätten bereits wieder Kleidung und andere Gegenstände gespendet, sagt Caritas-Sprecher Bernhard Gattner. Alle gelagerten Waren sind bei dem Brand zerstört worden. Etwas problematisch sei noch die telefonische Erreichbarkeit. Die zentrale Nummer (0821/570480) sei verfügbar. Bei den Nebenstellen klappe es mit der Verbindung aber oft noch nicht.

Was alle Beteiligten von Beginn an verwundert hatte, war die große Geschwindigkeit, mit der sich das Feuer ausgebreitet hatte. Am Sonntag, 8. Juli, um 21.08 Uhr, war bei der Leitstelle der Feuerwehr der erste Notruf eingegangen. Abgesetzt vom Hausmeister des Sozialzentrums, dessen Hund bemerkt hatte, das etwas nicht stimmt. Nur sechs Minuten später, um 21.14 Uhr, war der Löschzug aus der Südwache der Berufsfeuerwehr vor Ort. Zu dieser Zeit stand das Gebäude aber schon lichterloh in Flammen.

Die Polizei hat ein Internetportal eingerichtet, über das die Video- und Fotodateien vom Brand an die Ermittler übermittelt werden können. Es ist erreichbar unter: https://medienupload-portal01.polizei.bayern.de/

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