1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Kommt ein Fahrradsteg über den Lech?

Haunstetten/Kissing

13.07.2018

Kommt ein Fahrradsteg über den Lech?

Ein Vorbild für Augsburg? So sieht ein Steg über die Iller nahe Legau (Unterallgäu) aus.
Bild: Franz Kustermann

Augsburg denkt wieder über eine Verbindung zwischen Haunstetten und Kissing nach. Ein erster Anlauf blieb ohne Erfolg und auch jetzt ist der Ausgang offen.

Acht Jahre, nachdem der Augsburger Stadtrat einen neuen Steg über den Lech zwischen Kissing (Kreis Aichach-Friedberg) und Haunstetten bis auf weiteres zu den Akten gelegt hat, kommt das Thema wieder auf die Tagesordnung. Eine solche Verbindung würde den für München-Pendler attraktiven Kissinger Bahnhof für Radler aus dem Augsburger Süden besser zugänglich machen und Arbeitnehmern und Studenten aus Kissing kürzere Wege nach Augsburg bescheren. Allerdings gibt es vor allem aus Gründen des Naturschutzes Bedenken.

Mit dem Fahrrad so schnell wie mit dem Auto

Dass das Thema nun wieder aktuell wird, hängt damit zusammen, dass die Stadt Augsburg momentan zusammen mit ihren Bürgern ein so genanntes „Stadtentwicklungskonzept“ erarbeitet, das einen Überblick darüber gibt, wie Augsburg sich in den kommenden Jahrzehnten entwickeln soll. Als ein Vorschlag im Bereich „Mobilität und Tourismus“ wird darin der Lechsteg genannt, nachdem er schon in der Netzplanung für das Projekt „Fahrradstadt 2020“ aufgenommen wurde.

Ziel wäre zum einen, Pendlern den Umstieg aufs Rad zu erleichtern; die nächstgelegenen Möglichkeiten zur Flussquerung sind momentan die Brücke am Mandichosee/Lechstaustufe 23 im Süden sowie der Hochablass im Norden. Das Tiefbauamt der Stadt rechnet vor, dass sich der Weg von der Uni zum Kissinger Bahnhof mit dem Fahrrad von heute 11,8 Kilometern auf 8,5 Kilometer verkürzen würde. Bei einer Fahrzeit von 26 Minuten wäre das Rad dann fast gleichauf mit dem Auto (22 Minuten). Zum anderen, so ein Argument für den Lechsteg, würde so das Gebiet für Freizeit-Radler besser erschlossen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Gegen das Projekt regt sich Widerstand

Während Naturschützer aus dem Kreis Aichach-Friedberg das Projekt befürworten, kommt aus dem Augsburger Naturschutz und von den Augsburger Grünen Widerstand. Der Bau einer Brücke sei mit Eingriffen in ein Naturschutzgebiet verbunden, so Fraktionsvorsitzende Martina Wild. Dies betreffe die Bauphase sowie die dauerhafte Nutzung. „Und man muss sich fragen, ob es nicht wichtigere Radachsen gibt, die vordringlicher ausgebaut werden müssten“, so Wild. Angesichts des Artenschwunds sei es notwendig, Schutzgebiete zu entlasten.

Auch im Hinblick auf das anstehende Fluss-Renaturierungsprojekt Licca liber, in dessen Zuge auch eine Auenlandschaft zusammen mit einem Stadtwaldbach-Konzept in Lechnähe entstehen könnte, sei der Steg ein Problem. Auch das städtische Grünamt argumentiert, dass mit der noch besseren Erschließung des Stadtwalds der wohl größte beruhigte Raum im Stadtgebiet zerschnitten werde. Die Naturschutzverbände bringen als Alternative einen Lechsteg auf Höhe des Kuhsee-Südufers ins Spiel. Damit würde der Hochablass, der für Radler nicht freigegeben ist, entlastet. Zudem führten die Wege nicht durch so sensible Bereiche.

Vom Augsburger Allgemeinen Deutschen Fahrradclub kommt hingegen die klare Forderung nach einem Steg Höhe Kissing. „Von keiner Einzelmaßnahme erwarten wir eine stärkere Reduktion des Pkw-Verkehrs. Hunderte der Berufspendler, die derzeit noch mit dem Auto Richtung München fahren, hätten einen bequemen Zugang zum Bahnhof Kissing und würden mit dem Zug nach München pendeln“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Lechsteg könne auch helfen, den Verkehr östlich von Augsburg zu reduzieren und so die geplante Osttangente überflüssig zu machen.

Erster Anlauf bereits vor 25 Jahren

Mit Interesse verfolgt auch der Kissinger Bürgermeister Manfred Wolf die Diskussion. Er hatte das ganze Thema vor 25 Jahren überhaupt angestoßen. „Einen solchen Steg sehe ich nach wie vor als vordringlich. Wer über Feinstaub spricht, muss auch über alternative Verkehrswege sprechen“, so Wolf. Ihm sei bewusst, dass es Gründe für und gegen das Projekt gebe. „Aber man muss bei allen Bedenken auch sagen, dass es den Großteil der dafür notwendigen Wege ja ohnehin jetzt schon gibt.“ Außer dem Steg müsse man nicht viel neues bauen. Es gebe viele Möglichkeiten, eine solche Brücke naturverträglich zu bauen. Wolf verweist auf den Steg über die Iller bei Legau im Kreis Unterallgäu, der allerdings auch nicht unumstritten war, oder eine moderne Stahlbrücke über die Isar in Freising.

Wie hoch die Kosten für eine solche Brücke am Lech wären, ist momentan noch völlig unklar. Vor acht Jahren hatte die Stadt die Kosten auf etwa vier Millionen Euro beziffert, Wolf eine Hängebrücken-Konstruktion für unter eine Million Euro ins Spiel gebracht.

Das beim Stadtentwicklungskonzept federführende Baureferat hält die Überlegungen für den Lechsteg für sinnvoll. Seit der Ablehnung vor acht Jahren habe sich einiges geändert. Damals sei das Thema vor allem gewesen, den Wald für Erholungssuchende besser zu erschließen. Inzwischen müsse man bei der Abwägung stärker berücksichtigen, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel an Bedeutung gewonnen habe, so das Referat. Um dem Naturschutz Rechnung zu tragen, sei ein Zonierungs- und Wegeleitsystem im Stadtwald möglich. Diskutiert wird das Thema am kommenden Donnerstag im Bauausschuss des Stadtrats.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

13.07.2018

Einiges scheint für einen Lechsteg in Höhe von Kissing zu sprechen. Wenn Fahrrad und Schiene für die Mobilität an Bedeutung gewinnen, dann gewinnen auch Umwelt und Gesundheit. Allerdings sollten begründete Bedenken ernstgenommen werden. Was spricht denn eigentlich gegen eine überprüfbare Nutzen-Kosten-Analyse, die selbstverständlich alle relevanten Aspekte umfassen sollte?

Permalink
13.07.2018

Für die Fahrradstadt Augsburg wäre auch ein Lechübergang zwischen der Firnhaberau und Oberhausen Nord ein Gewinn.

So könnte man auch in knapp 5 Minuten von der Firnhaberau zur Endstation der 4er radeln, zum Gewerbegebiet Augsburg-Nord oder weiter in den Bärenkeller oder nach Neusäß.

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Anstich_09.tif
Debatte

Warum die OB-Wahl in Augsburg unerwartet spannend wird

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen