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Prozess in Augsburg

24.04.2019

Mann schießt 19-Jährigem in den Kopf – aus Notwehr?

Auf dem Adelzhausener Pendlerparkplatz hatten sich die Männer zum Waffendeal getroffen - die Sache endete blutig. Nun startet in Augsburg der Prozess.
Bild: Karl Stöckner (Archiv)

Zwei Männer treffen sich zu einem Waffendeal auf dem Pendlerparkplatz in Adelzhausen. Am Ende liegt einer von ihnen schwer verletzt am Boden. Nun startet der Prozess.

Im Sommer 2017 trafen sich zwei Männer auf einem Pendlerparkplatz an der A8, bei der Kapelle St. Salvator in Adelzhausen. Sebastian M. (Name geändert), damals 39 Jahre alt, aus München, wollte Florian P. (Name geändert) eine Waffe verkaufen, einem 19-jährigen jungen Mann aus der Region Göppingen. Man traf sich abends, gegen 22 Uhr. Am Ende des Treffens aber lag Florian P. am Boden, er blutete stark, im Kopf hatte er ein Loch, das nach einem Schuss das Projektil einer Glock-Pistole hinterlassen hatte.

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Sebastian M. wählte den Notruf, die Ärzte retten schließlich das Leben des jungen Mannes, der durch die schweren Hirnverletzungen allerdings stark eingeschränkt bleiben wird. Er trägt ein Glasauge, kann unter anderem nicht mehr eigenständig gehen. Sebastian M., so viel steht fest, hat dem Mann, der ihm eine Waffe abkaufen wollte, in den Kopf geschossen. Die Polizei sprach nach der Tat davon, es sei zwischen den Männern zu einem „Handgemenge“ gekommen, in dessen Verlauf ein Schuss aus der Pistole des 39-Jährigen abgegeben worden sei. Der Mann aus München musste zwischenzeitlich in U-Haft.

Prozess in Augsburg: Kopfschuss nach geplatztem Waffendeal in Adelzhausen

Ein paar Monate später kam er allerdings wieder raus. Die Augsburger Staatsanwaltschaft, die anfangs wegen versuchten Totschlags ermittelte, klagte Sebastian M. im November 2017 schließlich wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung an. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann aus München vom Vorhaben, den jungen Mann zu erschießen, zurückgetreten ist, vor allem, weil er den Notruf wählte – rechtlich ist dies dann nur als Körperverletzungsdelikt zu werten. An diesem Donnerstag nun startet der Prozess vor der 3. Strafkammer des Augsburger Landgerichtes; Florian P. tritt als Nebenkläger auf. Es ist ein etwas rätselhafter Fall, der einige Fragen aufwirft.

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Zum Beispiel, wie es zu dem Kopfschuss überhaupt kam. Laut Anklage war Folgendes passiert: Der geplante Waffendeal war geplatzt, möglicherweise, weil der damals 19-Jährige keine Waffenerlaubnis hatte. Sebastian M. stieg demnach wieder in sein Auto und fuhr davon, erhielt aber kurz darauf einen Anruf des verhinderten Waffenkäufers: Sein Auto springe nicht an, er brauche Starthilfe. In dieser Situation, dem zweiten Aufeinandertreffen der beiden also, schoss der Angeklagte dem jungen Mann demnach in den Kopf. Warum?

19-Jährigem in Kopf geschossen: War es Notwehr?

Verteidigt wird der Angeklagte von der Augsburger Rechtsanwältin Juliane Kirchner sowie von Sascha Straube und Nico Werning aus München. Die Anwälte haben vor dem Prozessstart in einer Mitteilung ihre Sicht auf die Vorwürfe dargelegt. Sie sagen, die Schussabgabe ihres Mandanten sei durch Notwehr gerechtfertigt gewesen. „Die Beweisaufnahme wird ergeben, dass er freizusprechen ist“, heißt es in der Mitteilung. Der Angeklagte habe als eingetragener Waffenbesitzer und Jäger seine Pistole legal verkaufen wollen, das Treffen an der Kapelle sei Idee des Käufers gewesen. Der habe offenbar von vornherein geplant, die Waffe mit Gewalt an sich zu bringen. „Der vermeintliche Käufer bedrohte unseren Mandanten mit einer Armbrust und schoss damit auf seinen Kopf“, heißt es weiter. Nur knapp habe er Sebastian M. verfehlt. Danach habe Florian P. den jetzigen Angeklagten attackiert und ihn in den Würgegriff genommen, beide seien zu Boden gegangen. „Auf dem Rücken liegend und noch immer im Würgegriff gehalten, sah unser Mandant nur eine Möglichkeit sich zu retten“, so die Mitteilung. So sei es zu dem Schuss gekommen.

Eine Notwehrsituation also? Die Staatsanwaltschaft sieht es anders, sonst hätte sie den Mann nicht angeklagt. Notwehr, so heißt es im Gesetz, sei „die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“. Florian P. soll gegenüber der Kripo angegeben haben, den 39-Jährigen gar nicht bedroht zu haben. Er habe ihm die Armbrust zum Verkauf anbieten wollen und beide Hände gehoben, als er die Pistole sah. Eine weitere offene Frage ist, was Florian P. überhaupt mit der Schusswaffe wollte. Auch gegen ihn wurde wegen ermittelt, wegen versuchter Körperverletzung. Das Verfahren wurde aber aufgrund seines Gesundheitszustandes eingestellt. Unklar ist deswegen, ob der heute 20 Jahre alte Mann vor Gericht aussagen wird. Marion Zech, Anwältin des Mannes, sagt, ihr Mandant sei aus ihrer Sicht nicht vernehmungsfähig.

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23.04.2019

Hier wird mit Fokus auf eine Auseinandersetzung berichtet, als sei es ganz normal, dass man in Deutschland nachts auf Parkplätzen Schusswaffen dealt.

Erschreckend!

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