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Augsburg

13.05.2019

Ohne "Fridays for Future": Kinder sollen Artenschutz in der Schule lernen

Beim Spatenstich für das neue Schmetterlingsbiototop an der Uni Augsburg griffen auch Schüler zur Schaufel. Auf einer Fläche unterhalb der Zentralbibliothek. die bisher regelmäßig gemäht wurde, darf es künftig kunterbunt blühen.
Bild: Bernd Hohlen

Schüler fordern in Friday-for-Future-Demos mehr Einsatz für Klimaschutz, Umwelt und Natur. Jetzt will die Uni Augsburg Lehrer so ausbilden, dass die Diskussion auch stärker in die Klassenzimmer einzieht.

Greta Thunberg aus Schweden ist für viele Schüler ein Vorbild. Weltweit und auch in Augsburg gehen regelmäßig Schüler auf die Straße, um sich für Klimaschutz, Umwelt und Natur einzusetzen. Rund um die „Fridays for Future“-Demos wird viel diskutiert. Geht es nach den Schulpädaogen an der Uni Augsburg, soll diese Diskussion bald auch stärker in den Klassenzimmern stattfinden. Dafür werden angehende Lehrer in Augsburg fit gemacht. Und so soll es gehen.

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Ausgangspunkt ist ein neues Projekt in der Lehrerbildung. Im Mittelpunkt steht mehr Artenschutz für Insekten. Sie sind extrem stark vom Artensterben bedroht. Gleichzeitig sind sie besonders wichtig in der natürlichen Nahrungskette, auch für die Produktion vieler Lebensmittel. Wie unverzichtbar Insekten sind, das erklären Lehramtsstudenten: Aus einem Supermarkt wurden danach versuchsweise alle Lebensmittel entfernt, die es ohne Bienen und Co. nicht geben würde. Es waren rund 60 Prozent des Sortiments.

Spatenstich für neues Schmetterlings-Biotop

Auf dem Campus der Universität, an einem Hang unterhalb der Zentralbibliothek, legen die Schulpädagogen nun auch ein neues Biotop für Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten an. Spatenstich war zusammen mit Schulkindern aus Weil bei Landsberg und mit Wissenschaftsminister Bernd Sibler.

Ohne "Fridays for Future":  Kinder sollen Artenschutz in der Schule lernen

Das Insektenbiotop hat eine besondere Funktion. Es ist eingebunden in ein neues Angebot der Lehrerbildung: das sogenannte „Zertifikat Umweltbildung und Nachhaltigkeit“. Lehramtsstudenten in Augsburg können es auf freiwilliger Basis erwerben. Die Nachfrage sei schon in der Pilotphase größer als das Angebot, sagt Hartmuth Geck. Er ist als abgeordnete Lehrkraft an der Uni tätig. Geschätzt 150 Studenten lassen sich derzeit für das Zertifikat ausbilden. Das große Ziel sei, künftig möglichst viele der 5000 Augsburger Lehramtsstudenten zu erreichen. Und das ist offenbar nötig.

Fragt man Schulkinder, wie man Insekten helfen und neuen Lebensraum für sie schaffen kann, wissen einige schon recht gut Bescheid: „Brennesseln sind wichtig, da legen Schmetterlinge ihre Eier ab“, sagt der zehnjährige Louis aus Weil. Und dann muss man Blühwiesen mit den richtigen Pflanzen anlegen.

Aber wie sieht es bei angehenden Lehrern in Augsburg mit Umweltwissen aus? Wie gut kennen sie sich aus? Eine Studentin ist ehrlich. „Früher habe ich Insekten als lästig angesehen“, sagt sie. Inzwischen sei sie der Meinung, dass man in die Zukunft vorausdenken müsse. Deshalb sei das neue Angebot in der Lehrerbildung gut und wichtig. Geck sagt mit Blick auf den Artenschutz: „Studierende müssen auch wissen, wie es geht“. Wichtig seien nicht nur Kenntnisse über die Arten und den Nutzen von Insekten. Wichtig sei es beispielsweise auch, Giftpflanzen zu kennen, die in einem einem Schulgarten mit Kindern nichts zu suchen haben.

Neues Zertifikat in der Lehrerbildung

Generell soll das neue Zertifikat Lehrer fit für die Zukunft machen, das betont Markus Dresel, Dekan der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Auch aus Sicht von Politikern ist das neue Angebot wichtig. Wissenschaftsminister Sibler sagte, die Demos der Bewegung „Fridays for Future“ würden zeigen, dass viele Menschen beunruhigt sind, wie sich ihre Umwelt entwickelt. Auswirkungen des Klimawandels wie Überschwemmungen oder lange Trockenperioden seien für Menschen in Bayern spürbar geworden und Umweltthemen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Was bedeutet das wiederum für die Universität? Professor Klaus Zierer sagt, das Anliegen der Schulpädagogen sei, künftige Lehrer mit dem nötigen Wissen, aber auch mit mit den nötigen Haltungen auszustatten, damit sie große Themen unserer Zeit in den Schulen behandeln können. Der gesellschaftliche Diskurs über Umweltthemen dürfe nicht nur auf der Straße bei Demonstrationen geführt werden, er müsse auch in den Schulen stattfinden. Aus Sicht von Professor Zierer sind „Lehrer der entscheidende Faktor, um die Diskussion auf ein vernünftiges Fundament zu bringen.“

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