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Prozess

16.02.2017

Paukenschlag in Augsburg: Fall Ursula Herrmann wird neu aufgerollt

Ein undatiertes Polizeifoto zeigt Ursula Herrmann, die 1981 ermordet wurde.

Warum die Zivilkammer im Schmerzensgeld-Prozess in die Beweisaufnahme einsteigt und wie es jetzt weitergeht.

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Nachkriegszeit, die Entführung und der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann am Ammersee vor gut 35 Jahren, wird in einem zweiten Prozess am Landgericht Augsburg neu aufgerollt. Die Zivilkammer teilte am Donnerstagmittag mit, dass sie im Schmerzensgeld-Verfahren von Ursulas Bruder Michael voll in die Beweisaufnahme einsteigen wird.

Michael Herrmann hatte den verurteilten Entführer des Mädchens, den 65-jährigen Werner Mazurek, auf Schmerzensgeld verklagt, weil ihn das Strafverfahren um den Tod seiner Schwester krank gemacht habe. Die Klage hat aber noch einen weiteren Hintergrund: Michael Herrmann, 52, ist nicht überzeugt davon, dass der Richtige im Gefängnis sitzt. Er hätte gerne eine neue Beweisaufnahme zu der Entführung seiner Schwester. Daher wählte er den Umweg über das Zivilverfahren. Mit Erfolg, wie seit Donnerstag feststeht.

Ursula Herrmann in Waldstück gekidnappt

Die zehnjährige Ursula war am 15. September 1981 in einem Waldstück zwischen Eching und Schondorf am Ammersee gekidnappt worden. Sie wurde in eine eigens angefertigte Gefängnis-Kiste gesteckt, die Kiste wurde im Boden vergraben. Der oder die Entführer forderten zwei Millionen Mark Lösegeld. Doch das Mädchen erstickte in der Kiste und wurde nach 19 Tagen gefunden.

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Die Zivilkammer des Landgerichts verfügte nun, dass zwei Kripobeamten aus der ersten Sonderkommission in dem Fall als Zeugen aussagen müssen. Es geht um die umstrittene Aussage eines inzwischen verstorbenen Alkoholikers. Er hatte in einer Vernehmung bei der Polizei gestanden, dass er im Auftrag Mazureks ein großes Loch in dem Waldstück gegraben habe. Später widerrief er das Geständnis. Die Aussage ist aber eine der beiden tragenden Säulen des Schwurgerichts, das Mazurek im März 2010 zu lebenslanger Haft verurteilt hatte.

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Bild: Barbara Wild

Die zweite Säule des Urteils war ein Grundig-Tonbandgerät, das bei Mazurek gefunden worden war. Dem Gutachten einer Expertin  des Landeskriminalamts zufolge waren mit diesem Gerät die Erpresser-Anrufe an Ursulas Eltern aufgenommen worden. Das Gutachten wird nun ebenfalls Gegenstand des neuen Prozesses. Am 22. Juni 2017 soll das Verfahren fortgesetzt werden.

Beide Seiten wollten Prozess unbedingt

Das Kuriose an dem Prozess: Sowohl der Anwalt von Michael Herrmann, Joachim Felller, als auch die Anwälte des verurteilten Entführers, Walter Rubach und Katharina von Ciriacy-Wantrup, sind mit dem Beschluss des Gerichts hochzufrieden. Denn beide Seiten wollten diesen Prozess unbedingt. Michael Herrmann, weil er Gewissheit darüber haben will, ob Werner Mazurek tatsächlich für den Tod seiner Schwester verantwortlich ist. Und Mazurek, weil er eine neue Chance sieht, zu beweisen, dass er unschuldig ist. Er hat stets bestritten, der Täter zu sein. Anwalt Rubach sagt daher auch bereits eine intensive Auseinandersetzung voraus: "Jetzt geht's ans Eingemachte."

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