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Biografie

13.12.2012

Raketen, Schildkröten, Diesel

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Horst Köhler hält ein pneumatisches Feuerzeug in seinen Händen. Auf dessen Funktionsweise basiert die Grundidee des Dieselmotors.

Horst Köhler hat Bücher über vieles geschrieben, doch sein zehntes Werk stellt einen Mann vor, der auch sein Berufsleben geprägt hat: den Motorenerfinder Rudolf Diesel

Rudolf Diesels Leben endete im Ärmelkanal. Auf dem Dampfschiff Dresden war der Erfinder Ende September 1913 unterwegs nach London. Doch er kam dort nie an. Zehn Tage später fanden Matrosen seine Leiche im Kanalwasser. Sein Tod ist ein Rätsel: Unfall, Mord, Selbstmord? Horst Köhler glaubt, die Antwort zu kennen. Der Ingenieur beleuchtet in einem Buch das Leben des Mannes, dessen Erfindung – der Dieselmotor – die Welt noch heute am Laufen hält. Am Ende verrät er, was seiner Überzeugung nach 1913 im Ärmelkanal geschehen ist.

Zwei Jahre lang hat Horst Köhler in Dokumenten, Büchern und Briefen geforscht. Er suchte nach Spuren von Rudolf Diesel in der Region. „Er interessiert mich, weil sein Leben so spektakulär war“, sagt der 71-Jährige aus dem Friedberger Ortsteil Wulfertshausen. Sein Leben ist mit dem des Erfinders verknüpft. Horst Köhler ist Ingenieur und hat 40 Jahre lang für die MAN gearbeitet. Er half mit, die „Wärmekraftmaschine“ des Rudolf Diesel immer weiter zu verfeinern. Als Dieselmotor ist sie aus der Welt des Jahres 2012 nicht wegzudenken – weder auf der Straße noch auf hoher See.

Augsburg und die MAN sind die Verbindung zwischen Köhler und Diesel. Der eine stammt aus Pfersee, der andere hatte Vorfahren in Augsburg. Rudolf Diesels Vater war Augsburger, sein Sohn kam allerdings in Paris zur Welt. Als Zwölfjähriger kehrte Diesel zurück an den Lech, weil die Familie Not litt. Er lebte bei Pflegeeltern und ging zur Schule. Dort sah er, was Horst Köhler als Nachbau in der Hand hält: ein pneumatisches Feuerzeug. Das ist ein Glaskolben, in dem ein Zündschwamm liegt. Wie in einer Pumpe wird die Luft zusammengedrückt – es entsteht Feuer. „Das war die Grundidee für seinen Motor“, sagt Horst Köhler: Luft wird stark zusammengepresst, dass sie sich erhitzt und den Treibstoff ohne Zündkerzen entzündet. Eine geniale Idee.

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Der Weg zu den Dieselmotoren, an denen Horst Köhler arbeitete, war jedoch weit. Weil er ein interessierter Mann ist, schaute er immer wieder in das MAN-Museum und las Diesels Briefe im Archiv. Bücher schrieb er aber zunächst über andere Themen. Etwa über die Planeten. „Es gab noch kein Buch. Also bin ich zur Nasa gereist und habe mir Aufnahmen der Erkundungssonden geholt“, sagt er. Horst Köhler schrieb auch über Raketenantriebe, ließ Flugkörper in den Himmel steigen und traf Wernher von Braun. Auf Wunsch holt er seine Werke, zu denen auch Bücher über Zierfische und Schildkröten, die er züchtet, zählen. Zehn sind es. Das über Rudolf Diesel könnte der krönende Abschluss sein.

Der Wulfertshausener beschreibt darin Diesels Idee, seine Zusammenarbeit mit Heinrich Buz und der Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN). Anfangs lief manches schief – „die ersten Motoren verbrannten“, sagt Köhler. Doch der neue Motor, der einen dreimal so guten Wirkungsgrad wie die damals weitverbreitete Dampfmaschine hatte, kam in Schwung. Über Lizenzen verdiente Rudolf Diesel fünf Millionen Mark. Er baute sich eine Villa in München. Doch dann machte der Erfinder einen Fehler, sagt sein Biograf. Er überließ seine Patente einer Gesellschaft, doch das Geld blieb aus. Diesel spekulierte erfolglos mit Ölfeldern. Zugleich war seine Gesundheit angegriffen. Patentprozesse und die viele Arbeit schwächten ihn. „Er war zweimal in Heilanstalten und litt unter anderem an Migräne“, sagt Köhler.

Das Auf und Ab spiegelt sich auch im Titel seines Buches: Erfinderleben zwischen Triumph und Tragik. Horst Köhler hat nicht nur die Technik beleuchtet, sondern auch viel über die Familie Diesel geforscht. Er aktualisierte den Stammbaum und fand Nachfahren in Augsburg und Memmingen. Und Horst Köhler entdeckte ein Familiengrab auf dem Protestantischen Friedhof. Mithilfe eines Geldgebers soll es als Erinnerungsort erhalten werden.

Rudolf Diesel ist dort jedoch nicht bestattet. Er hat kein Grab, denn die Matrosen, die ihn im Ärmelkanal fanden, nahmen nur einige persönliche Gegenstände aus den Taschen der Leiche, ehe sie den Toten ins Wasser zurücklegten. Ohne Zeugen und ohne Leiche entstanden viele Gerüchte um die Todesursache. Sie reichten bis zu einem Mord durch die Ölindustrie, sagt Köhler. Er ist jedoch überzeugt, dass sich der Erfinder das Leben genommen hat. Er schreibt: „Offensichtlich sah Rudolf Diesel den Tod als Erlösung von all den riesigen finanziellen, unternehmerischen und gesundheitlichen Problemen.“

Das Buch „Rudolf Diesel, Erfinderleben zwischen Triumph und Tragik“ von Horst Köhler ist im Context Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

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