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Augsburg

04.01.2020

Rettungshubschrauber "Christoph 40" flog 8100 Einsätze in sechs Jahren

Jürgen Schmidt ist als Notarzt für die ADAC Luftrettung mit „Christoph 40“ im Einsatz, der seit 2014 auf dem Dach des Universitätsklinikums Augsburg stationiert ist.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Plus Der Rettungshubschrauber ist seit 2014 in Augsburg stationiert. Das Team an Bord muss Hand in Hand arbeiten – nicht nur bei der Versorgung Verletzter.

Es ist acht Uhr morgens, die Crew des Rettungshubschraubers „Christoph 40“ – Pilot, Notarzt und Notfallsanitäter – sitzt im 15. Stock des Uniklinikums beim „Frühstück“. Dieser Termin ist zugleich Arbeitsbesprechung für den Tag: Das Team geht Checklisten durch, prüft die Wettervorhersage und ob irgendwo Drohnentests oder Fallschirmsprünge anstehen. Danach ist klar, ob der Hubschrauber im Fall eines Einsatzes in alle Himmelsrichtungen fliegen könnte. Mit dabei ist an diesem Tag Jürgen Schmidt. Der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und spezielle Unfallchirurgie arbeitet seit 19 Jahren am Klinikum. In seiner Zeit als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst wurde der Hubschrauber am Klinikum eingeführt: „Christoph 40“ ist seit 2014 dort stationiert und flog seitdem 8100 Einsätze, das sind im Schnitt vier pro Tag.

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Allein 2019 hob der Rettungshubschrauber über 1400 Mal ab. Schmidt ist zwei Tage im Monat im Einsatz und jährlich bei rund 100 Flügen mit dabei. Seine Erfahrung spielt eine große Rolle: Es sei wichtig, sich als Team zu kennen, aufeinander eingehen zu können und Hand in Hand zu arbeiten.

16 Ärzte, drei Piloten und fünf Sanitär gehören zum Team

Zur Besatzung gehören der speziell ausgebildete Notfallsanitäter im Luftrettungsdienst sowie der Notarzt. Beide prüfen täglich, ob Medikamente, Betäubungsmittel und Geräte einwandfrei und die Verbrauchsmaterialien aufgefüllt sind. Der Pilot stellt sicher, dass der Helikopter technisch in Ordnung ist. Dabei gibt es viel zu beachten: „Im Sommer, wenn es um die 35 Grad Celsius hat, müssen wir Gewicht sparen und bei mitfliegenden Angehörigen aufpassen, da wir bei Wärme schwieriger hoch kommen und die Turbinen weniger Leistung haben“, erklärt der Hubschraubernotarzt. Insgesamt gehören zur Luftrettung Augsburg 16 Ärzte, drei Piloten und fünf Notfallsanitäter.

Rettungshubschrauber "Christoph 40" flog 8100 Einsätze in sechs Jahren

Wenn der Hubschrauber nicht zum Einsatz gerufen wird, stehen klassische Aufgaben an. „Heute muss der Hangar geputzt werden“, sagt Schmidt. An anderen Tagen wird Christoph 40 geputzt und desinfiziert. Doch heute kommt es anders: Kurz vor neun Uhr kommt über die Integrierte Leitstelle (ILS) der Hauptfeuerwache Augsburg ein Anruf herein. Innerhalb von zwei Minuten muss die Crew abheben – „doch wir sind meist schneller“, sagt Schmidt. Nutzen wird es diesmal nichts: Aufgrund dichten Nebels am Unfallort kann Christoph 40 nicht landen, die Crew fliegt unverrichteter Dinge zurück. Da die bodengebundene Rettung und der Hubschrauber gleichzeitig alarmiert werden, wird der Rettungswagen den Einsatz übernehmen.

Von Augsburg nach Dillingen fliegt der Hubschrauber in acht Minuten

Den ganzen Vormittag bleibt es neblig, so kann die Crew des Hubschraubers ihre Tagesaufgaben erledigen. Gegen Mittag reißt der Himmel auf und es kommen zwei Einsätze: Fürstenfeldbruck und Aichach. Im Cockpit bespricht sich das Team ständig. Schmidt: „Beim Hinflug wird jede Stromleitung besprochen, beim Landen jede Plane, die aufgewirbelt werden könnte. Wenn einer im Team nicht sicher ist, ob man an einer bestimmten Stelle landen kann, landen wir dort auch nicht und suchen nach einer Alternative. Es ist immer eine Teamentscheidung.“ Das Einsatzgebiet ist genau festgelegt: Der Radius beträgt 50 bis 70 Kilometer um Augsburg in 15 Minuten. So sind Dillingen oder Dachau in acht Minuten erreichbar, Nördlingen oder München in 15 Minuten. Die Fluggeschwindigkeit beträgt rund 250 Stundenkilometer, die Flughöhe 1786 Fuß, das sind 544 Meter.

Zwischendurch fliegt der Augsburger Heli aber auch weite Entfernungen: „Es kann passieren, dass andere Rettungsleitstellen in Bayern oder Baden-Württemberg uns abrufen, weil wir gerade der nächstgelegene und verfügbare Rettungshubschrauber von einem Unfallort aus sind“, erklärt Schmidt. Umgekehrt komme es auch vor, dass in Augsburg der Münchener oder der Kemptener Hubschrauber landet. Bayern hat mit acht von 36 die meisten ADAC Luftrettungsstationen. Insgesamt verfügt Deutschland über ein nahezu flächendeckendes Luftrettungssystem.

Dass man bei einem Einsatz nie weiß, was auf einen zukommt, ist eine Herausforderung: „Du kennst weder den Menschen noch die Umgebung noch das Rettungsteam am Ort und oft auch nicht das nächst gelegene Krankenhaus. Wenn Du aus dem Hubschrauber aussteigst, kann dich die Maximalkatastrophe erwarten“, sagt Schmidt.

Er kennt viele Bereiche im Klinikum. Seine Karriere begann er mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger, studierte an der LMU in München, machte sein Praktikum in der Notaufnahme und durchlief alle Stadien eines Arztes im Bereich Orthopädie und Chirurgie. Seinen Wehrersatzdienst leistete er beim Roten Kreuz im Katastrophenschutz und als Rettungssanitäter. Mal ist er der, dem die Heli-Crew einen Notfallpatienten vor dem Schockraum übergibt, mal gehört er selbst zur Crew. Doch beides ist strikt getrennt: Wenn Schmidt für die ADAC Luftrettung tätig ist, arbeitet er nur für den ADAC und nicht für die Klinik. Der ADAC hat den 15. und 16. Stock des Klinikums gemietet, nur Teammitglieder haben Zutritt.

Jürgen Schmidt: "Die Klinik ist mein Leben"

„Die Klinik ist mein Leben“, sagt Schmidt und verrät: „Als Kind faszinierten mich Hubschrauber. Doch selbst ein Modellhubschrauber war damals viel zu teuer.“ Heute versucht er, Leben zu retten, und lebt dabei seine Faszination für Hubschrauber mit aus. Der Helikopter ist aus seiner Sicht sinnvoll: „Die Krankenhauslandschaft verändert sich, die Versorgung in der Peripherie wird immer weniger und viele Krankenhäuser werden platt gemacht. Somit werden die Transportwege in eine Klinik länger. Zudem werden sich die Medizin und die Häuser weiter spezialisieren und in Zentren abwandern.“ Augsburg sei medizinisch sehr gut versorgt: Zum einen gebe es mit der Uniklinik einen Maximalversorger mit allen Disziplinen unter einem Dach. Zum anderen ist die Luftrettung dort stationiert. Die nächsten ADAC-Luftrettungsstationen sind Ingolstadt, München, Murnau, Ulm und Dinkelsbühl sowie Kempten mit der Luftrettung des Innenministeriums. „Lediglich spezielle Fälle wie schwerste Verbrennungen müssen wir woanders hinfliegen oder wenn eine Druckkammer oder ein Kinderherzzentrum notwendig ist“, zählt der Notarzt auf.

Dass ein Einsatz nicht billig ist, versteht sich von selbst. Die Kosten werden pro Flugminute abgerechnet. Im Internet findet man Angaben von bis zu 90 Euro pro Minute. Alexander Machowetz, Leiter der ADAC-Unternehmenskommunikation, will aus Wettbewerbsgründen keine Zahlen nennen und bittet um Verständnis. Auch wenn man aufgrund der Gemeinnützigkeit keine Gewinne und Verluste habe, weil die Kosten von den Trägern gedeckt seien, versuche man, die Kosten so gering als möglich zu halten.


Daten und Fakten zu Christoph 40:

  • Aufgabenträger von „Christoph 40“ ist der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung. Die Piloten sind von der ADAC Luftrettung, die Notärzte mit den Fachdisziplinen Anästhesie, Chirurgie, Innere Medizin und Pädiatrie vom Universitätsklinikum Augsburg. Das Rettungsfachpersonal kommt vom Roten Kreuz Augsburg-Stadt.
  • Die Einsätze kommen von der Integrierten Leitstelle Augsburg, die das Gebiet der Stadt sowie die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries umfasst. Sie ist für fast eine Million Einwohner rund um die Uhr über den Notruf 112 erreichbar.
  • Der Helikopter ist von Sonnenaufgang (frühestens 7 Uhr) bis Sonnenuntergang (plus 30 Minuten) einsetzbar.
  • Christoph 40 ist ein Eurocopter EC 135 P2+. Er ist stationiert auf der höchstgelegenen Luftrettungsplattform Deutschlands in 58 Metern Höhe auf dem Dach des Universitätsklinikums Augsburg.
  • Die Landeplattform hat einen Durchmesser von 27 Metern, es können zwei weitere Hubschrauber dort parken. Es kann auch vorkommen, dass Maschinen der DRF Luftrettung, des SAR-Diensts der Bundeswehr, der Johanniter Luftrettung oder des Bundesministerium des Inneren landen.

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