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Augsburg

29.05.2019

Stadtrat entscheidet: Werner-Egk-Schule behält ihren Namen

Die Werner-Egk-Schule in Oberhausen behält ihren Namen.
Bild: Michael Hochgemuth

Der Augsburger Stadtrat hat entschieden: Die Werner-Egk-Schule in Oberhausen wird nicht umbenannt. Das Regierungsbündnis ist bei der Entscheidung gespalten.

Die Werner-Egk-Schule in Oberhausen behält ihren Namen. Eine Namensänderung ist damit vom Tisch. Es wird keine Umbenennung geben. Der vorgeschlagene Name Grundschule Augsburg Oberhausen Mitte kann in den Schubladen verschwinden. So hat es der Augsburger Stadtrat am Mittwoch in seiner Sitzung mehrheitlich entschieden.

Wie erwartet , lehnten CSU und Pro Augsburg die Umbenennung ab. Auch Stadtrat Peter Grab (WSA) folgte diesem Weg. SPD und Grüne votierten für eine Umbenennung. Beim Thema Werner-Egk-Schule ging somit ein Riss durch das regierende Dreierbündnis, das von CSU, SPD und Grünen gebildet wird. Zudem war die Sechser-Ausschussgemeinschaft für die Namensänderung. Da einige Stadträte fehlten, stand es am Ende 31:25.

Über die Umbenennung der Werner-Egk-Schule wird intensiv diskutiert

Der Abstimmung war eine zweistündige intensive Diskussion vorausgegangen. Gabriele Thoma (SPD) sagte, dass Werner Egk „große Karriere während der NS-Zeit“ gemacht habe. Er sei kein Vorbild für eine Schule. So habe es die Kommission für Erinnerungskultur festgestellt. Die SPD folge die Einschätzung der Schulfamilie, den Namen zu ändern. Verena von Mutius (Grüne) teilte die Auffassung, wonach der Empfehlung der Kommission zu folgen sei. Die Grüne-Stadträtin verwies auf den besonderen Weg, den die Stadt zuletzt in der Erinnerungskultur gegangen sei: „Die Kommission würde brüskiert, wenn die Empfehlung nicht gilt.“ Andreas Jäckel (CSU) sagte, „dass es der leichtere Weg ist, die Schule umzubenennen“. Vielleicht würde dieser Beschluss „gut in diese Zeit passen“. Die CSU nehme eine Gesamtbewertung vor. Daher sei eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Leben und Wirken Egks notwendig.

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Claudia Eberle (Pro Augsburg) betonte ebenfalls, dass dieses Vorgehen richtig sei. Würde man jetzt der Umbenennung zustimmen, könne man bald „bei jedem Namen“ etwas hinterfragen. Ohne den Namen Bertolt Brecht direkt anzusprechen, kam dieser Bezug zur Sprache. „Egk war Hitlers Helfer“, lautete eine Aussage von Otto Hutter (Die Linke). Sollte der Namen beibehalten werden, sei dies „aus Sicht der Naziopfer eine Brüskierung“. Man müsse sehr wohl das Votum der Schulfamilie betrachten. Sie habe einen „sehr selbstbewussten Vorschlag“ gemacht, wenn die Schule den Namen Oberhausen Mitte tragen würde. Peter Grab (WSA) lehnte die Umbenennung ab, da es letztlich ein Abwägungsprozess sei. Wer über Egk spreche, müsse registrieren, dass die Person Verdienstorden erhalten habe.

Volker Schafitel (Freie Wähler) sagte, „dass es für die Schule eine Erleichterung wäre, wenn der Namen geändert wird“. Doch darum gehe es nicht allein. Egk sei Opportunist gewesen. Übertragen auf die jetzige Zeit, in der Schüler massenhaft auf die Straße gehen, sagte Schafitel: „Bleibt der Namen, ist es ein Affront gegen engagierte junge Leute.“

Die politische Entscheidung, den Namen Werner Egk nicht aus dem Schulnamen zu streichen, war in dieser Weise absehbar. CSU und Pro Augsburg hatten sich frühzeitig positioniert. Sie wollen, dass jetzt das Leben und Wirken des Musikers umfassend an der Schule aufgearbeitet wird. Dies könnte mit einer Tafel passieren, aber auch durch entsprechende Erläuterungen im Internetauftritt der Schule. Zudem soll sich die Schulfamilie dauerhaft mit Egk auseinandersetzen.

Das war Leben und Wirken von Werner Egk

Der Komponist Werner Egk (1901 bis 1983) war unter den Nationalsozialisten ein Funktionär der Reichsmusikkammer und Kapellmeister der Berliner Staatsoper. Wegen seiner Nähe zum NS-Regime eigne er sich nicht als Vorbild für eine Schule mit Grundschülern, war die Botschaft der Kommission für Erinnerungskultur. Diese Kommission war beauftragt worden, sich mit der umstrittenen Namensgebung auseinandersetzen. Die Schulfamilie schloss sich der Empfehlung an. Zu entscheiden über den Schulnamen haben jedoch nicht Lehrer und Eltern, auch das Wort des Stadtrats zählt.

Oberbürgermeister Kurt Gribl hatte vor der Stadtratssitzung erläutert, warum er und die CSU-Fraktion gegen die Umbenennung seien. Es handle sich, was die Debatten in den zurückliegenden Monaten gezeigt hätten, um ein „höchst sensibles Thema“. Eines sei dabei immer zu sehen: Man diskutiere nicht über einen neuen Namen für eine Schule, sondern darüber, ob der existierende Name abgeschafft wird. Und damit über letztlich die Person Werner Egk, der der Schule im Jahr 1994 den Namen gab. „Die Entfernung des Namens entspricht einem Unrechtsurteil gegenüber dem Namensgeber“, erläutert Gribl. Übersetzt heißt dies: Die Stadt würde jetzt sagen, dass Werner Egk in seiner Zeit Unrecht getan hätte. Dies sei aber eben nicht der Fall. Die Kommission für Erinnerungskultur kam zum Ergebnis, dass sich Egk wegen seiner Nähe zum NS-Regime nicht als Vorbild für eine Schule mit Grundschülern eigne. Ein direktes Fehlverhalten Egks hatte die Kommission nicht erkannt.

Claudia Kirsch, Rektorin der Schule, verfolgte die Stadtratssitzung. Das Abstimmungsergebnis sei nach den jüngsten Aussagen der Fraktionen zu erwarten gewesen. Sie werde die Schulfamilie über den politischen Beschluss informieren. Eine inhaltliche Bewertung nahm die Rektorin in ihrer ersten Reaktion nicht vor. Sie sagte aber: „Als Künstler und Sohn Oberhausens wird Egk wertgeschätzt, aber es geht um die Vorbildfunktion.“

Die Schule werde immer wieder mit Anfragen konfrontiert, „die sich aufs Egks Rolle in der NS-Zeit und dessen Vorbildcharakter beziehen“. Mit den Antworten darauf seien Lehrer und Elternbeirat überfordert. Daher sei nun die Stadt gefordert.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Werner Egk: Die CSU begibt sich auf dünnes Eis

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02.06.2019

Nun ja, wenn man selber staatenlos ist, wie auch seine Kinder, ist das so eine Sache.

Ihr Unwissen ist mittlerweile nicht mehr peinlich.

Aber bitte, sie können mir ja erklären, wie die Kapitulation von Nazi-Deutschland (wer oder was ist denn das?) mit der Staatenlosigkeit des BB zusammenhängt.

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30.05.2019

Und jetzt bitte mal die wichtigen Themen angehen - die auch von den Augsburger Grünen unterstützte ÖPNV "Tarifreform" benötigt dringend eine Überarbeitung. Politik kann nicht nur aus Selbstinszenierung bei "guten" Themen bestehen, sondern muss auch konkrete Lösungswege zeigen - Gutachter sollten unterstützen aber nicht führen!

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30.05.2019

Ich stimme Ihnen zu, dass die Tarifreform überarbeitet werden sollte. Aber was hat denn das damit zu tun, dass nun eine Schule weiter nach jemandem benannt wird, der aufgrund seines Verhaltens zur Zeit des Nationalsozialismus einfach kein Vorbild für Schüler*innen sein kann?

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01.06.2019

Ich denke man überschätzt den Effekt des Namens einer Schule. Praktisch hat es schlicht und einfach keine Auswirkungen.


Bert Brecht, der wie ein Geisterfahrer in die DDR flüchtete? Er hat nach meiner Einschätzung keinerlei Vorbildcharakter für junge Menschen, aber die richtige linke Gesinnung und Lokalfolklore schützt seinen Namen heute vor Fragen. Wer rauswollte wurde erschossen, wer zu diesen SED-Linksfaschisten reinwollte wird gelobt?

Warum die CSU sich aktuell vor diesen Namen stellt verstehe ich nicht; es wäre aber gut darzulegen, dass Politik für heute nicht sinnvoll mit den Namen von gestern zu machen ist. Dem Steuerzahler kosten solche Diskussionen nur Geld.

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01.06.2019

@Peter P.

Nicht zum ersten Mal: sie schreiben wirr.

„Berthold Brecht, der wie ein Geisterfahrer in die DDR flüchtete?“ Woher haben Sie diesen Fake?

Brecht ist tatsächlich 1933 nach Prag, Wien und Zürich geflohen. Er stand auf der Schwarzen Liste der Nazis, seine Bücher sind 1933 von den Nazis verbrannt, seine Werke verboten. Die Veranstalter seines Stückes „Die Maßnahme“ wurden 1933 wegen Hochverrat angeklagt.

1935 wurde ihm die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Eine Einreise Brechts in die westlichen Besatzungszonen war ihm nach dem Krieg weiterhin verboten. 1948 wurde er vom Kulturbund nach Berlin-Ost eingeladen.

1950 wurde ihm die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Das mag in aller Kürze reichen.

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01.06.2019

https://de.wikipedia.org/wiki/Bertolt_Brecht

>> Die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft ist zur damaligen Zeit, vor allem in Österreich, auf große Kritik gestoßen, da Brecht nicht die Absicht hatte, aus der DDR nach Österreich überzusiedeln. <<

>> Als es am 17. Juni 1953 in Berlin zu Massenprotesten der DDR-Arbeiter kam, drückte Brecht noch am selben Tag in einem knapp gehaltenen Brief an Walter Ulbricht seine „Verbundenheit mit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ aus... <<

>> Brecht analysierte die Situation zur selben Zeit in einem unveröffentlichten Typoskript so:

„Die Demonstrationen des 17. Juni zeigten die Unzufriedenheit eines beträchtlichen Teils der Berliner Arbeiterschaft mit einer Reihe verfehlter wirtschaftlicher Maßnahmen. Organisierte faschistische Elemente versuchten, diese Unzufriedenheit für ihre blutigen Zwecke zu missbrauchen. <<

Und ja es war sicher die richtige Entscheidung der westlichen Besatzungsmächte, diesen Feind der Freiheit nicht in die westlichen Besatzungszone einreisen zu lassen. Da hätte man sich die Entnazifizierung ja gleich sparen können, wenn nun die nächsten mit anderer Agenda Menschen wegen ihrer Meinung ins Gefängnis bringen.

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01.06.2019

Ich habe nichts anderes erwartet. Es ist aber lobenswert, dass Sie bei Wiki nachgeschaut haben.

Zu Ihrem denunziatorischen Fake schweigen Sie. Bemerkenswert.

Ich wiederhole : Brecht wurde von den Nazis 1935 die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er besaß diese nicht mehr.

Sie aber schwadronieren davon, er sei in die DDR, die gab es zur damaligen Zeit seiner Einladung noch gar nicht, geflüchtet.

Nun ja.

Abschließend:


"Schämt ihr euch auch so, wie ich mich schäme? Da werdet ihr sehr viel und sehr gut mauern und künftig sehr klug handeln müssen, ehe euch diese Schmach vergessen wird." Weiter schrieb Kurt Barthel: "Zerstörte Häuser reparieren, das ist leicht. Zerstörtes Vertrauen wieder aufrichten ist sehr, sehr schwer."

Darauf Brecht:
Nach dem Aufstand des 17. Juni 
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands 
In der Stalinallee Flugblätter verteilen 
Auf denen zu lesen war, daß das Volk 
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe 
Und es nur durch verdoppelte Arbeit 
Zurückerobern könne. Wäre es da 
Nicht doch einfacher, die Regierung 
Löste das Volk auf und 
Wählte ein anderes?

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02.06.2019

>> Ich wiederhole : Brecht wurde von den Nazis 1935 die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er besaß diese nicht mehr. <<

Wirklich erstaunlich, wie Sie und Herr Brecht diese Entscheidung auch nach der Kapitulation von Nazi-Deutschland für rechtlich wirksam erachten.

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29.05.2019

Dieses Votum ist eine Schande! Die CSU verfällt in alte Links-Rechts-Muster und zeigt, dass sie keinesfalls eine Partei der Mitte ist.

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29.05.2019

Gratulation zu dieser Entscheidung!

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