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Kommunalwahl

13.02.2020

Stelzendörfer und aufgestockte Häuser gegen Wohnungsmangel

Werden die Grundstücke knapp, muss in die Höhe gebaut werden. Wohnen ist ein Thema, das auch die Kommunalwahl prägt.
Bild: Wolfgang Kumm/dpa

Plus Parteien und Gruppierungen stellen im Augsburger Kommunalwahlkampf ihre Vorstellungen zum Thema Wohnen vor. Ein Überblick über ihre Ideen.

In den vergangenen Tagen haben mehrere Gruppierungen und Parteien ihre Vorstellungen zum Thema Wohnen konkretisiert. Hier ein Überblick über ihre Ideen:

Generation Aux: Der Verein, der erstmals zur Wahl antritt, schlägt unter anderem vor, die städtischen Parkplätze am Spickelbad und der Sportanlage Süd mit jeweils zwei „Stelzendörfern“ zu überbauen. Die Parkplätze würden erhalten bleiben, darüber auf Säulen schwebend aber Wohnhäuser entstehen. Mindestens 200 Wohnungen könnten so in Nähe von Uni und Hochschule entwickelt werden, so Generation Aux. Auf diese Weise lasse sich Fläche doppelt nutzen. In Augsburg entsteht momentan als Erweiterung der Seniorenresidenz Albaretto an der Bgm.-Ackermann-Straße ein aufgeständertes Haus.

Insgesamt seien Wohnungsmangel und Verteuerung inzwischen nicht nur ein Problem für Menschen mit niedrigem Einkommen. „Die Frage, wie ich mir Wohnen in der Stadt leisten kann, ist längst in der Mittelschicht angekommen“, sagt Stadtratskandidat Wolfgang Schimpfle. Nur eine Sozialquote für Neubaugebiete festzulegen, sei bei aller Notwendigkeit zu kurz gesprungen.

Stelzendörfer und aufgestockte Häuser gegen Wohnungsmangel

Wohnen in Augsburg: Weniger Stellplätze für Autos

Vorgeschlagen wird auch, bei Neubauten weniger Stellplätze für Autos vorzuschreiben und stattdessen den Anteil an Gemeinschaftsflächen zu erhöhen. Wichtig sei auch, das Bauen nicht nur denen zu ermöglichen, die am meisten Geld haben. Dazu soll die Stadt verstärkt Grundstücke in Konzeptvergabe verkaufen. Für mehrere innenstadtnahe Viertel soll eine Erhaltungssatzung erlassen werden, die Mieter vor Luxussanierungen schützt.

Augsburg in Bürgerhand (AiB): Die Gruppierung, die zum ersten Mal für den Stadtrat antritt und beim Stadtwerke-Bürgerbegehren vor fünf Jahren einen Erfolg errang, fordert von der Stadt eine aktivere Bodenpolitik. „Städtische Immobilienmärkte sind Teil des Weltfinanzsystems geworden“, heißt es in einem Konzeptpapier. Kapitalanleger entdeckten zunehmend den Immobilienmarkt als Invest. Wer gegen die Preisexplosion vorgehen wolle, müsse beim Boden ansetzen. Darum müsse die Stadt mehr Grund kaufen, um Wohnbaupolitik gestalten zu können. Ein Aspekt dabei ist die Vergabe von Grundstücken im Erbbaurecht – wer bauen will, spart sich den Kauf und zahlt jährlich einen Zins. Auch Vorkaufsrecht, Konzeptvergaben und eine Erhaltungssatzung hält AiB für sinnvoll. Als Sofortmaßnahme sei ein runder Tisch aus Bauverwaltung, Wohnbaugruppe, Genossenschaften, Bauinitiativen und regionalen Bauträgern vonnöten.

Augsburg: Parteien für mehr sozialen Wohnungsbau

AiB kritisiert, dass CSU, SPD und Grüne sich im Wahlkampf nun bei Quoten für sozialen Wohnungsbau überbieten. Allerdings hätten sie in den vergangenen drei Regierungsperioden, wo sie in unterschiedlicher Zusammensetzung an der Macht waren, versäumt, den zahlenmäßigen Rückgang an geförderten Wohnungen bzw. Sozialwohnungen zu stoppen.

FDP: Die FDP sieht den Schlüssel für mehr und günstigere Wohnungen in der Nachverdichtung. Bestehende Häuser müssten einfacher ausbau- oder aufstockbar werden, fordert OB-Kandidat Lars Vollmar.

Ein stärkeres Eingreifen der Stadt in den Wohnungsmarkt beurteilt die FDP skeptisch. Eine „Zwangsquote für geförderten Wohnungsbau“ ziehe Bauvorhaben nur in die Länge. Wenn sich CSU-Baureferent Gerd Merkle nun mit SPD, Grünen und Linken in einen „Überbietungswettbewerb“ begebe, sei das unglaubwürdig. „CSU, SPD und Grüne haben 2016 die Grundsteuer erhöht, die Vermieter voll auf die Nebenkosten umlegen können. Sie satteln mit jedem Bebauungsplan noch einmal auf staatliche Bauvorschriften zu Energieeffizienz, Barrierefreiheit oder Brandschutz drauf“, so Vollmar.

Diese Vorschriften hätten die Baukosten in Deutschland seit 2000 um etwa 50 Prozent erhöht. Dachbegrünungen und vorgeschriebene Fahrradstellplätze erhöhte die Kosten weiter. Insbesondere die CSU sei aufgefordert, eine Sozialquote zu verhindern.

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